WIENER BLUES

Ein Musiker, eine Wiener Altbauwohnung und eine Welt, die sich schneller verändert, als ihr Bewohner es wahrhaben möchte: „Wiener Blues – The Loneliest Man in Town“ kommt am 19. November 2026 in die deutschen Kinos. Das Regieduo Tizza Covi und Rainer Frimmel erzählt darin die Geschichte eines alternden Bluesmusikers, dessen Rückzug in Erinnerungen durch eine drohende Zwangsräumung abrupt beendet wird.

Die bittersüße Komödie entstand in sorgfältig komponierten 16-Millimeter-Aufnahmen und ist stark vom tatsächlichen Leben ihres Hauptdarstellers inspiriert: Österreichs Blues-Musiker Alois Koch alias Al Cook verkörpert sich selbst, während seine eigene Wohnung und sein Studio als Schauplätze dienten.

Ein Bluesmusiker in einer Wohnung voller Vergangenheit

Früher stand Al Cook regelmäßig auf der Bühne. Seit dem Tod seiner Frau lebt er jedoch weitgehend zurückgezogen in seiner Wiener Altbauwohnung. Zwischen Schallplatten, Videokassetten und Erinnerungsstücken scheint sich die Zeit dort kaum weiterzubewegen. Während sich Wien und die Gesellschaft um ihn herum verändern, hält Al an der Musik fest, die sein Leben geprägt hat. Doch auch der Blues selbst scheint zunehmend aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden.

Diese selbst geschaffene Konstante gerät ins Wanken, als Immobilieninteressen sein Zuhause bedrohen. Das Haus soll abgerissen werden, Al muss seine Wohnung verlassen und verliert damit nicht nur einen Wohnort, sondern den physischen Mittelpunkt seiner Erinnerungen. Was zunächst wie der endgültige Zusammenbruch seiner vertrauten Welt erscheint, entwickelt sich nach und nach zur Möglichkeit, noch einmal eine andere Richtung einzuschlagen. Covi und Frimmel verbinden diesen persönlichen Einschnitt mit Fragen nach Einsamkeit, Verlust und der Fähigkeit, selbst in einem fortgeschrittenen Lebensabschnitt noch einmal neu zu beginnen.

WIENER BLUES – THE LONELIEST MAN IN TOWN
WIENER BLUES – THE LONELIEST MAN IN TOWN © Vento Film 2026

Al Cooks eigenes Leben prägt den Film

Die Nähe zwischen Figur und Darsteller ist dabei kein Zufall. „Wiener Blues“ wurde unter anderem von Al Cooks tatsächlicher Biografie und seinem musikalischen Schaffen inspiriert. Der 1945 geborene Musiker zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Vertretern des österreichischen Blues und tritt im Film nicht als klassischer Schauspieler auf, der eine vollständig erfundene Figur verkörpert. Stattdessen bewegen sich Covi und Frimmel bewusst im Grenzbereich zwischen Fiktion und gelebter Realität.

Auch die Drehorte verstärken diesen Ansatz. Cooks eigene Wohnung und sein Studio wurden zu Filmkulissen, wodurch die Räume nicht wie nachträglich ausgestattete Sets wirken, sondern tatsächlich Spuren eines gelebten Lebens tragen. Neben Alois Koch gehören Brigitte Meduna, Alfred Blechinger, Flurina Schneider und Sarah Morrissette zum Ensemble. Die österreichische Produktion hat eine Laufzeit von 86 Minuten.

Von der Berlinale in die deutschen Kinos

Seine Uraufführung feierte „Wiener Blues – The Loneliest Man in Town“ im Wettbewerb der 76. Berlinale. Dort erhielt der Film den Giuseppe Becce Award sowie eine lobende Erwähnung der Jury des Gilde Filmpreises. Für Covi und Frimmel setzt die Produktion damit ihre langjährige Arbeit an Filmen fort, die dokumentarische Beobachtung und fiktionale Erzählformen miteinander verbinden.

Im Zentrum steht dennoch keine formale Versuchsanordnung, sondern ein Mann, der sich nach einem tiefen persönlichen Verlust in einer vertrauten Welt eingerichtet hat und plötzlich gezwungen wird, wieder am Leben außerhalb dieser Räume teilzunehmen. Musik wird dabei weniger zur nostalgischen Dekoration als zum Ausdruck einer Identität, an der Al auch dann festhält, als sein bisheriges Umfeld auseinanderbricht. „Wiener Blues – The Loneliest Man in Town“ startet am 19. November 2026 in den deutschen Kinos.