Filmkritik: The Gentlemen


Besetzung: Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam, Colin Farrell, Michelle Dockery, Henry Golding, Jeremy Strong, Eddie Marsan u.a.

Regie & Drehbuch: Guy Ritchie

Kinostart: 27. Februar 2020

Story:

Smart, knallhart und mit genialem Gespür fürs Geschäft hat sich der Exil-Amerikaner Mickey Pearson (Matthew McConaughey) über die Jahre ein millionenschweres Marihuana-Imperium in London aufgebaut. Er exportiert feinsten Stoff nach ganz Europa. Doch Mickey will aussteigen. Endlich mehr Zeit mit seiner Frau Rosalind (Michelle Dockery) verbringen und auf legalem Weg das Leben in Londons höchsten Kreisen genießen.

Ein Käufer für die landesweit verteilten – und dank des chronisch geldknappen Landadels gut versteckten – Hanf-Plantagen muss her. Auftritt: Matthew Berger (Jeremy Strong).

Der exzentrische Milliardär bietet eine hohe Summe, will jedoch Garantien sehen. Und das ausgerechnet in dem Moment, in dem sämtliche Groß- und Kleinkriminellen der Stadt Wind von Mickeys Plänen bekommen haben. Triaden-Boss Lord George (Tom Wu) ganau so wie der durchgeknallte Emporkömmling Dry Eye (Henry Golding). Dazu gehört auch der schmierige Privatdetektiv Fletcher (Hugh Grant).

Mickey’s rechte Hand Ray (Charlie Hunnam) hält seinem Boss den gröbsten Ärger vom Hals. Währenddessen überbieten sich alle Beteiligten mit Tricks, Bestechung, Erpressung und anderen fiesen Täuschungen und lösen eine folgenschwere Lawine aus…

Filmkritik The Gentlemen. Eine amüsante Mischung aus Humor und Gewalt
Hugh Grant als schmieriger und undurchsichtiger “Fletcher” im Gespräch mit Charlie Hunnam als “Ray”

Filmkritik:

von Ilija Glavas

Eine amüsante Mischung aus Humor und Gewalt

The Gentlemen lebt von Guy Ritchie’s Regie und Erzähltempo. Es dauert dann auch nicht lange, bis Guy Ritchie’s Gangster – Zauber einsetzt und die Gentlemen ihren Rhythmus finden. Dabei dirigieren die ehrenwerten Gentlemen ihre eigene Symphonie aus Action, Komödie und exquisiten Flüchen.

Bevor Guy Ritchie das Ruder für das Sherlock – Franchise oder “The Man From U.N.C.L.E.” übernahm, war der Regisseur für eine besondere Art von Film bekannt: als Macher chaotischer Cockney – Gangster – Grotesken. Immer gepaart mit Blut, Schimpfwörtern und dubiosen Charakteren, mit denen er eine tolle Gangster Posse spinnen konnte.

Guy Ritchie ist zurück in seinem Element

Die Rückkehr eines Regisseurs zu seinem Lieblings -Genre, weckt bestenfalls Neugier oder löst schlimmstenfalls Panik aus. Schließlich kann die Rückkehr zum Quell seines Erfolgs manchmal als Zeichen von Besorgnis des Filmemachers gewertet werden, den Anschluss zu verlieren. Das ist bei diesem Film jedoch nicht der Fall. Ritchie hat seinen Witz nochmals aufgefrischt und mit einem Hauch von respektloser Komik und Gewalt ergänzt.

Damit erinnert er uns daran, warum er überhaupt berühmt geworden ist. The Gentlemen ist Guy Ritchie’s erstes Originalwerk seit über 10 Jahren. Der “Britische Tarantino” – wie er seit seiner ersten Erfolge mit “Bube, Dame, König, grAs” und “Snatch”, genannt wird – ist zurück. Er versammelt erneut einen Cast der Extraklasse um sich herum.

Die Story begleitet Marihuana-König Michael “Mickey” Pearson (Matthew McConaughey), der mit einem ordentlichen Batzen Geld, das Spielfeld verlassen möchte. Natürlich ist dies leichter gesagt als getan. Der potentielle Käufer (Jeremy Strong ) und ein neuer Player im Gangster Business, (Henry Golding) – verfolgen andere Pläne. Und die sind Bleihaltig.

