Inhalt: Was machst du, wenn du in der unromantischsten Nacht des Jahres auf der Suche nach echter Liebe bist? Allie ist hoffnungslos romantisch, Owen wurde frisch abserviert. Sie begegnen sich in New York während der einen Nacht im Jahr, in der Singles in den USA legal Sex haben dürfen. Während sich um sie herum scheinbar alle anderen der kurz währenden Freiheit hingeben, tun sich die beiden erst sehr schwer, die richtige Person zu finden, die vielleicht für mehr geeignet ist als für ONE NIGHT ONLY.
Das Ergebnis ist eine brave und spannungsarme Liebesgeschichte
Der Elevator Pitch für „One Night Only“ dürfte ungefähr „The Purge“, nur für One-Night-Stands gelautet haben. Ein Versprechen, das der Film allerdings auf die falsche Weise einlöst. Denn ähnlich wie der erste „Purge“-Film seine wilde Idee von einer Nacht, in der sämtliche Verbrechen erlaubt sind, letztlich nur für einen recht gewöhnlichen Thriller nutzte, könnte auch „One Night Only“ problemlos an einem Valentinstag oder Halloween spielen, ohne dass sich an der eigentlichen Handlung viel ändern würde.
Dabei ist die Ausgangslage durchaus herrlich schräg: In dieser Welt dürfen unverheiratete Menschen an 364 Tagen im Jahr keinen Sex haben. Nur in einer einzigen Nacht hebt der Staat das Verbot auf. Während die Uhr herunterzählt, macht sich der frisch getrennte New Yorker Owen (Callum Turner) auf die Suche nach einer Partnerin und trifft dabei immer wieder auf Allie (Monica Barbaro), die ihrerseits nach dem vermeintlich perfekten Mann sucht.

Viel „The Purge“, erstaunlich wenig Leidenschaft
Regisseur Will Gluck kennt romantische Komödien. Mit „Friends With Benefits“ und „Anyone But You“ hat er bereits bewiesen, dass er mit den bekannten Regeln des Genres umgehen kann. Umso merkwürdiger ist, wie wenig er aus der verrückten Ausgangsidee von „One Night Only“ herausholt. Gluck nimmt die vertrauten Bausteine einer romantischen Komödie und setzt sie in eine Welt, die eigentlich eher nach Dystopie oder Politthriller verlangt.
Denn hinter dem ganzen Spaß steckt ein ziemlich drastisches System. Der Staat entscheidet darüber, wann unverheiratete Menschen Sex haben dürfen, kontrolliert damit einen höchst privaten Bereich ihres Lebens und nimmt ihnen einen großen Teil ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit. Daraus könnte eine bissige Satire auf staatliche Kontrolle, gesellschaftliche Prüderie und den Umgang mit Sexualität entstehen.
Doch „One Night Only“ weiß nicht so recht, was er damit anfangen soll. Mal wirkt die Welt wie ein großer Witz, mal soll sie offenbar als politische Satire funktionieren. Beides findet jedoch nicht richtig zusammen. Statt seine Figuren mit dieser absurden Gesellschaft kollidieren zu lassen, nutzt der Film das Konzept vor allem als Kulisse für eine ziemlich bekannte romantische Geschichte.
Dabei verliert ausgerechnet das vermeintlich wichtigste Element an Bedeutung. Diese Geschichte könnte auch an einem gewöhnlichen Feiertag stattfinden. Das wäre kein großes Problem, wenn Owen und Allie dafür als Figuren umso stärker wären. Doch auch hier bleibt der Film hinter seinen Möglichkeiten zurück.
Callum Turner und Monica Barbaro warten auf ihre Geschichte
Callum Turner und Monica Barbaro sind sympathisch und besitzen eine sichtbare körperliche Chemie. Besonders Allies fantasievolle Tagträume gehören zu den wenigen Momenten, in denen „One Night Only“ tatsächlich etwas frecher und verspielter wird. Emotional hält der Film die beiden jedoch erstaunlich lange voneinander fern. Es dauert ungefähr eine Stunde, bis Owen und Allie überhaupt ein richtiges Gespräch miteinander führen. Bis dahin verlässt sich das Drehbuch stark auf Zufälle und immer neue Begegnungen. Natürlich gehört das Spiel mit Zufällen seit jeher zur romantischen Komödie.
