Stranger Things Staffel 5 Ausgabe 2

Das war’s also. Nach neun Jahren, fünf Staffeln, 42 Episoden, zahllosen ikonischen Songs und gefühlt unendlich vielen Momenten, in denen „ein letztes Mal“ gesagt wurde, ist Stranger Things vorbei. Die letzte Schlacht ist geschlagen, Hawkins ist gerettet, das Gleichgewicht wiederhergestellt. Kein apokalyptischer Nachschlag, keine postwendende Enthüllung nach dem Abspann, kein letzter Schockmoment, der alles noch einmal umdreht. Stattdessen ein Ende, das sich bewusst gegen das Spektakel entscheidet und gerade dadurch Wirkung entfaltet.

Über Wochen schien es, als habe sich ein großer Teil des Internets darauf geeinigt, dass ein Finale nur dann „gültig“ sei, wenn es möglichst schmerzhaft ausfällt. Große Opfer. Brutale Verluste. Enthüllungen, die alles infrage stellen. Doch die Duffer-Brüder haben sich diesem Reflex entzogen. Nicht, weil sie keinen Mut gehabt hätten, sondern weil sie sich entschieden haben, ihren Figuren etwas anderes zu schenken. Denn dann, nach all den Theorien, Spekulationen und voreiligen Sorgen, wurde direkt am Höhepunkt der durchaus gelungenen, aber letztendlich völlig irrelevanten großen Entscheidungsschlacht im Abyss plötzlich etwas glasklar: Vielleicht hatten viele von uns das Ende von Stranger Things die ganze Zeit über völlig falsch gedacht.

Sehen wir uns das einmal genauer an: Als unsere Helden den Endgegner und seinen Fünf-Sterne-General (Jamie Campbell Bower) erreichten, ging es nie darum, dass sie sich auf den Tod vorbereiteten. Vielmehr ging es darum, uns zu zeigen, dass sie bereit waren zu überleben. Nach allem, was ihnen genommen wurde. Nach einer Kindheit, die zu früh endete. Nach einem Krieg, den sie nie gewählt haben. Und wie der Epilog so schön verdeutlicht, ging es auch vor allem darum, sie auf das bevorstehende Leben vorzubereiten. Wenn Joyce Byers Vecna den tödlichen Schlag versetzt, erinnert dieser Moment nicht nur an den Sieg, sondern an alles, was ihn möglich gemacht hat.

Stranger Things 5 Ausgabe 2
© Netflix

Erwachsenwerden als eigentlicher Sieg

Wir erinnern uns an Will. An Barb. An Bob. An Billy. An Eddie Munson. An Max im Krankenhausbett. An Elf und die Experimente, die ihr die Kindheit nahmen. An Sara. An all die Kinder, die verloren gingen. Und ja: Wir erinnern uns noch einmal an Bob. All diese Verluste stehen im Raum. Sie werden nicht relativiert, nicht vergessen. Sie sind der Preis, der längst bezahlt wurde. Und dadurch wird klar: Diese Gruppe ist längst mehr als ein Haufen nerdiger Kids. Sie sind Überlebende. Menschen, die immer wieder ins Feuer gegangen sind, improvisiert haben, Fehler gemacht haben und trotzdem weitergemacht haben.

Sie haben nicht gewonnen, weil sie unbesiegbar waren, sondern weil sie zusammengehalten haben. Stranger Things war immer eine Coming-of-Age-Geschichte, getarnt als Horrorserie. Das Finale führt diesen Gedanken konsequent zu Ende. Will, Mike, Dustin, Lucas und Max verabschieden sich auf ihre ganz eigene Weise von der Unschuld ihrer Kindheit. Steve, Nancy, Jonathan und Robin schmieden Zukunftspläne, von denen man schon jetzt weiß, dass sie sich verändern werden. Joyce und Hopper finden endlich zueinander, nicht als Heldin und Retter, sondern als zwei Menschen, die genug verloren haben.

Besonders gelungen ist, dass die Serie ihre Figuren nicht idealisiert. Niemand bekommt Reichtum oder Ruhm. Keine Orden, keine großen Gesten. Stattdessen Diplome, Abschiede, leise Hoffnungen. Ein Leben, das weitergeht. Und Elf ? Unabhängig davon, wie man ihr finales Schicksal interpretiert, ist ihr Weg klar: Sie durchbricht den Kreislauf aus Gewalt, Kontrolle und Fremdbestimmung. Sie tritt aus den Schatten von Brenner und Sara. Sie wird nicht mehr benutzt, sondern entscheidet selbst.

Stranger Things
© Netflix

Ein Happy End als Haltung

Die Serie entscheidet sich bewusst gegen den letzten großen Schrecken und für Hoffnung. Gegen das Bedürfnis, noch einmal zu schockieren, und für die Idee, dass Überleben ein ebenso starker Akt sein kann wie Opfer. Dass ein Happy End nicht banal sein muss, sondern ein Statement sein kann. Kurz bevor der Abspann läuft, blickt die Serie nach vorn.

Eine neue Generation übernimmt den Staffelstab. Nicht als Sequel-Ankündigung, sondern als leiser Gedanke: Wenn ein Abenteuer endet, beginnt irgendwo ein anderes. Hawkins atmet auf. Und wir mit ihm. Vielleicht ist das größte Geschenk dieses Finales genau das: die Erinnerung daran, dass Geschichten nicht immer auseinanderfallen müssen, um zu bleiben. Manche dürfen einfach enden. Und genau darin liegt ihre Kraft.

„Bequemlichkeit und Glück? Könnte es noch banaler sein?“, schimpft Max in einem Moment der Selbstreflexion ganz am Ende des Finales. Und ja, fairerweise muss man sagen, dass es vielleicht ein klein wenig abgedroschen ist. Aber vielleicht, nur vielleicht, ist ein bisschen Bequemlichkeit und Glück genau das, was sie, und wir, gerade brauchen. Aber möglicherweise kann ein Happy End tatsächlich ein gutes Ende sein, denn schließlich sind die seltsamsten Dinge bereits passiert.