“Der Unsichtbare”: Filmkritik

Filmplakat Der Unischtbare

Film: Der Unsichtbare

Erscheinungstermin: 27. Februar 2020

Regisseur: Leigh Whannell

Darsteller: Elisabeth Moss, Storm Reid, Aldis Hodge, Oliver Mansour Jackson-Cohen

“Der Unsichtbare” – Story:

Cecilia Kass befindet sich in einer gewalttätigen Beziehung zu einem wohlhabenden und brillanten Wissenschaftler, bis sie eines Nachts vor ihm die Flucht ergreift. Unterstützt von ihrer Schwester Alice und ihrem Jugendfreund James, taucht Cecilia unter. Nachdem Cecilias Ex-Freund Adrian Selbstmord begeht und ihr einen großen Teil seines Vermögens hinterlässt, überkommt Cecilia allmählich das Gefühl, dass Adrian seinen Tod nur vortäuschte, um sich mit einem raffinierten Plan für das heimliche Verschwinden an ihr rächen zu können.

Als ihr Leben von einer Reihe unheimlicher Zufälle geplagt wird und sie die Leben derer bedroht sieht, die sie liebt, versucht sie verzweifelt zu beweisen, dass sie von jemandem gejagt wird, den niemand sehen kann.

Der Unsischtbare hat es auf Cecilia ( Elisabeth Moss ) abgesehen.
Cecilia ( Elisabeth Moss ) auf der Jagd nach dem Unsichtbaren

Filmkritik:

von Ilija Glavas

Kleiner Film mit großer Wirkung

Der Unsichtbare” ist ein Roman aus dem Jahr 1897 von H.G Wells. Er wurde bereits 1933 verfilmt. Weitere Filme zu dem Thema, kennt man unter “Hollow Man” mit Kevin Bacon. Die Neuauflage schlägt einen anderen, einen düsteren Weg ein. Die Geschichte gehört zu den bekannten “Universal – Monstern” und reiht sich u.a zu “Die Mumie” ein. Universal hat mit Start ihres “Dark Universe” und der neuen Mumien – Film – Umsetzung, inszenatorisch, tief ins Klo gegriffen. Das galt es dieses mal zu verhindern.

Das man für die neue Version des Unsichtbaren Mannes, die Experten für Horror – die Produktionsfirma Blumhouse ( Get Out ) – verpflichtet hat, rettet den Film. Ansonsten wäre es ein Blockbuster Ansatz, wie bei “Die Mumie” mit Tom Cruise geworden. Universal hat daraus gelernt. Kleiner Film – große Wirkung.

Ständig bewaffnet und auf der Hut -Elisabeth Moss als Cecilia
Ständig bewaffnet und auf der Hut -Elisabeth Moss als Cecilia

Die Freiheit hat ihren Preis

Die Neuauflage überrascht mit langsamer Erzählung. Gleich zu Beginn, flüchtet man mit Cecilia (Moss) aus einem auf den Klippen gebauten modernen Anwesen. Das Haus mutet wie ein Gefängnis an. Überall Kameras, alles wird aufgezeichnet. Hohe Mauern um das Gelände verhindern neugierige Blicke. Eine Flucht, aus diesem modernen Gefängnis, erscheint unmöglich.

Die erste Einstellung lässt schon vermuten, dass der Film ungemütlich wird. Peitschende Wellen des tosenden Ozeans vor San Francisco, die kühlen Bilder deuten Unheil an. Das alles beginnt ohne musikalische Untermalung. Still und Leise soll die Flucht  sein. Dieser Einstieg in die Geschichte, ist gleichzeitig spannend dargestellt. Eine Cecilia, die sich wie ein Dieb aus dem eigenen Haus schleichen muss – um der Tortur des schlafenden Ehemannes zu entkommen.

Die Einführung des Bösen einmal anders: Dieser Regie-Kniff überzeugt. Whannell zeigt uns nicht, was ihr Ehemann Adrian ( Oliver Jackson-Cohen) gemacht hat – sondern die Konsequenzen seiner Handlung sprechen, nein – sie schreien es uns in der Bildsprache deutlich entgegen. Umso brutaler die Folgen.

