MICHAEL

Inhalt: Er ist einer der einflussreichsten Künstler aller Zeiten – der King of Pop. MICHAEL ist das Portrait eines Ausnahmekünstlers, dessen Musik die Welt bewegt und jede Generation bis heute inspiriert hat. Der Film erzählt die Geschichte von Michael Jacksons Leben – weit über die Musik hinaus. Er zeichnet seinen Weg nach von der Entdeckung seines außergewöhnlichen Talents als Leadsänger der Jackson Five bis hin zu dem visionären Künstler, dessen kreativer Ehrgeiz ihn unermüdlich antrieb, der größte Entertainer der Welt zu werden.

Jaafar Jackson in Michael (2026)
Jaafar Jackson in Michael (2026) © Universal Pictures International Germany GmbH

Zwischen Mythos und Auslassung: Eine Geschichte ohne Balance

Wenn man über das Leben von Michael Jackson spricht, lassen sich zwei zentrale Ebenen kaum voneinander trennen. Auf der einen Seite steht eine beispiellose Karriere, die bereits im Kindesalter mit den Jackson 5 begann und in einem globalen Phänomen mündete, das mit Alben wie Thriller Musikgeschichte schrieb. Auf der anderen Seite steht ein komplexes, kontrovers diskutiertes Privatleben, das von schweren Vorwürfen überschattet wurde. Genau hier setzt das zentrale Problem von „Michael“ an. Der Film entscheidet sich bewusst dafür, nur eine dieser beiden Seiten zu erzählen.

Regisseur Antoine Fuqua konzentriert sich vollständig auf die Aufstiegsgeschichte des Künstlers und blendet kritische Aspekte konsequent aus. Dass mehrere Mitglieder der Jackson-Familie als Produzenten beteiligt sind, spiegelt sich deutlich in dieser Perspektive wider. Berichten zufolge wurden sogar Nachdreharbeiten notwendig, um problematische Inhalte vollständig zu entfernen. Das Ergebnis ist eine Biografie, die sich klar positioniert. Sie will feiern, nicht hinterfragen.

Die Handlung folgt einem klassischen Muster. Sie beginnt in Gary, Indiana, wo Michael als Kind in einfachen Verhältnissen aufwächst, und führt ihn Schritt für Schritt zum globalen Superstar. Der Film endet im Jahr 1988, also genau vor dem Zeitpunkt, an dem die ersten schwerwiegenden Vorwürfe öffentlich wurden. Dieser erzählerische Schnitt wirkt nicht zufällig, sondern kalkuliert.

In den musikalischen Momenten funktioniert „Michael“ durchaus. Die Darsteller liefern überzeugende Performances. Jaafar Jackson, der seinen Onkel verkörpert, bringt Bewegung und Präsenz auf die Leinwand, während Juliano Krue Valdi als junger Michael ebenfalls überzeugt. Die Inszenierung dieser Szenen ist solide und nutzt den umfangreichen Musikkatalog effektiv. Doch erzählerisch bleibt der Film erstaunlich eindimensional. Michaels Karriere verläuft nahezu reibungslos. Erfolge reihen sich aneinander, Rückschläge bleiben oberflächlich.

(L-R) Juliano Valdi, Judah Edwards, Jayden Harville, Jaylen Lyndon Hunter, und Nathaniel Logan McIntyre in Michael (2026)
(L-R ) Juliano Valdi, Judah Edwards, Jayden Harville, Jaylen Lyndon Hunter, und Nathaniel Logan McIntyre in Michael (2026) – Foto von Glen Wilson © 2025 Lionsgate

Viel Oberfläche, wenig Substanz

Der einzige ernsthafte Konflikt liegt in der Beziehung zu seinem Vater, gespielt von Colman Domingo, der als strenger und kontrollierender Patriarch dargestellt wird. Diese Dynamik wird zwar thematisiert, aber nicht tief genug ausgearbeitet, um die innere Zerrissenheit der Figur noch greifbarer zu machen. Stellenweise wirkt es so, dass Michael auf der Bühne die Schläge mit dem Gürtel des Vaters, weglächeln würde. Gleichzeitig entstehen immer wieder Momente, die unbeabsichtigt irritieren. Szenen, die Michaels exzentrisches Verhalten zeigen, wirken aus heutiger Perspektive befremdlich.

Der Film versucht, diese Momente als charmant oder verspielt darzustellen, erreicht jedoch häufig das Gegenteil. Gerade weil der Kontext fehlt, entsteht ein unangenehmes Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Wahrnehmung. Abseits von Bühne und Tonstudio zeigt sich Jackson als sanfte, beinahe entrückte Figur. Er sitzt lächelnd mit seiner Mutter (Nia Long) vor dem Fernseher, besucht lächelnd Kinder im Krankenhaus und kauft lächelnd Tiere für seine privaten Zoo. „Das sind nicht meine Haustiere, das sind meine Freunde“, sagt er.

Gerade dieser betont unschuldige Blick auf die Figur wirft jedoch eine entscheidende Frage auf: Wie konnte ausgerechnet ein so süßlich verklärtes, fast heilig inszeniertes Wesen einen Song wie Billie Jean schreiben, der von Dringlichkeit, Paranoia und sexueller Spannung lebt? Inszenatorisch folgt „Michael“ einem klaren, aber wenig originellen Aufbau. Die Geschichte arbeitet sich linear durch bekannte Stationen, ohne neue Perspektiven zu eröffnen. Visuell bleibt der Film funktional, aber ohne besondere Handschrift. Erst im Finale entfaltet er eine stärkere Wirkung, wenn längere Konzertsequenzen die Energie der Musik spürbar machen.

Fazit: Am Ende bleibt der Eindruck eines Films, der sich bewusst für eine vereinfachte Version der Realität entscheidet. „Michael“ funktioniert als musikalische Hommage und als nostalgischer Rückblick auf eine außergewöhnliche Karriere. Als vollständiges Porträt einer komplexen Persönlichkeit bleibt er jedoch unvollständig. Ein weiterer Film ist bereits angekündigt und könnte theoretisch neue Perspektiven eröffnen. Doch Erfahrungsgemäß ist genau diese Hoffnung oft der erste Schritt auf die Straße der Enttäuschung.

Film Bewertung 6 / 10