Nawalny Dokumentation Filmposter

Inhalt: Der Dokumentarfilm begleitet den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny, den bekanntesten politischen Gegner von Präsident Putin. Die Geschichte folgt dem Oppositionellen in den Tagen vor und nach seiner Vergiftung mit dem chemischen Nervenkampfstoff Nowitschok – eine Tat, für die Navalny und seine Unterstützer Putin beschuldigen, direkt verantwortlich zu sein.

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FILM KRITIK

Dieser ziemlich außergewöhnliche Dokumentarfilm wurde Monate vor dem Beginn der Invasion in der Ukraine fertiggestellt, aber da Russland jetzt täglich in den Schlagzeilen ist, könnte er nicht aktueller sein.

Hier wird aus erster Hand geschildert, was es bedeutet, sich gegen Präsident Putin zu stellen, seinen Lebensunterhalt oder sogar sein Leben gegen den Staat aufs Spiel zu setzen. Der Film ist kein trockener, langweiliger Fernsehbericht, sondern kommt eher daher wie ein spannender Politthriller in bester Kinotradition. Als hätte Alan J. Pakula oder Paul Greengrass Regie geführt. Die erste Hälfte des Films zeigt, wie und warum Nawalny dem Kreml so sehr ein Dorn im Auge geworden ist.

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Filmemacher Daniel Roher hat anscheinend ungehinderten Zugang zum Volkshelden Nawalny und seinem Team und vermittelt ein anschauliches Bild vom Leben unter einem repressiven Regime, das jede/n Andersdenkende/n unterdrücken will, sowie von den Methoden, die erforderlich sind, um sich dem zu widersetzen.

Mit Pragmatismus und Humor

Alexei Nawalny
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Nawalny ist eine beeindruckende, charismatische Figur, die die Drohungen gegen sein Leben und seine Familie mit Pragmatismus und gutem Humor aufnimmt. Die Filmemacher haben auch keine Angst davor, seine PR-bewusste Seite oder seine dunklere Vergangenheit zu zeigen, die er mit der extremen Rechten teilt.

Im Mittelpunkt der zweiten Hälfte des Films steht die Vergiftung: Die Realität wird zu einem Ereignis, das den meisten von uns nur aus einer Schlagzeile bekannt ist.

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Titel wie „Zwei Tage vor der Vergiftung“ steigern die Spannung, als Nawalny plötzlich erkrankt und eine turbulente Krankenhausbehandlung durchmacht, bei der die russischen Ärzte der Presse gegenüber Unwahrheiten verbreiten.

Bemerkenswert ist seine ungläubige Reaktion, als er schließlich aus dem Koma erwacht: „Was zum Teufel?“, schreit er. „Vergiftet? Wenn man jemanden umbringen will, sollte man ihn einfach erschießen!“

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Ein außergewöhnlicher Einblick

Daraufhin schließt sich sein Team mit Christo Grozev zusammen, einem hartnäckigen Enthüllungsjournalisten, der die Spuren verfolgt, um russische FSB-Agenten ausfindig zu machen, die höchstwahrscheinlich das Attentat verübt haben.

Dies führt zur außergewöhnlichsten Sequenz des Films, in der Nawalny einem der Wissenschaftler, der verdächtigt wird, ihn vergiftet zu haben, einen Telefonstreich spielt, indem er vorgibt, sein Vorgesetzter zu sein. Während das Team verblüfft zuhört, erzählt der Mann, wie die Operation scheiterte. Es ist ein beeindruckender entscheidender Beweis. Derartiges Material ist ein Geschenk für jeden Filmemacher. So etwas würde man vielleicht als unrealistisch abtun, wenn es in einem Drehbuch stehen würde.

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Mitunter wirkt diese Geste in Richtung Genrefilm etwas stumpf – die Filmmusik ist zum Beispiel Hollywood pur, und die verwendeten Grafiken sind so subtil wie in einem aktuellen Bond-Film. Doch der Einblick in das Leben des Mannes, bis hin zu dem Moment, in dem Nawalny bei der Passkontrolle für seine Rückkehr nach Russland festgenommen wird, ist außergewöhnlich.

Zu einem Zeitpunkt, an dem die ganze Welt auf die eine oder andere Weise mit Russland ringt, ist dies ein erschütternder Bericht über den Mann, der Putin am ehesten die Stirn bieten konnte und dafür fast gestorben wäre. Selten ist ein Dokumentarfilm so eindringlich und treffend.

Fazit: Ein bemerkenswerter Einblick aus erster Hand, wie ein moderner Überwachungsstaat funktioniert und wie jede Art von sinnvoller Opposition existieren kann. Das Ergebnis ist gleichermaßen erschreckend wie hoffnungsvoll.