HOUSEOF THE DRAGON

Inhalt: In Anlehnung an „Feuer und Blut“ von George R. R. Martin erzählt die Serie die Geschichte des Königshauses Targaryen.

Vier Jahre und zwei eher gemächlich erzählte Staffeln sind seit der Premiere von „House of the Dragon“ vergangen. Nun, da das „Game of Thrones“-Prequel in seine dritte Staffel geht, scheint sich Showrunner Ryan Condal sehr bewusst zu sein, dass das Publikum bereit für das große Drachenfeuerwerk ist. Die zweite Staffel endete mit einer Montage der bevorstehenden Schlachten – und Staffel 3 verschwendet keine Zeit mehr damit, die Figuren nur auf dem Spielbrett zu positionieren.

Schon die ersten beiden Episoden stürzen sich mitten in den Krieg zwischen den Grünen und den Schwarzen. Eine gewaltige Seeschlacht, schockierende Verluste und einige der bislang stärksten Drachen-Effekte der Serie sorgen dafür, dass sich die Machtverhältnisse innerhalb kürzester Zeit verschieben. Nach dem langen politischen und familiären Vorspiel der vergangenen Staffeln ist der Tanz der Drachen endgültig entfesselt. Das Tempo ist dabei derart hoch, dass zunächst beinahe der Eindruck entsteht, „House of the Dragon“ habe auf die Kritik am langsamen Erzählrhythmus reagiert und wolle sich nun stärker an der spektakulären Inszenierung der späteren „Game of Thrones“-Staffeln orientieren.

Für Königin Rhaenyra (Emma D’Arcy), ihre einstige Freundin Alicent (Olivia Cooke), ihren Ehemann Prinz Daemon (Matt Smith) und die zahlreichen weiteren Figuren bedeutet das vor allem eines: Die Zeit politischer Drohgebärden ist vorbei. Entscheidungen haben nun unmittelbare Konsequenzen.

Matt Smith in House of the Dragon Staffel 3 - Episode 1
Photograph by Theo Whiteman/HBO © HBO 2026

Der Krieg beginnt – doch die Politik bleibt das Herz der Serie

Erfreulicherweise geht dieser neue Energieschub nicht zulasten des nuancierten Charakterdramas oder der politischen Themen, die „House of the Dragon“ von Beginn an geprägt haben. Die Serie vollzieht damit keinen ähnlich deutlichen Stilwechsel wie das wesentlich leichtere „Game of Thrones“-Spin-off „A Knight of the Seven Kingdoms“. Trotz Drachen, Schlachten und Fantasy-Elementen bleibt „House of the Dragon“ im Kern ein politisches Historiendrama. Die Nähe zu einem Shakespeare’schen Königsdrama ist weiterhin deutlich zu erkennen.

Intrigen, familiäre Loyalitäten, verletzter Stolz und strategische Entscheidungen bestimmen den Konflikt ebenso stark wie Schwerter oder Drachenfeuer. Gleichzeitig besitzt die Serie weiterhin Elemente eines Regierungsdramas im Stil von „The West Wing“: Macht besteht nicht allein darin, einen Thron zu besitzen, sondern darin, Mehrheiten zu organisieren, Verbündete zusammenzuhalten und Entscheidungen zu treffen, deren Folgen sich häufig erst viel später zeigen. Im Zentrum steht weiterhin die Frage, was es für Frauen bedeutet, innerhalb einer patriarchalisch organisierten, mittelalterlichen Gesellschaft politische Macht zu beanspruchen.

Besonders deutlich zeigt sich das in einer hervorragenden Episode, die Emma D’Arcy beinahe vollständig in den Mittelpunkt stellt. In einer spannungsgeladenen „Ein Tag im Leben“-Struktur zeigt die Folge, was es tatsächlich bedeutet, Königin zu sein. Herrschaft erscheint hier nicht als Privileg, sondern als permanenter Zustand aus Verantwortung, Erwartungsdruck, Misstrauen und Entscheidungen, bei denen jede mögliche Option neue Feinde schaffen kann.

House of the Dragon- Staffel 3 - Episode 2
Photograph by Courtesy of HBO © HBO 2026

Emma D’Arcy und Matt Smith entwickeln ihre Figuren konsequent weiter

Ohnehin gewinnen die schauspielerischen Leistungen mit zunehmender Laufzeit der Serie weiter an Facetten. Emma D’Arcy kann Rhaenyra inzwischen weit über die ursprüngliche Rolle der um ihren Thron kämpfenden Erbin hinaus entwickeln. Die Königin muss gleichzeitig politische Strategin, Mutter, Ehefrau und Symbolfigur ihrer Anhänger sein. Gerade diese unterschiedlichen Anforderungen sorgen dafür, dass Rhaenyra zunehmend unter dem Gewicht jener Macht steht, um die sie so lange gekämpft hat.