Filmkritik:  The Gentlemen - Amüsante Mischung aus Humor und Gewalt.
Michael Pearson – “Mickey” (Matthew McConaughey)
in Guy Ritchies neuem Film: The Gentlemen

Gangster erster Güte

Mit weiteren Protagonisten des Chaos, u.a.(Colin Farrell und Hugh Grant), starten die Gentlemen eine kurvenreiche und manchmal überraschende Achterbahnfahrt. Diese halsbrecherische Geschwindigkeit halten sie nicht immer bis zur Zielgeraden. Ritchie geht auf Nummer sicher, nimmt hier und da das Tempo raus – und weiß um die Zutaten, um diesen Krimi Cocktail, den Filmfans schmackhaft zu machen. Selbst diese kleinen Längen schaffen es nicht, dass man sich langweilt. Dies verhindern die skurrilen Gangster Typen mit ihren kuriosen Eigenheiten. Ray (Charlie Hunnam) ist z.B. ein Freund von Ordnung und Sauberkeit.

Es mutet schon fast neurotisch an, wie er sein Haus in Ordnung hält. Das gelingt im Job als Mickey’s rechte Hand nicht immer ohne Staub aufzuwirbeln.

So gehen Mickey’s rechte Hand Ray – (Charlie Hunnam) und Feinde, wie der rachsüchtige Leiter einer Boulevardzeitung (Eddie Marsan), an die Arbeit. Und die sieht an manchen Stellen, ganz Ritchie -like, sehr blutig aus.

The Gentlemen ist ein Film, der sich auf sicheren Terrain bewegt, ähnlich wie viele andere Filme von Guy Ritchie. Die Verflechtungen der Geschichte sind der Treibstoff – und das reizt Guy Ritchie genüsslich aus. Der Film lässt sich Zeit, um seine Geschichte zu verweben, insbesondere in einem narrativ starken ersten Akt. Die Erzählweise von Hugh Grants Figur “Fletcher” ist hierbei innovativ wie gewöhnungsbedürftig. Kurioses, wie eine noch nie dagewesene Live Action Version von “Old McDonald had a Farm” – werden definitiv in Erinnerung bleiben.

Michelle Dockery (Downtown Abbey)
Michelle Dockery (Downtown Abbey)

Hugh Grant als “MVP” im Gangster Paradies

Hugh Grant spielt seinen “Fletcher” mit einer großen Portion Spaß, dass man meinen könnte, dieser Film sei von einer berühmten Whiskey Destillerie gesponsert worden. Positiv ist, dass Grant es wirken lässt, als sei der Film nicht auf seine Rolle fixiert. In Wirklichkeit hält er das Drehbuch – wortwörtlich – in seiner Hand. Ein großartiger Kniff mit darauffolgenden Selbst – Referenzen und Ideen Feuerwerk.

Fletcher’s Rolle besteht darin, die wehrte Spielgemeinschaft zusammenzuhalten. Das macht er überragend. Auch wenn Colin Farrell glänzt und Matthew Mc Conaughey es, wie immer, souverän spielt. Nicht nur wegen des eher zurückhaltenden Schauspiels von McConaughey, ist es Grant’s großer Auftritt. Es ist nicht schwer Hugh Grant als den MVP dieser Star Besetzung zu erkennen. Gleichzeitig auch eine Michelle Dockery (Downtown Abbey) auf der Leinwand zu bewundern macht mächtig Spaß.

Man genießt es, wie sie einen “Briefbeschwerer” gegen austauschbare Schlägertypen einsetzt und mit einem Cockney-Akzent flucht ( sofern man den Film in englischer Sprache genießt = empfohlen ). Solche Szenen sind die Treibladung und der Taktgeber.

Auch ein Colin Farrell mit seiner Boxer Gang in Designer Trainingsanzügen, sorgt für große Lacher. Dazu gesellt sich ein toller Henry Golding, wie er versucht die Spitze dieses (un)-ehrenhaften Haufens zu erklimmen – und zu töten, was ihm in die Quere kommt.

Fazit:

Guy Ritchie ist zurück mit einer Gangster Groteske der besseren Art. Sein Film lebt von der starken Besetzung und den skurrilen Figuren. Gangster – Coolness gepaart mit starken Dialogen und ein in Top Form spielender Cast. Allen voran Hugh Grant.

Durchzogen von Meta Ebenen und Selbstreferenz, lässt der Film alle Fans des “britischen Tarantino’s” – erleichtert das Kino verlassen. Das Lied “Old McDonald Had A Farm”, wird für alle nach dem Film – nie wieder das selbe sein.

Wertung: 7,5 / 10

10 – Meisterwerk – 8-9  sehr gut – 6-7 gut – 5  Ziel erreicht – 3-4 grad noch wach geblieben – 1-2 Geldverschwendung – 0 Geld zurück verlangen  


Trailer zu “The Gentlemen”: Hier

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