Yahya Abdul-Mateen II in Man on Fire (2026)

Inhalt: Als sein Freund und ehemaliger Kampfgefährte ermordet wird, begibt sich der ehemalige Söldner der Spezialeinheiten John Creasy (Yahya Abdul-Mateen II) auf einen Rachefeldzug und nimmt die hinterbliebene Tochter seines Kollegen, Poe (Billie Boullet), unter seine Fittiche.

Billie Boullet and Yahya Abdul-Mateen II in Man on Fire (2026)
Billie Boullet and Yahya Abdul-Mateen II in Man on Fire (2026) Foto von Juan Rosas/Juan Rosas/Netflix © 2025 – © 2025 Netflix, Inc.

Eine emotionale Dynamik trägt die Serie

Jede neue Version von Man on Fire muss sich zwangsläufig mit großen Erwartungen auseinandersetzen. Besonders die Verfilmung von Tony Scott aus dem Jahr 2004 mit Denzel Washington gilt bis heute als kompromissloser Rache-Thriller mit enormer Wucht. Die neue Netflix-Serie versucht deshalb gar nicht erst, diese Version zu kopieren, sondern etabliert relativ schnell ihren eigenen Ton.

Im Mittelpunkt steht erneut John Creasy, diesmal gespielt von Yahya Abdul-Mateen II. Der ehemalige Söldner kämpft hier weniger mit spektakulärer Action als vielmehr mit seinen inneren Dämonen. Die Serie beginnt mit einem Selbstmordversuch und zeichnet Creasy als gebrochenen Mann, dessen posttraumatische Belastungsstörung ihn beinahe vollständig zerstört hat. Wie schon frühere „Man on Fire“-Versionen lebt auch diese Adaption vor allem von der Beziehung zwischen Creasy und seinem jungen Schützling.

Statt Dakota Fannings Kindfigur steht diesmal die rebellische Teenagerin Poe im Zentrum, gespielt von Billie Boullet. Gerade die Szenen zwischen den beiden funktionieren überraschend gut. Die Serie nimmt sich Zeit für ihre Dynamik und zeigt zwei angeschlagene Menschen, die sich gegenseitig dabei helfen, nicht vollkommen an ihrer Vergangenheit zu zerbrechen.

Thomas Aquino in Man on Fire (2026)
Thomas Aquino in Man on Fire (2026) – © Netflix

Zwischen Rachethriller und Charakterdrama

Auch das Umfeld bleibt nicht bloße Kulisse. Alice Braga bringt als Valeria Herz und Bodenständigkeit in die Geschichte, während Iago Xavier als Bandenchef Vico deutlich mehr Tiefe erhält, als man zunächst erwarten würde. Die Handlung selbst bleibt allerdings teilweise recht vertraut. Manche Thriller-Elemente wirken vorhersehbar und nicht jede Wendung entwickelt echte Spannung. Auch die Action erreicht selten die rohe Intensität des Films von 2004.

Dennoch erzeugt die Serie durch ihren Schauplatz Rio de Janeiro und den sichtbaren Fokus auf Atmosphäre eine gewisse Eigenständigkeit. Besonders einzelne größere Sequenzen – darunter eine ambitionierte Szene auf einer Landebahn – zeigen, welches Potenzial in der Produktion steckt. Vor allem aber hält Yahya Abdul-Mateen II die Serie konstant zusammen. Seine Darstellung verleiht Creasy eine verletzliche, erschöpfte Menschlichkeit, die den emotionalen Kern der Geschichte glaubwürdig macht.

„Man on Fire“ erreicht zwar nicht die kompromisslose Wucht der Tony-Scott-Version mit Denzel Washington, funktioniert aber als eigenständige Interpretation erstaunlich solide. Vor allem die intensive Performance von Yahya Abdul-Mateen II sorgt dafür, dass die Serie auch dann interessant bleibt, wenn die Handlung in bekannte Thriller-Muster abrutscht.

Fazit: Die Serie besticht durch ihre Atmosphäre, eine starke Besetzung und einen emotionalen Schwerpunkt, der zwar nicht immer neue Wege beschreitet, aber durch seine Figuren überzeugt. Vor allem ist es Yahya Abdul-Mateen II, der die Serie über die Ziellinie trägt.

Serien Kritik 6 / 10