Inhalt: Der mächtigste Mann der Welt begibt sich auf eine verzweifelte Mission, um zu beweisen, dass er der Retter der Menschheit ist, bevor die von ihm ausgelöste Katastrophe alles zerstört.
Viel Bewegung, wenig Halt
Alejandro González Iñárritus Kino bewegt sich zwischen technischer Brillanz und Selbstbespiegelung. In seinen besten Filmen vertieft die aufwendige Form das Verständnis der Figuren: Die scheinbar ununterbrochene Einstellung in „Birdman“ begleitet einen Mann, der sich selbst nicht entkommen kann. Die Brutalität von „The Revenant“ verbindet äußere Gewalt mit innerer Verwüstung. In „Digger“ dient die inszenatorische Raffinesse dagegen häufig vor allem ihrer eigenen Vorführung.
Ein dringender Anruf reißt den alternden Ölmagnaten Digger aus dem Bett. Seine Unternehmungen in der Arktis haben eine Katastrophe ausgelöst, ein gewaltiger Eisberg namens Judy bedroht Skandinavien, und der US-Präsident verlangt Antworten. Binnen Minuten steht der Weltuntergang bevor. Iñárritu hält dieses rasante Tempo aufrecht, während Digger versucht, die drohende Apokalypse abzuwenden. Doch die Ereignisse ermüden zunehmend, weil eine Figur fehlt, an der man sich emotional festhalten könnte. Digger bleibt ein großspuriger Angeber.

Die Metaebene beschäftigt sich vor allem mit dem eigenen Film
Sandra Hüller, John Goodman und Jesse Plemons müssen sich mit Rollen begnügen, die kaum über eine einzelne Eigenschaft hinausreichen. Nur Riz Ahmed verleiht seinem innerlich zerrissenen Wissenschaftler mehr Kontur. Seine Verschrobenheit erinnert an eine Figur aus einem Wes-Anderson-Film, hinter der tatsächlich widersprüchliche Empfindungen erkennbar werden.
Eine frühe Wendung soll das Geschehen erden und die Karikatur hafte Figurenzeichnung erklären. Sie überzeugt jedoch selbst innerhalb ihrer eigenen Logik nicht vollständig. Stattdessen bietet sie Iñárritu vor allem Gelegenheit, sein Werk zu kommentieren. Die ineinandergeschobenen Erzählebenen erweitern damit die Konstruktion, ohne die Auseinandersetzung mit Macht und Verantwortung entscheidend zu vertiefen. „Digger“ legt mehr Wert darauf, wie die Geschichte erzählt wird, als darauf, was sie über die Figuren verrät. Der künstlerische Anspruch überschattet die Satire.
Bildgestaltung und Hauptdarsteller tragen den Film
Emmanuel Lubezkis Kameraarbeit und das Produktionsdesign von Dennis Gassner und Richard Johnson erreichen jene an Kubrick erinnernde Erhabenheit, die Iñárritu anstrebt. Die visuelle Gestaltung besitzt eine Wucht, der man sich auch dann kaum entziehen kann, wenn die Erzählung wenig hergibt. Tom Cruise begegnet diesem Aufwand mit vollem Einsatz.
Durch umfangreiche Prothesen körperlich verwandelt, wirft er sich furchtlos in die überdimensionierte Rolle. Seine Darstellung zeigt, wie fesselnd er jenseits seiner etablierten Filmstar-Persona sein kann. Die begrenzte Ausarbeitung Diggers gleicht er mit Präsenz und unbedingter Hingabe zumindest teilweise aus. Gerade Cruise macht den Wagemut dieses Projekts greifbar.
Fazit
Insgesamt bleibt „Digger“ somit ein außergewöhnliches filmisches Wagnis, dessen technische Raffinesse die dürftige Erzählsubstanz nur bedingt ausgleichen kann. Man bewundert häufiger die Umsetzung, als dass man sich für die Handlung interessiert.
Film Bewertung 6 / 10





