Der Teufel Trägt Prada 2

Inhalt: Fast zwanzig Jahre nach ihren legendären Auftritten als Miranda, Andy, Emily und Nigel kehren Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci zu den Fashion-Hotspots von New York City und in die eleganten Büros des Runway Magazins zurück.

©️ 20th Century Studios DE

Zwischen Tradition und Transformation: Runway im Umbruch

In einer Zeit, in der mächtige Führungspersönlichkeiten scheinbar nicht genug davon bekommen können, ihre eigene Stimme zu hören, ist das Schweigen von Miranda Priestly ohrenbetäubend. Als herrische Chefredakteurin des die Modebranche prägenden Magazins „Runway“ reicht ein Zusammenpressen ihrer Lippen, um renommierte Designer zurück an den Zeichenblock zu schicken. Wenn sie sich tatsächlich zu einem Wort hinreißen lässt, stürzt ihr abweisendes Standard-„Das ist alles“ die Mitarbeiter in tiefe Verzweiflung.

Das alles sorgte dafür, dass *Der Teufel trägt Prada* ein großartiges Filmvergnügen ist. Aus der Perspektive von Anne Hathaway als ehrgeizige Journalistin Andy wurden wir Zeugen, wie eine in Alexander McQueen gekleidete Chefin ihr Unternehmen mit hemmungsloser Hartnäckigkeit, ein paar persönlichen Opfern und einem perfekt dosierten, vielsagenden Blick auf Erfolgskurs hielt. Deshalb müssen diese Momente, falls in der lang erwarteten Fortsetzung mehr Dialoge erforderlich sind, voll ins Schwarze treffen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass genau diese Aura, die Miranda einst so unantastbar machte, verloren geht.

Die Anerkennung verdient Regisseur David Frankel und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna, welche über die Jahre hinweg der Versuchung widerstanden haben, vorschnell eine Fortsetzung in Angriff zu nehmen. Die beiden haben die Geschichte nicht einfach nach altbewährter Formel wiederholt, sondern vor dem Hintergrund einer sich radikal wandelnden Medienlandschaft aufgebaut.

Mittlerweile ist Andy eine etablierte, preisgekrönte Reporterin, die jedoch selbst von Kosteneinsparungsmaßnahmen betroffen ist. Gleichzeitig gerät Miranda nach einer Enthüllungsgeschichte mitten in einen Skandal um Ausbeutung und Kinderarbeit in sogenannten „Sweatshops“. Das Ergebnis: Andy kehrt zurück, um den ramponierten Ruf von „Runway“ wiederherzustellen.

(L-R) Meryl Streep und Stanley Tucci in Der Teufel trägt Prada 2 (2026)
(L-R) Meryl Streep und Stanley Tucci in Der Teufel trägt Prada 2 (2026) Foto von 20th Century Studios – © 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Weniger Reibung, mehr Struktur

Vor Ort zeigt sich ein deutlich verändertes Bild. Budgets sind gekürzt, digitale Strategien dominieren die Agenda und klassische Autorität wird zunehmend durch wirtschaftliche Zwänge ersetzt. Besonders bitter: Miranda muss sich ausgerechnet einer ehemaligen Mitarbeiterin annähern, Emily Charlton (Emily Blunt), die mittlerweile eine Schlüsselrolle bei Dior innehat. Der Film setzt auf ein Thema, das aktueller kaum sein könnte: den Wandel des Journalismus. Dennoch fehlt es der Geschichte stellenweise an Reibung.

Wo der erste Teil von der dynamischen Spannung zwischen Miranda und Andy lebte, wirkt diese Beziehung nun deutlich stabiler. Neue Gegenspieler, darunter Figuren aus der Tech-Welt, bleiben überraschend blass und schaffen es nicht, echte dramaturgische Gegengewichte zu bilden. Dadurch entsteht ein Narrativ, das zwar sauber funktioniert, aber selten emotional eskaliert. Gleichzeitig gibt es immer wieder Momente, die an die alte Stärke erinnern. Kleine, präzise gesetzte Szenen, so z.B. Miranda, die versucht, ihren Mantel selbst aufzuhängen, die zeigen, wie viel Wirkung in den Details steckt.

Ein Ensemble in Bestform

Was den Film trägt, ist die Besetzung. Anne Hathaway verleiht ihrer Figur eine Mischung aus Entschlossenheit, aber auch Erschöpfung. Emily Blunt überzeugt erneut durch ihr präzises Timing und ihre subtile Ironie. Stanley Tucci bringt als Nigel Herz und Eleganz in die Rolle ein und erhält mehr Leinwandpräsenz als im Vorgängerfilm. Im Mittelpunkt steht jedoch weiterhin Meryl Streep. Ihre Darstellung der Miranda Priestly zeichnet sich nach wie vor durch eine charismatische Ausstrahlung aus.

Der Film gewährt gelegentlich tiefere Einblicke in die Figur, ohne ihre Unnahbarkeit vollständig zu zerstreuen. Ihre Autorität bleibt ungebrochen, auch wenn ihr diesmal ein ebenbürtiger Gegenpart fehlt. „Der Teufel trägt Prada 2“ präsentiert sich als stilsichere Fortsetzung, die bewusst nicht nur auf Nostalgie setzt, sondern ihre Figuren in eine neue, zeitgemäße Erzählung überführt. Besonders überzeugend ist, wie gereift und reflektiert die Charaktere angelegt sind, ein klares Zeichen für ein präzise gearbeitetes Drehbuch.

Fazit: Der Fokus auf den strukturellen Wandel der Medienbranche verleiht dem Film Relevanz und Aktualität, nimmt ihm jedoch gleichzeitig einen Teil der bissigen Schärfe, die das Original so ausgezeichnet hat. Getragen wird das Ganze von einem spielfreudigen Ensemble, allen voran Meryl Streep, die ihrer ikonischen Figur erneut Präsenz und Würde verleiht. Das Ergebnis ist eine elegante Weiterführung der Geschichte, die vielleicht weniger aggressiv zuspitzt, dafür aber mit klarem Stilbewusstsein und erzählerischer Reife überzeugt.

Film Bewertung 7 / 10