Inhalt: In PRIMATE entwickelt sich der tropische Urlaub einer Freundesgruppe in eine erschütternde Horrorgeschichte und wird zu einem puren Überlebenskampf.
Isolation, Instinkt und eskalierende Kontrolle
Regisseur Johannes Roberts verabschiedet sich vorerst von gefräßgen Haien und setzt in Primate auf eine mindestens ebenso unberechenbare Bedrohung: einen mörderischen Schimpansen. Inspiriert von Klassikern wie Link verlegt Roberts den Terror in ein abgelegenes Haus auf einer hawaiianischen Klippe.
Dank moderner Suitmation- und Motion-Capture-Technik wirkt der Affe Ben erstaunlich physisch, weit entfernt von den Zeiten, in denen man man außerhalb des Bildes mit Bananen wedeln musste. Im Zentrum steht Lucy, gespielt von Johnny Sequoyah, die gemeinsam mit Freundinnen einen Urlaub im Elternhaus verbringt. Ihr Vater, ein gehörloser Schriftsteller, verkörpert von Troy Kotsur, lebt dort mit Ben, einem Schimpansen, der Gebärdensprache beherrscht und über eine Sprach-Tastatur kommuniziert.
Nach einem Tollwutbiss kippt die Situation jedoch brutal. Aus dem vertrauten Haustier wird ein intelligenter, unbarmherziger Jäger, der seine Umgebung genau kennt und seine menschlichen Mitbewohner strategisch in die Enge treibt.

Pulp-Horror mit Selbstbewusstsein
Inszenatorisch zieht man die Spannung aus klassischen Genre-Zutaten: isolierter Schauplatz, keine greifbaren Handys, ein Elternteil außer Haus und eine Gruppe junger Menschen, deren Überlebenschancen von Beginn an überschaubar wirken. Besonders effektiv ist die Idee der Hydrophobie des infizierten Affen, die die Überlebenden ausgerechnet in einen Pool treibt, der gefährlich nahe an einem tödlichen Abgrund liegt.
Parallel tickt die Uhr für ein gebissenes Mädchen, das dringend medizinische Hilfe benötigt, ein simples, aber funktionierendes Suspense-Element. Roberts versteht sein Handwerk, Sequoyah überzeugt als Protagonistin, und der Film weiß um seine eigene Absurdität. Nicht alles zündet, und psychologische Tiefe sollte man nicht erwarten, doch der Film besitzt Tempo, makabre Einfälle und einen trockenen Humor, der das Geschehen selbstironisch auflockern.
Fazit: Primate ist nichts anderes als Cujo mit Schimpansen und Swimmingpool statt Hund und Auto. Aber als solider Horror-Kitsch mit Spaß an Grausamkeit und Genre-Konventionen funktioniert der Film erstaunlich gut. Keine Offenbarung, aber kurzweilige, bissige Unterhaltung für Fans des gepflegten B-Movies.
Film Bewertung 6 / 10





