NJR GETRÄUMT

Éric Toledano und Olivier Nakache blicken für ihren neuen Film zurück auf jene Jahre, in denen Walkman, Mixtapes, Videotheken und Neonfarben zum Alltag einer ganzen Generation gehörten. „Nur geträumt“ startet am 17. Dezember 2026 in den deutschen Kinos und feiert zuvor seine Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg. Das französische Regieduo, das mit „Ziemlich beste Freunde“ international bekannt wurde, erzählt diesmal eine Familiengeschichte aus dem Jahr 1985, die stark von eigenen Erinnerungen an Jugend, Elternhaus und erste Liebe geprägt ist.

Im Mittelpunkt steht der fast 13-jährige Vincent, der in einem Pariser Vorort zwischen familiären Spannungen, pubertären Gefühlen und den kleinen Abenteuern seiner Clique aufwächst. Der Film setzt dabei nicht auf eine einzelne große Konfliktlinie, sondern auf das Nebeneinander verschiedener Lebenskrisen innerhalb einer Familie, deren Mitglieder selbst noch versuchen herauszufinden, welchen Weg sie eigentlich einschlagen wollen.

Vincent entdeckt die erste Liebe – während zu Hause jeder mit sich selbst beschäftigt ist

Vincent befindet sich genau an jener Schwelle, an der die Kindheit langsam ihre Selbstverständlichkeit verliert. Seine erste große Verliebtheit bringt ebenso viel Euphorie wie Unsicherheit mit sich. Gleichzeitig erlebt er, dass die Erwachsenen um ihn herum keineswegs so souverän sind, wie Kinder es häufig annehmen. Seine Mutter träumt von einer beruflichen Karriere, wird im Arbeitsalltag jedoch weiterhin auf Hilfstätigkeiten wie das Kaffeekochen reduziert. Vincents Vater ist arbeitslos und beobachtet den auffallend hilfsbereiten Nachbarn mit wachsendem Misstrauen.

Der ältere Bruder wiederum hat sein eigenes kleines Geschäftsmodell entwickelt und verkauft heimlich Mixtapes. Für Vincent entsteht dadurch ein familiärer Mikrokosmos, in dem fast jeder versucht, einen eigenen Ausweg aus Unzufriedenheit und Stillstand zu finden. Die vermeintlich großen Probleme der Erwachsenen und die emotional mindestens ebenso bedeutenden Krisen eines Teenagers stehen dabei nebeneinander.

Auch Vincents Freundeskreis bildet einen wichtigen Teil der Geschichte. Gemeinsam verfolgen die Jugendlichen einen Plan, der aus heutiger Sicht fast selbst schon ein Zeitdokument darstellt: Sie wollen einen nicht jugendfreien Film aus einer Videothek schmuggeln. Toledano und Nakache nutzen solche Details nicht nur als nostalgische Requisiten. Die analoge Welt der 1980er bildet vielmehr einen konkreten Erfahrungsraum für ihre Figuren.

Camille Cottin und Louis Garrel führen das Ensemble an

Musik wird über Kassetten geteilt, Filme müssen physisch ausgeliehen werden, und Kommunikation funktioniert noch ohne permanente digitale Erreichbarkeit. Der Originaltitel des Films lautet „Juste une illusion“. Die Regisseure greifen für die Geschichte nach Angaben des Verleihs auf eigene Erinnerungen zurück und verbinden autobiografische Anklänge mit einer fiktionalen Familienerzählung. Zum Ensemble gehören Louis Garrel, Camille Cottin, Pierre Lottin, Simon Boublil, Alexis Rosenstiehl und Jeanne Lamartine. Der junge Simon Boublil übernimmt dabei als Vincent die zentrale Perspektive des Films.

Gerade die Elternfiguren sind nicht bloß Hintergrund für Vincents Erwachsenwerden. Ihre eigenen Konflikte und enttäuschten Erwartungen sorgen dafür, dass der Film Jugend und Erwachsenenleben nicht als getrennte Welten betrachtet. Während Vincent glaubt, erst noch Antworten auf die großen Fragen des Lebens finden zu müssen, erkennt er zunehmend, dass auch seine Eltern viele dieser Antworten nicht besitzen.

Die Geschichte spielt mit jener Erkenntnis, die zum Übergang vom Kind zum Jugendlichen gehört: Erwachsene sind keine allwissenden Instanzen, sondern Menschen mit eigenen Unsicherheiten, Ängsten und unerfüllten Hoffnungen.

Deutschlandpremiere beim Filmfest Hamburg

Noch vor dem regulären Kinostart wird „Nur geträumt“ beim Filmfest Hamburg erstmals einem deutschen Publikum präsentiert. Die Deutschlandpremiere findet am 30. September 2026 um 18.15 Uhr im CinemaxX 1 statt. Im Anschluss ist ein Q&A mit Éric Toledano und Olivier Nakache vorgesehen. Eine weitere Festivalvorführung folgt am 3. Oktober um 18.30 Uhr im Abaton. Das Regieduo reist persönlich nach Hamburg und steht im Rahmen der Premiere auch für Interviews zur Verfügung.

Für Toledano und Nakache ist der Film damit zugleich eine Rückkehr zu einer stärker persönlich gefärbten Geschichte. Nach Filmen, in denen soziale und gesellschaftliche Konflikte häufig unmittelbar im Zentrum standen, verbinden sie diesmal Familienalltag, erste Liebe und Generationenerfahrungen mit dem Lebensgefühl ihrer eigenen Jugend. Die französische Produktion hat eine Laufzeit von 119 Minuten und konnte in Frankreich bereits ein großes Kinopublikum erreichen. „Nur geträumt“ startet am 17. Dezember 2026 in den deutschen Kinos.