LEE CRONIN’S THE MUMMY

Inhalt: Nach dem Rekord-Revival der Toten in „Evil Dead Rise“, widmet sich Drehbuchautor und Regisseur Lee Cronin einer der berühmtesten Horrorgeschichten aller Zeiten und verwandelt sie in eine gewagte und abgedrehte Neuinterpretation: „Lee Cronin’s The Mummy“! Die junge Tochter eines Journalisten verschwindet spurlos in der Wüste. Die zerrüttete Familie ist fassungslos, als das Mädchen acht Jahre später plötzlich wieder bei ihnen auftaucht. Doch was eigentlich ein freudiges Wiedersehen sein sollte, verwandelt sich schnell in einen wahren Albtraum.

© Warner Bros.

Der Exorzist trifft auf Body Horror

Nach den modernen Neuinterpretationen von Der Unsichtbare und Der Wolfsmensch setzt Blumhouse seine Strategie fort, klassische Horrorfiguren neu zu denken. Diesmal übernimmt jedoch nicht Leigh Whannell, sondern Lee Cronin, bekannt durch Evil Dead Rise. Sein Ansatz folgt grundsätzlich derselben Logik. Die bekannte Vorlage wird aufgebrochen, modernisiert und stärker auf unmittelbaren Horror ausgerichtet. Allerdings entfernt sich Cronin dabei so weit vom klassischen Mumien-Mythos, dass am Ende kaum noch etwas von der ursprünglichen Figur übrig bleibt.

Im Zentrum steht die junge Katie Cannon, gespielt von Emily Mitchell, die nach acht Jahren plötzlich wieder auftaucht. Ihre Rückkehr ist jedoch alles andere als ein Wunder. Stattdessen wirkt sie wie ein körperlich und psychisch zerstörtes Wesen. Verhüllt in Bandagen, gezeichnet von Narben und mit unnatürlich langen Nägeln, erinnert sie eher an eine lebende Leiche als an ein gerettetes Kind. Die Familie, darunter Jack Reynor und Laia Costa, wird mit einer Situation konfrontiert, die sie emotional wie physisch überfordert. Der Horror entsteht nicht aus einer äußeren Bedrohung, sondern aus dem Zerfall des familiären Gefüges.

Cronin verschiebt den Fokus deutlich. Statt einer klassischen Mumiengeschichte entwickelt sich der Film zu einer Mischung aus Besessenheitsdrama und Body-Horror. Die Parallelen zu Der Exorzist sind unübersehbar. Gleichzeitig setzt der Film auf explizite, körperlich unangenehme Momente, die bewusst auf Schockwirkung abzielen. Besonders Sequenzen wie das Schneiden der Nägel erzeugen eine intensive, fast schon unangenehme Nähe zum Geschehen.

Lee Cronin's The Mummy (2026)
Lee Cronin’s The Mummy (2026) Foto von Courtesy of Warner Bros. – © Warner Bros.

Zwischen Exorzismus und Splatter: Ein zerfahrener Genre-Mix

Das Problem liegt jedoch in der fehlenden Balance. Der Film wirkt zunehmend zerfahren, da er verschiedene Horroransätze kombiniert, ohne ihnen eine klare Richtung zu geben. Mal dominiert das Familiendrama, dann wieder eskaliert die Handlung in blutige, fast groteske Exzesse, die stark an Cronins eigene Arbeiten erinnern. Dieser Wechsel sorgt für eine hektische Dramaturgie, die keinen stabilen Spannungsbogen aufbaut. Hinzu kommt eine problematische narrative Ebene. Die Herkunft des Horrors wird mit stereotypen Darstellungen und fragwürdigen Motiven verknüpft, die eher irritieren als bereichern.

Figuren wie die von May Calamawy gespielte Polizistin versuchen, dem entgegenzuwirken, bleiben jedoch zu oberflächlich, um dem Film eine zusätzliche Tiefe zu verleihen. Visuell und handwerklich und schauspielerisch überzeugt „The Mummy“ in einzelnen Momenten durchaus. Cronin versteht es, mit Sounddesign, plötzlichen Schreckmomenten und drastischen Bildern zu arbeiten. Doch diese Stärken verpuffen, weil sie nicht in eine klare Gesamtstruktur eingebettet sind. Statt eines durchdachten Horrorkonzepts entsteht ein Flickenteppich aus Ideen, die nebeneinander existieren, sich aber nicht gegenseitig verstärken und in der Laufzeit untergehen.

Fazit: Am Ende bleibt eine Neuinterpretation, die mutig sein will, sich dabei aber in zu viele Richtungen gleichzeitig bewegt. „The Mummy“ ist weder eine klassische Monstergeschichte noch ein konsequent durchgezogenes Familiendrama. Vielmehr entsteht ein unausgewogener Mix, der einzelne explizite Momente bietet, insgesamt jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Film Bewertung 5 / 10