Hier werden sie allerdings so häufig eingesetzt, dass Owen und Allie kaum noch selbst bestimmen, wohin ihre Geschichte führt. Das ist ausgerechnet bei dieser Prämisse ein erstaunlicher Widerspruch. Der Film erzählt von einer Gesellschaft, die Menschen ihre Entscheidungsfreiheit nimmt, und lässt gleichzeitig seine Hauptfiguren nur selten eigene Entscheidungen treffen. Owen und Allie werden durch die Nacht geschoben, treffen zufällig aufeinander und werden vom Drehbuch immer wieder getrennt und zusammengeführt.
Ausgerechnet eine Geschichte über eine Nacht voller sexueller Freiheit wirkt dadurch emotional und sexuell erstaunlich passiv. Wenn Turner und Barbaro endlich länger miteinander spielen dürfen, funktioniert ihr Geplänkel durchaus natürlich. Doch selbst dann laufen viele Pointen ins Leere. Der Humor entsteht zu selten aus den Figuren oder dieser eigenartigen Welt und wirkt stattdessen häufig wie etwas, das einer romantischen Komödie eben noch fehlt.

Eine Welt, die sich selbst nicht erklären kann
Das größte Problem bleibt allerdings die Welt, die „One Night Only“ um seine Liebesgeschichte gebaut hat. Die Grundidee ist so ungewöhnlich, dass sie zwangsläufig Fragen aufwirft. Statt darauf überzeugende Antworten zu finden, versucht der Film ständig, seine eigenen Regeln zu erklären. Dialoge werden dadurch immer wieder zu Erklärungen darüber, wie diese Gesellschaft eigentlich funktioniert. Immerhin steckt in der Gestaltung dieser Welt einiges an Spielfreude. Besonders die zahlreichen Werbeplakate für die große Nacht sind eine nette Idee und zeigen, welches satirische Potenzial in dem Konzept steckt.
Nur wäre ein Teil dieser Kreativität bei den Figuren und ihrer Geschichte besser aufgehoben gewesen. Denn irgendwann muss sich „One Night Only“ entscheiden, was diese Welt eigentlich sein soll. Ist sie eine Satire auf staatliche Kontrolle? Auf gesellschaftliche Prüderie? Auf sexuelle Moralvorstellungen? Oder lediglich eine möglichst verrückte Kulisse für eine klassische romantische Komödie? Der Film versucht von allem etwas und bringt nichts davon konsequent zu Ende.
Das ist besonders schade, weil die tickende Uhr eigentlich ein perfekter Motor für eine romantische Komödie wäre. Die Nacht läuft ab, zwei attraktive Menschen suchen nach Nähe und gleichzeitig steht eine ganze Gesellschaft bereit, um sämtliche aufgestauten Bedürfnisse innerhalb weniger Stunden auszuleben. Daraus müsste Energie entstehen. Chaos. Spannung. Verlangen. Stattdessen bekommt man eine überraschend brave und vorhersehbare Liebesgeschichte.
Fazit: „One Night Only“ versetzt attraktive und sympathische Stars in eine Welt, in der weder die Menschen noch die Politik wirklich Sinn ergeben. Callum Turner und Monica Barbaro haben durchaus Chemie, doch der Film lässt sie viel zu lange auf eine Geschichte warten, die ihre gemeinsame Präsenz auch wirklich nutzt. Die wilde Ausgangsidee verspricht eine freche, ausgelassene und vielleicht sogar bissige Rom-Com. Herausgekommen ist eine erstaunlich brave und spannungsarme Liebesgeschichte. Es kommt selten vor, dass eine romantische Komödie mit einer derart aufgeladenen Prämisse so wenig knistert.
Film Bewertung 4 / 10





