Inhalt: Eigentlich sollte die vorübergehende Versetzung in die verschlafene Kleinstadt Normal für Sheriff Ulysses (Bob Odenkirk) eine willkommene Auszeit von Eheproblemen und beruflichen Rückschlägen sein. Doch als ein misslungener Banküberfall die trügerische Ruhe der Stadt durcheinanderbringt, wird schnell klar, dass die Bewohner weit mehr zu verbergen haben, als zunächst angenommen. Ulysses merkt plötzlich: Diese Kleinstadt ist alles andere als „normal“…
Zwischen Kleinstadtidylle, Gewalt und Dynamit
Normal wirkt zunächst fast wie ein spiritueller Verwandter von Nobody. Kein Wunder, schließlich arbeitet Bob Odenkirk erneut mit Drehbuchautor Derek Kolstad zusammen, der bereits hinter „Nobody“ und John Wick steckt. Diesmal spielt Odenkirk allerdings keinen ehemaligen Auftragskiller, sondern den abgekämpften Interimssheriff Ulysses, der in eine verschneite Kleinstadt versetzt wird, die irgendwo zwischen Coen-Brüder-Atmosphäre und Western-Noir existiert.
Eigentlich erwartet Ulysses dort nur die üblichen „kleine Stadt, kleine Probleme“-Klischees. Doch schnell wird klar, dass mit diesem Ort etwas ganz und gar nicht stimmt. Warum besitzt die Polizeistation ein übertrieben großes Waffenarsenal? Weshalb hört die ältere Dame aus dem Handarbeitsladen Polizeifunk ab? Und warum laufen plötzlich neunfingrige japanische Sicherheitsmänner durch die Gegend?
Ulysses versucht zunächst, sich aus allem herauszuhalten. Bob Odenkirk spielt ihn nicht als coolen Zyniker, sondern als erschöpften Realisten, der längst verstanden hat, dass das Leben einfacher wird, wenn man nicht überall genauer hinsieht.

Ben Wheatley inszeniert Kugelhagel mit schwarzem Humor
Natürlich hält die Ruhe nicht lange. Als zwei Fremde mitten während eines Schneesturms eine Bank überfallen, kippt die Situation komplett ins Chaos. Die Stadt verwandelt sich in ein Schlachtfeld voller Kugeln, improvisierter Waffen und eskalierender Gewalt. Gerade hier zeigt sich der Einfluss von Ben Wheatley, der den Film mit einer Mischung aus trockener Satire, absurdem Humor und kompromissloser Brutalität inszeniert.
Immer wieder erinnert „Normal“ dabei an Werke wie Assault – Anschlag bei Nacht, Hot Fuzz oder Wheatleys eigenes Free Fire. Besonders die Action funktioniert erstaunlich gut. Odenkirk überzeugt erneut als widerwilliger Actionheld, der mit Fleischklopfern kämpft, Granatwerfer abfeuert und sich mit sichtbarer Erschöpfung durch Schlägereien arbeitet. Die Gewalt bleibt dabei roh, physisch und angenehm chaotisch.

Satire, Action und ein Hauch Coen-Brüder
Unter der Oberfläche steckt zusätzlich eine deutliche Kritik an gesellschaftlicher Paranoia, Waffenfetischismus und dem politischen Klima der MAGA-Ära. Wheatley streut diese Elemente allerdings eher beiläufig ein, ohne daraus ein schweres politisches Statement zu machen. Nicht jede Idee wird dabei vollständig ausgearbeitet. Einige Nebenfiguren und Konflikte wirken eher angerissen als wirklich vertieft.
Gerade emotionale Aspekte wie Ulysses’ Vergangenheit oder die Geschichte rund um das Transkind des früheren Sheriffs bleiben etwas zu oberflächlich. Durch die kurze Laufzeit von knapp 90 Minuten verliert der Film allerdings nie sein Tempo. „Normal“ interessiert sich ohnehin deutlich stärker für eskalierende Gewalt, bizarre Figuren und schwarzhumorige Eskalationen als für psychologische Tiefe.
Fazit: „Normal“ ist eine stilvoll brutale Mischung aus Kleinstadt-Thriller, Actionfilm und satirischem Grindhouse-Chaos. Bob Odenkirk beweist erneut sein Talent als widerwilliger Actionheld, während Ben Wheatley dem Film genau die richtige Portion Wahnsinn verpasst.
Film Bewertung 7 / 10





