Jessica Chastain in Other Mommy (2026)

Das Gesicht der eigenen Mutter steht für Geborgenheit. Wenn aber etwas Fremdes genauso aussieht und sich ebenfalls als Mama ausgibt, wird es ungemütlich. „Other Mommy“ hat eine einfache, ziemlich gruselige Grundidee. Regisseur Rob Savage macht daraus allerdings einen Film, der viel zu schnell alles auf einmal will. Familienstreit, Schreckmomente und groteske Verrenkungen wechseln sich ab, während die Ängste des Kindes zu wenig Raum erhalten.

Die kleine Bela lebt mit ihren Eltern, Ursula und Russ, zusammen. Deren Beziehung kriselt jedoch zunehmend. Bela hat ein Geheimnis: Sie bekommt regelmäßig Besuch von der „anderen Mama“, die ebenfalls von Jessica Chastain gespielt wird. Es handelt sich dabei um eine bösartige Gestaltwandlerin. Sie nimmt die Gestalt von Ursula an und verfolgt eine eher vage Absicht. Sie möchte sich in Belas Herz einschleichen.

Arabella Olivia Clark and Jessica Chastain in Other Mommy (2026)
© Universal Pictures Germany

Die andere Mama verspricht, was zu Hause fehlt

Die Verfilmung von Josh Malermans Roman „Incidents Around the House” verbindet den übernatürlichen Spuk somit mit einem nachvollziehbaren Problem. Ein Kind, das unter den Streitigkeiten seiner Eltern leidet, ist empfänglich für jemanden, der Zeit hat und zuhört. Selbst dann, wenn mit dieser Person offensichtlich etwas nicht stimmt. Leider geht der Film kaum auf diese Idee ein. Anstatt sich eingehender mit Belas widersprüchlichen Gefühlen auseinanderzusetzen, eilt er von einem Ereignis zum nächsten.

Die Probleme ihrer Eltern werden hauptsächlich durch Streitigkeiten und ausführliche Dialoge behandelt. Es wird deutlich, dass die Familie kurz davor steht, auseinanderzubrechen. Was die drei früher miteinander verband, ist allerdings schwerer zu entschlüsseln. Somit ist ihr Schicksal letztendlich weniger aufwühlend, als es die Geschichte eigentlich nötig hätte.

Jessica Chastain macht aus einem Lächeln eine Drohung

Jessica Chastain in beiden Mutterrollen zu besetzen, ist der entscheidende Geniestreich des Films. Sie braucht nicht ständig große Gesten, um unheimlich zu wirken. Ein zu lang anhaltendes Lächeln, eine seltsame Körperhaltung oder ein unerwarteter Blick reichen oft schon aus. Gerade weil ihr Gesicht vertraut bleibt, wirken solche Momente so beunruhigend. Arabella Olivia Clark haucht Bela eine authentische Mischung aus Unsicherheit und dem Wunsch ein, endlich jemandem vertrauen zu können.

Ihre Emotionen halten die Geschichte zusammen, selbst wenn um sie herum bereits der nächste Horror-Moment vorbereitet wird. Ihr Zusammenspiel mit Chastain ist daher oft packender als die aufwendigen Horror-Szenen. Als Vater erhält Jay Duplass hingegen deutlich weniger Gelegenheit, seiner Figur eine unverwechselbare Persönlichkeit einzuhauchen.

OTHER MOMMY
Jessica Chastain als „Other Mommy“ in „Other Mommy“ unter der Regie von Rob Savage. © 2026 Universal Studios. All Rights Reserved.

Ein Schreckmoment jagt den nächsten

Savage lässt es richtig krachen. Es ist ständig Bewegung angesagt, der nächste Angriff lauert bereits hinter der nächsten Szene. Das sorgt zwar für Tempo, macht den Film aber nicht automatisch fesselnd. Es gibt keine Atempausen, in denen Bela und das Publikum sich fragen könnten, wem sie vertrauen sollen. Wer ständig mit Schreckmomenten überrascht werden will, wird irgendwann feststellen, dass er einfach nur auf den nächsten Aufschrei wartet.

Hinzu kommt, dass der filmische Grundton ständig wechselt. In einem Moment ist es eine ernste Darstellung einer krisengeschüttelten Familie, im nächsten dreht sich alles um groteske Körperverrenkungen und übertriebenen Monster-Horror. Infolgedessen wirken manche Szenen eher lustig als bedrohlich. Dem Film gelingt es nicht, einen harmonischen Übergang zwischen diesen beiden Ebenen herzustellen: Was noch vor einem Augenblick bedrückend wirkte, ist wenige Augenblicke später geradezu unglaubwürdig. Selbst der verstärkte Einsatz von Spezialeffekten schafft hier kaum Abhilfe.

Je mehr sich die Andere Mutter in ein Monster verwandelt, desto weniger furchteinflößend wirkt sie. Das uns vertraute Gesicht, bei dem etwas irgendwie nicht ganz in Ordnung ist, hätte völlig ausgereicht. Die allzu dramatischen Verwandlungen zerstören genau das, was sie ursprünglich so unheimlich gemacht hat.

Fazit: Viel Geschrei um Nichts

„Other Mommy“ punktet mit zwei überzeugenden Auftritten von Jessica Chastain und der jungen Arabella Olivia Clark sowie einigen gut inszenierten Schreckmomenten. Dazwischen gibt es jedoch zu viel Erklärungen, Streit und Gruselszenen, ohne dass die Familie jemals den Eindruck vermittelt, wirklich eng miteinander verbunden zu sein. Am Ende zuckt man vielleicht hin und wieder zusammen, aber von dieser Angst nimmt man hinterher kaum etwas mit nach Hause. Ein verdächtiges Lächeln bewirkt hier mehr als das ganze Getue um das Monster.

Film Bewertung 4 / 10