Auch Matt Smith bekommt Gelegenheit, Daemon weiterzuentwickeln. Nachdem sich die Figur in Staffel 2 einer Art surrealer „Hexen-Traumtherapie“ unterziehen musste, zeigt Smith nun neue, ruhigere Seiten des Prinzen. Daemon bleibt unberechenbar, stolz und gefährlich, doch unter der Oberfläche treten stärker jene Unsicherheiten hervor, die seine Entscheidungen seit Beginn der Serie bestimmen. Die Rolle passt Smith weiterhin ausgezeichnet, gerade weil er Daemons Mischung aus Arroganz, Verletzlichkeit und latentem Größenwahn nie vollständig auflösen muss.

Olivia Cookes Alicent wiederum befindet sich in einer zunehmend schwierigen Position. Der Krieg, den ihre Familie mit ausgelöst hat, entwickelt längst eine Eigendynamik, die sich nicht mehr durch persönliche Gespräche oder diplomatische Manöver kontrollieren lässt. Besonders interessant bleibt dabei die Beziehung zwischen Alicent und Rhaenyra: Aus der einstigen Freundschaft ist ein politischer und familiärer Konflikt geworden, dessen persönliche Vergangenheit dennoch ständig unter der Oberfläche präsent bleibt.

Die faszinierendste neue Figur der Staffel ist jedoch Alicents Cousin Lord Ormund Hightower (James Norton). Der selbstbewusste Adlige lässt sich zunächst nur schwer einordnen. Mal besitzt er etwas von Robb Starks militärischer Entschlossenheit, dann erinnert seine strategische Kälte an Tywin Lannister, während andere Momente eine Brutalität erkennen lassen, die sogar Assoziationen an Ramsay Bolton weckt. Gerade weil die Serie Ormund nicht sofort eindeutig positioniert, entwickelt er sich schnell zu einer schwer kalkulierbaren Größe innerhalb von Team Grün.

(L-R) Oscar Eskinazi, Emma D’Arcy
 in House of the Dragon -Staffel 3 - Episode 8
(L-R) Oscar Eskinazi, Emma D’Arcy in House of the Dragon – Photograph by Ollie Upton/HBO © HBO 2026

Zwischen Drachenkrieg und Machtspielen erreicht die Serie eine neue Stärke

Diese Mehrdeutigkeit trägt wesentlich dazu bei, dass Staffel 3 trotz der bekannten Ausgangslage ein bemerkenswertes Gefühl der Unvorhersehbarkeit entwickelt. Selbst wenn klar ist, dass dieser Krieg Westeros verwüsten wird, bleibt lange offen, welche Figuren tatsächlich Einfluss auf seinen Verlauf nehmen können und welche vermeintlich wichtigen Spieler plötzlich vom Brett verschwinden. Nicht immer funktioniert die neue Geschwindigkeit gleichermaßen gut. Gelegentlich wirkt der Erzählrhythmus unausgewogen, weil „House of the Dragon“ inzwischen eine enorme Zahl an Figuren, Häusern, politischen Interessen und militärischen Schauplätzen gleichzeitig bedienen muss. Das ohnehin dicht besetzte Schachbrett wird mit jeder neuen Allianz noch voller.

Manche Figuren verschwinden dadurch zeitweise aus dem Fokus, während andere Entwicklungen überraschend schnell abgehandelt werden. Doch gerade aus dieser Vielzahl an Interessen entsteht gleichzeitig eine der größten Stärken der Staffel. Der Krieg entscheidet sich nicht ausschließlich auf Schlachtfeldern. Was in den Gemächern der königlichen Familie geschieht, welche Gerüchte sich unter der Bevölkerung verbreiten, wie Lords ihre Loyalitäten abwägen und wie Rhaenyra und ihre Gegner öffentlich wahrgenommen werden, kann ebenso entscheidend sein wie eine Armee oder ein Drache.

Damit gelingt Staffel 3 genau jene Balance, die „House of the Dragon“ benötigt. Die Serie erhöht den Actionanteil deutlich, ohne ihre politische Identität aufzugeben. Das lange aufgebaute Fundament der ersten beiden Staffeln zahlt sich nun aus: Wenn Drachen gegeneinander antreten oder ganze Flotten in den Krieg ziehen, besitzt das Spektakel Gewicht, weil dahinter persönliche Entscheidungen, familiäre Verletzungen und politische Interessen stehen. Nach zwei bewusst langsam aufgebauten Staffeln entfesselt „House of the Dragon“ endlich den Tanz der Drachen.

Fazit: Staffel 3 bietet erheblich mehr Action, spektakuläre Schlachten und einige der bislang besten Drachen-Effekte der Serie, ohne das komplexe Charakter- und Politdrama dafür zu opfern. Emma D’Arcy und Matt Smith entwickeln ihre Figuren überzeugend weiter, während James Norton als Lord Ormund Hightower eine spannende neue Machtfigur ins Spiel bringt. Lediglich das inzwischen enorme Figurenensemble bringt den Erzählrhythmus gelegentlich aus dem Gleichgewicht. Insgesamt verbindet die dritte Staffel jedoch politisches Intrigenspiel und großes Fantasy-Spektakel so überzeugend wie bisher keine Staffel der Serie – und ist damit die bislang beste Staffel von „House of the Dragon“.

Bewertung 9 / 10