IM REICH DER SINNE

Anlässlich des 50. Jubiläums seines kontroversen Kinostarts bringt Rapid Eye Movies Im Reich der Sinne am 11. Juni 2026 als neu restaurierte 4K-Fassung bundesweit zurück auf die große Leinwand. Der Film von Nagisa Oshima gilt bis heute als eines der radikalsten und meistdiskutierten Werke der Filmgeschichte. Bereits bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1976 sorgte das Drama weltweit für massive Kontroversen, Festivaldebatten und zeitweise Verbote.

Entstanden ist „Im Reich der Sinne“ in einer Phase tiefgreifender Umbrüche des japanischen Kinos. Während das klassische Studiosystem zunehmend zerfiel, kämpften viele Filmschaffende der japanischen Neuen Welle gegen gesellschaftliche Konventionen, staatliche Zensur und tradierte Moralvorstellungen. Oshima verstand Kino dabei stets als bewusste Provokation und politische wie gesellschaftliche Konfrontation.

„Seine Existenz ist pornografisch – unabhängig von seinem Inhalt … Der Begriff der Obszönität wird geprüft, wenn man es wagt, etwas anzusehen, das man  unbedingt sehen möchte, sich aber selbst verboten hat anzusehen. Wenn man das Gefühl hat, dass alles, was man sehen wollte, enthüllt wurde, verschwindet die Obszönität, ebenso das Tabu, und es entsteht eine gewisse Befreiung.“

Nagisa Oshima über seinen Film

Leidenschaft, Obsession und die Auflösung aller Grenzen

Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Kichizō, dem Besitzer eines Geisha-Hauses, und der ehemaligen Prostituierten Abe Sada. Zwischen beiden entwickelt sich eine obsessive, zunehmend zerstörerische Leidenschaft, die sie immer stärker von der Außenwelt isoliert. Kichizō verlässt schließlich seine Familie, um vollständig mit Sada zusammenzuleben. Gemeinsam verlieren sie sich immer tiefer in einer Welt aus sexueller Begierde, Lustschmerz und emotionaler Abhängigkeit.

Die Beziehung entwickelt sich dabei zunehmend zu einer radikalen Grenzüberschreitung, in der körperliche Leidenschaft und Selbstzerstörung untrennbar miteinander verschmelzen. Am Ende gipfelt ihre obsessive Verbindung in einem tödlichen Liebesakt. Der Film basiert lose auf dem realen Fall der Abe Sada, der Japan im Jahr 1936 erschütterte und bis heute als einer der bekanntesten Kriminalfälle des Landes gilt.

„Der Film ist mein Meister. Er treibt seine Figuren bis an den Rand des Abgrunds und ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.“

Kult-Regisseurin Catherine Breillat über „IM REICH DER SINNE

Zwischen Kunstfilm, Provokation und Filmgeschichte

„Im Reich der Sinne“ wurde schnell weit mehr als nur ein kontroverser Erotikfilm. Oshima nutzt die explizite Darstellung von Sexualität bewusst als Mittel zur gesellschaftlichen Provokation und als Angriff auf Zensur, Machtstrukturen und moralische Kontrolle. Gerade deshalb gilt das Werk bis heute als Schlüsselfilm der internationalen Filmgeschichte und als zentraler Beitrag der japanischen Nouvelle Vague.

Trotz – oder gerade wegen – seiner Skandale lief der Film weltweit auf renommierten Festivals und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter beim Cannes Film Festival, dem Chicago International Film Festival und dem British Film Institute. Die neue 4K-Restaurierung bietet nun die Gelegenheit, Nagisa Oshimas kompromissloses Meisterwerk erneut auf der großen Leinwand zu erleben – als verstörendes, radikales und bis heute herausforderndes Stück Filmgeschichte.