PAN´S LABYRINTH

Zwanzig Jahre nach seiner Premiere kommt einer der bekanntesten Filme von Guillermo del Toro noch einmal auf die große Leinwand. PANS LABYRINTH wird anlässlich seines 20. Jubiläums in einer neu restaurierten 4K-Fassung wiederaufgeführt und ist am 6. Oktober 2026 im Rahmen der monatlichen Event-Reihe „Best of Cinema“ in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen. Die neue Restaurierung war zuvor beim Filmfestival in Cannes präsentiert worden – jenem Festival, bei dem del Toros düsteres Fantasy-Drama 2006 seine internationale Premiere feierte.

Mit „Pans Labyrinth“ verband der mexikanische Regisseur eine märchenhafte Fantasiewelt mit einem historischen Drama über Gewalt, Faschismus und Widerstand. Im Mittelpunkt steht die junge Ofélia, gespielt von Ivana Baquero, die 1944 gemeinsam mit ihrer hochschwangeren Mutter in ein abgelegenes Landhaus zieht. Dort trifft sie auf ihren brutalen Stiefvater Captain Vidal, während in den umliegenden Wäldern die letzten republikanischen Widerstandskämpfer gegen das franquistische Regime kämpfen.

Ofélia flüchtet aus der Gewalt der Realität in eine geheimnisvolle Unterwelt

Das Spanien, in das Ofélia kommt, ist geprägt von Angst und militärischer Kontrolle. Fünf Jahre nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs versucht das Franco-Regime weiterhin, verbliebene republikanische Widerstandsgruppen zu zerschlagen. Captain Vidal, gespielt von Sergi López, kommandiert eine Einheit, die genau diese Aufgabe übernehmen soll. Seine Methoden sind kompromisslos, seine Vorstellung von Ordnung basiert auf Gewalt, Gehorsam und vollständiger Unterwerfung. Für Ofélia wird das abgelegene Anwesen deshalb schnell zu einem Ort, an dem sie kaum Sicherheit findet. Gleichzeitig verschlechtert sich der Gesundheitszustand ihrer schwangeren Mutter zunehmend.

Während die Erwachsenenwelt um sie herum immer bedrohlicher wird, entdeckt das Mädchen in der Nähe des Hauses ein altes Labyrinth. Dort begegnet ihr ein geheimnisvoller Faun, dargestellt von Doug Jones. Er behauptet, Ofélia sei in Wahrheit eine verschwundene Prinzessin aus einer unterirdischen Welt. Um dorthin zurückkehren zu können, müsse sie allerdings zunächst beweisen, wer sie wirklich ist. Drei Aufgaben soll sie erfüllen. Damit beginnt eine Reise, bei der nie vollständig eindeutig wird, ob Ofélia tatsächlich Zugang zu einer übernatürlichen Welt gefunden hat oder ob die Fantasie für sie zu einem Schutzraum vor einer Realität geworden ist, die zunehmend unerträglich wird.

Gerade diese Verbindung prägt den Film. Die märchenhaften Kreaturen bieten keine einfache Flucht aus der Wirklichkeit. Auch Ofélias Fantasiewelt besitzt Regeln, Gefahren und Wesen, deren Absichten nicht immer eindeutig sind. Je stärker die Gewalt innerhalb des Landhauses eskaliert, desto enger werden beide Ebenen miteinander verbunden.

Der bleiche Mann gehört zu del Toros bekanntesten Kreaturen

Neben dem Faun gehört insbesondere der sogenannte Pale Man beziehungsweise Bleiche Mann zu den Bildern, die „Pans Labyrinth“ weit über den Film hinaus bekannt gemacht haben. Auch diese Kreatur wird von Doug Jones verkörpert. Das Wesen sitzt regungslos vor einer reich gedeckten Tafel. Seine Augen befinden sich nicht in seinem Gesicht, sondern in seinen Handflächen. Erst als Ofélia entgegen einer Warnung von den Speisen nimmt, erwacht die Kreatur und beginnt, sie zu verfolgen.

Die Szene steht exemplarisch für Guillermo del Toros Umgang mit fantastischen Wesen. Seine Monster dienen selten ausschließlich dazu, Angst zu erzeugen. Körper, Masken, Farben und Bewegungen besitzen häufig eine symbolische Funktion innerhalb der Geschichte. Bei „Pans Labyrinth“ trifft diese Gestaltung unmittelbar auf die historische Ebene des Films. Das Fantastische erscheint grotesk und bedrohlich, während die größte menschliche Grausamkeit von Captain Vidal ausgeht. Der Film verwischt damit bewusst die traditionelle Grenze zwischen Monster und Mensch.

Eine wichtige Rolle spielen dabei praktische Effekte, aufwendiges Maskenbild und reale Sets. Doug Jones arbeitete für seine Auftritte in umfangreichen Kostümen und Prothesen, während digitale Effekte vor allem ergänzend eingesetzt wurden. Die 4K-Restaurierung bringt diese visuelle Gestaltung nun zwanzig Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung erneut auf die Kinoleinwand.

Drei Oscars für Kamera, Szenenbild und Maskenbild

„Pans Labyrinth“ entwickelte sich nach seiner Premiere 2006 zu einem der international erfolgreichsten Filme Guillermo del Toros. Bei der 79. Oscar-Verleihung erhielt die Produktion sechs Nominierungen und gewann drei Academy Awards. Ausgezeichnet wurden Guillermo Navarro für die Kamera, Eugenio Caballero und Pilar Revuelta für das Szenenbild sowie David Martí und Montse Ribé für das Maskenbild. Gerade diese drei Bereiche sind wesentlich für die Verbindung zwischen der historischen Realität und der fantastischen Welt des Films.

Die Kamera trennt beide Ebenen nicht vollständig voneinander, sondern lässt Farben, Bewegungen und räumliche Strukturen zunehmend ineinandergreifen. Das Szenenbild verbindet reale Orte mit Labyrinthen, unterirdischen Räumen und märchenhaften Architekturen. Das Maskenbild wiederum prägt einige der bekanntesten Kreaturen aus del Toros Filmografie. Insgesamt erhielt der Film zahlreiche internationale Auszeichnungen und etablierte sich als eines der zentralen Werke des Regisseurs, lange bevor del Toro später mit „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ auch den Oscar für die beste Regie und den besten Film gewinnen sollte.

Neben Ivana Baquero, Sergi López und Doug Jones gehören Ariadna Gil und Maribel Verdú zum Ensemble. Verdú spielt Mercedes, die im Haushalt Vidals arbeitet und heimlich Verbindungen zu den Widerstandskämpfern unterhält. Ihre Geschichte bildet einen entscheidenden Gegenpol zu Ofélias Erlebnissen und führt die politische Ebene des Films unmittelbar in das Haus des faschistischen Offiziers.

Zwanzig Jahre nach der ersten Veröffentlichung erhält „Pans Labyrinth“ nun erneut eine reguläre Präsentation auf der großen Leinwand. Die restaurierte 4K-Fassung wird innerhalb der „Best of Cinema“-Reihe gezeigt, die regelmäßig bekannte Filme für einen einzelnen Eventtag zurück ins Kino bringt.

PANS LABYRINTH ist am 06. Oktober 2026 in der restaurierten 4K-Fassung im Rahmen von „Best of Cinema“ wieder in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.