BACKROOMS

Inhalt: Clark (Chiwetel Ejiofor), der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts, entdeckt im Keller seines Ladens eine unsichtbare Tür. Bald ist er wie besessen davon, das Geheimnis dahinter zu lüften, und vertraut sich seiner Psychologin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve) an. Als sie ihm dorthin folgt, lauert hinter den Wänden etwas Düsteres und Gefährliches.

Horror durch Atmosphäre statt Schockeffekte

Mit „Backrooms“ gelingt dem erst 20-jährigen Regisseur Kane Parsons einer der ungewöhnlichsten Horrorfilme der letzten Jahre. Basierend auf seiner erfolgreichen YouTube-Webserie und dem bekannten Internetphänomen rund um die sogenannten Backrooms erschafft Parsons ein Werk, das sich klassischen Genre-Konventionen konsequent verweigert. Statt einfacher Schockmomente setzt der Film auf Atmosphäre, Orientierungslosigkeit und ein permanentes Gefühl unterschwelliger Bedrohung.

Im Zentrum steht Clark, gespielt von Chiwetel Ejiofor, der durch einen unerklärlichen Vorfall in eine fremde Dimension gerät. Hinter den Wänden seines gewöhnlichen Alltags verbirgt sich ein scheinbar endloses Labyrinth aus gelblichen Räumen, schmalen Gängen, Treppen und Türen, die nirgendwohin zu führen scheinen. Je tiefer Clark in diese Welt eindringt, desto mehr verliert er jedes Gefühl für Realität, Raum und Zeit. Parsons inszeniert die Backrooms als Albtraum haften Nicht-Ort, der zugleich vertraut und vollkommen fremd wirkt. Überall summen Leuchtstoffröhren, seltsame Gegenstände tauchen scheinbar wahllos auf und verschwinden wieder. Das Labyrinth folgt keiner erkennbaren Logik und erzeugt genau dadurch seine verstörende Wirkung.

Der Film erinnert dabei weniger an klassische Horrorproduktionen als an experimentelles Arthouse-Kino. Immer wieder wechselt die Inszenierung zwischen nüchterner Beobachtung und Found-Footage-Ästhetik. Kreaturen tauchen meist nur flüchtig auf, Antworten bleiben lange aus. Wer auf schnelle Spannung oder permanente Schreckmomente hofft, dürfte enttäuscht werden. Stattdessen fordert „Backrooms“ Geduld und die Bereitschaft, sich auf das Unbekannte einzulassen.

Backrooms
Foto © A24

Ein mutiger Horrorfilm für ein spezielles Publikum

Nicht jede Entscheidung funktioniert gleichermaßen. Manche Zuschauer werden die bewusste Undurchsichtigkeit als faszinierend empfinden, andere als frustrierend. Gerade die späteren Erklärungsansätze nehmen dem Mysterium teilweise etwas von seiner ursprünglichen Kraft. Dennoch bleibt „Backrooms“ ein bemerkenswert eigenständiges Werk, das sich deutlich von der Masse aktueller Horrorfilme abhebt.

Visuell und atmosphärisch entwickelt der Film eine hypnotische Qualität. Kane Parsons beweist dabei ein außergewöhnliches Gespür für Bildsprache, Raumwirkung und psychologischen Horror. Es ist selten, dass ein so junger Filmemacher bereits eine derart eigenständige Handschrift erkennen lässt.

Fazit: „Backrooms“ ist ein verstörender, langsamer und hochgradig ungewöhnlicher Horrorfilm, der mehr Fragen stellt als Antworten liefert. Wer sich auf das surreale Labyrinth einlässt, erlebt einen der faszinierendsten Genrebeiträge der letzten Jahre und den beeindruckenden Einstand eines außergewöhnlichen Regietalents.

FILM BEWERTUG 8 / 10