Das sichtbare Trauma einer brutalen Ehe

Cecilia findet Ruhe bei ihrem Freund und Polizisten James. Diese hält allerdings nur zwei Wochen. Ihre Ehe hat Spuren hinterlassen. Elisabeth Moss liefert ausdrucksstark und intensiv, diese Emotion in den Kinosaal. Eine seelisch zerstörte, verängstigte Frau, die sich nicht einmal zum Briefkasten traut. Elisabeth Moss gibt ihrer Cecilia die Nuancen, die sie glaubhaft für den Zuschauer machen. Man ahnt nicht ihre Qual – man spürt sie.

Man fiebert mit bei ihrer Flucht, lacht wenn sie lacht. Und freut sich für sie aus einer scheinbaren Hölle entkommen zu sein. Diese nicht sichtbare Hölle, das subtile Spiel – ist beklemmend. Der soziopathische Ehemann als Symbol des nicht sichtbaren, des täglichen Ehe Horrors.

Das Gegenstück ist dieses sich langsam aufbauende Unbehagen. Schließlich ist uns ein Unsichtbarer versprochen.  Das macht der Film zu Beginn mit seiner Tempoverschleppung hervorragend und manchmal einen Tick zu viel der Langsamkeit.

Der Unsichtbare verfilgt Cecilia ( Elisabth Moss) durch das nächtliche San Francisco
Elisabeth Moss am Rande der Verzweiflung

Der Unsichtbare ist eine filmische Überraschung

Der Film ist modern umgesetzt, passt sich der Zeit an. Die Szenen in denen unser unsichtbarer Freund in “Erscheinung” tritt sind alle Beängstigend. Menschen fürchten Dinge, die man nicht sieht. Wenn man spürt, dass jemand im Haus ist, es aber nicht sehen oder beweisen kann – dass ist der Horror dieses Films. Ein Horror – Thriller. Der film zerrt an den Nerven. Nicht immer perfekt, allerdings spannend genug um im Film zu bleiben. Die nötige Portion Blut ist zwar dabei – aber niemals drüber und auch nicht in Splatter Format.

Brutal wenn es sein muss, nie zum Selbstzweck. Starke Twists, die ihr Kraft aus der ruhigen unberechenbaren Situation nehmen. Und mit voller Wucht treffen. Man sieht sie nicht kommen – genau wie den Unsichtbaren. Leider ist die zweite Hälfte mit ihren Wendungen zu vorhersehbar und man wundert sich dann, warum der Regisseur, den Weg zum Action Horror einschlägt.

Teilweise ist die Musik in den spannenden Szenen komplett ausgeblendet. Die entsprechenden Szenen wirken dann über die Geräusche. Die Kamera ist hier und da nah am Körper – und nimmt uns die Rundumsicht. Man blickt in die Augen einer Angst-erfüllten Frau. Wir fühlen mit ihr. Wir leiden mit ihr. Diese Beklemmung lässt sich im Kinosaal nieder. Mit Erfolg.

Die Hintergrund Geschichte zum Unsichtbaren und seiner Entstehung, werden nur kurz mit einigen Bildern und Sätzen erklärt. Adrians Arbeit spielt dabei eine Rolle. Sie ist nicht das zentrale Thema, wie bei “Hollow Man”. Dieser Ansatz macht viel gut, was an Tempo verloren geht. Leider hat die zweite Stunde nicht alles im Griff, was der Anfang verspricht.

Fazit:

Ein moderner, gut durchdachter Thriller. Eine kleine Überraschung im jungen Kinojahr. Anders als gedacht und besser als erwartet. Das nennt man Neuauflage. Elisabeth Moss macht das erlebte greifbar, intensiv gespielt. Die erzählerische Länge kann etwas beunruhigen. Dafür erhält man guten Thrill und zwei Twists, die man nicht unbedingt kommen sieht.

Das Finale ist zwar konsequent und entspricht dem filmischen Kontext – es ist dank Drehbuch in Hälfte zwei, allerdings mit Logiklöchern gespickt.

Wertung: 7 / 10

10 – Meisterwerk – 8-9  sehr gut – 6-7 gut – 5  Ziel erreicht – 3-4 grad noch wach geblieben – 1-2 Geldverschwendung – 0 Geld zurück verlangen  

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