Die Filmwelt verliert eine ihrer unverwechselbaren Persönlichkeiten: Tim Curry ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Der britische Schauspieler, Synchronsprecher, Sänger und Songschreiber starb in seinem Haus in Los Angeles. Seine langjährige Managerin und Freundin Marcia Hurwitz bestätigte die Nachricht.
Mit Curry geht ein Künstler, der sich nie auf einen bestimmten Rollentyp festlegen ließ und dessen Stimme, Mimik und außergewöhnliche Leinwandpräsenz über Jahrzehnte hinweg sofort wiederzuerkennen waren.

Mit Frank-N-Furter wurde Tim Curry zur Kultfigur
Geboren wurde Timothy James Curry am 19. April 1946 im englischen Grappenhall. Nach seinem Studium begann seine Karriere zunächst auf der Bühne. Bereits Ende der 1960er-Jahre gehörte er zur Londoner Originalbesetzung des Musicals „Hair“. Die Rolle, die sein weiteres Leben prägen sollte, folgte wenige Jahre später: 1973 stand Curry erstmals als Dr. Frank-N-Furter in Richard O’Briens „The Rocky Horror Show“ auf der Bühne.
Mit der Verfilmung „The Rocky Horror Picture Show“ von 1975 wurde aus der Theaterrolle eine der großen Kultfiguren der Filmgeschichte. Currys Auftritt als exzentrischer, verführerischer und vollkommen hemmungsloser Frank-N-Furter sprengte Konventionen und wurde zum Herzstück eines Films, der zunächst keineswegs als großer Erfolg startete, sich über die Jahre jedoch zu einem weltweiten Phänomen entwickelte. Generationen von Kinobesuchern entdeckten Curry durch die legendären Mitternachtsvorstellungen immer wieder neu.
Dabei wäre es viel zu kurz gegriffen, seine Karriere allein auf Frank-N-Furter zu reduzieren. Curry besaß die seltene Fähigkeit, gleichzeitig bedrohlich, komisch, extravagant und charmant wirken zu können. Genau diese Mischung machte ihn zu einem Charakterdarsteller, der selbst Nebenrollen mit wenigen Szenen nachhaltig prägen konnte. Besonders eindrucksvoll zeigte er das 1985 als Butler Wadsworth in der Krimikomödie „Clue – Alle Mörder sind schon da“.
Ein Jahr später verwandelte er sich für Ridley Scotts Fantasyfilm „Legende“ unter aufwendigem Make-up in den gehörnten Darkness und lieferte einen jener Bösewichte ab, deren Erscheinungsbild sich tief in das Gedächtnis des Publikums eingebrannt hat.

Von Pennywise bis „Kevin – Allein in New York“
Für eine ganze Generation wurde Tim Curry Anfang der 1990er-Jahre jedoch mit einer vollkommen anderen Figur zum Albtraum. In der TV-Adaption von Stephen Kings „Es“ spielte er Pennywise, den tanzenden Clown. Lange bevor Bill Skarsgård die Figur für das Kino neu interpretierte, hatte Curry Pennywise seinen ganz eigenen Schrecken gegeben. Seine Darstellung lebte weniger von großen Effekten als von Currys Gesicht, seiner Stimme und dem ständigen Wechsel zwischen scheinbar freundlicher Verspieltheit und offener Bedrohung.
Sein Pennywise gehört bis heute zu den bekanntesten Horrorfiguren der Fernsehgeschichte und dürfte bei nicht wenigen Zuschauern dafür gesorgt haben, dass Clowns anschließend etwas weniger harmlos wirkten. Doch Curry konnte ebenso wunderbar komisch sein. In „Kevin – Allein in New York“ spielte er 1992 den misstrauischen Concierge Mr. Hector im luxuriösen Plaza Hotel, der dem von Macaulay Culkin gespielten Kevin auf die Schliche kommen möchte. Wieder brauchte Curry keine Hauptrolle, um im Gedächtnis zu bleiben. Ein hochgezogener Mundwinkel, ein skeptischer Blick oder seine unverwechselbare Art, eine Dialogzeile auszukosten, reichten oftmals aus.
Weitere Film- und Fernsehauftritte führten ihn unter anderem in „Die drei Musketiere“, „Muppet Treasure Island“, „Oscar – Vom Regen in die Traufe“ und zahlreiche Serienproduktionen. Parallel blieb Curry dem Theater eng verbunden. Für seine Bühnenarbeit wurde er mehrfach für den Tony Award nominiert. Auch seine Stimme entwickelte sich zu einem Markenzeichen. Curry arbeitete über Jahrzehnte intensiv als Synchronsprecher und war in zahlreichen Animationsserien, Filmen und Videospielen zu hören. Für seine Sprecherleistung in „Peter Pan and the Pirates“ erhielt er 1991 einen Daytime Emmy. Daneben verfolgte er eine eigene Musikkarriere und veröffentlichte mehrere Alben.
Eine Stimme und ein Gesicht, die bleiben
2012 erlitt Tim Curry einen schweren Schlaganfall, der seine Mobilität stark einschränkte. Fortan war er auf einen Rollstuhl angewiesen. Vollständig aus der Öffentlichkeit zog er sich dennoch nicht zurück. Er übernahm weiterhin Sprecherrollen, nahm an Veranstaltungen teil und begegnete seinen Fans immer wieder bei Conventions und Jubiläumsveranstaltungen. Gerade dort zeigte sich, welche außergewöhnliche Verbindung zwischen Curry und seinem Publikum über Jahrzehnte entstanden war. „The Rocky Horror Picture Show“ war längst mehr als ein Film geworden, Pennywise hatte seinen festen Platz in der Popkultur gefunden und selbst Figuren mit vergleichsweise geringer Leinwandzeit waren durch Currys Darstellung zu kleinen Klassikern geworden.
Tim Curry gehörte zu jenen Schauspielern, bei denen häufig schon die Nennung des Namens genügte, um eine bestimmte Stimme, ein Lachen oder einen Gesichtsausdruck vor Augen zu haben. Er konnte einen Raum mit Exzentrik füllen und im nächsten Moment mit einer einzigen kleinen Geste die gesamte Szene an sich reißen. Bösewichte durften bei ihm Spaß machen, Komik durfte etwas Unheimliches besitzen und selbst die absurdesten Figuren behandelte er mit einer Konsequenz, die sie glaubwürdig machte.
Vielleicht liegt genau darin sein Vermächtnis. Tim Curry musste nie der klassische Hollywood-Hauptdarsteller sein, um Filmgeschichte zu schreiben. Dr. Frank-N-Furter allein hätte genügt, um ihm einen Platz in der Popkultur zu sichern. Doch Pennywise, Darkness, Wadsworth, Mr. Hector und unzählige weitere Figuren machten daraus eine Karriere, die sich kaum mit einer einzigen Rolle beschreiben lässt. Tim Curry wurde 80 Jahre alt. Seine Filme werden bleiben. Seine Stimme wird bleiben. Und irgendwo wird vermutlich auch in vielen Jahren noch ein Kino voller Menschen stehen, Reis werfen, mitsingen und gemeinsam den „Time Warp“ tanzen.
Ruhe in Frieden, Tim Curry.





