Was geschieht mit einem Baum in dem Augenblick, in dem er gefällt wird? Was bleibt von einem lebenden Organismus, sobald der Mensch ihn zu Holz, Rohstoff oder Symbol erklärt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Regisseur Victor Kossakovsky in seinem neuen Dokumentarfilm „Holy Wood Dust“, der seine Weltpremiere bei den 83. Internationalen Filmfestspielen von Venedig feiert. Der Film wird dort innerhalb der offiziellen Auswahl außer Konkurrenz präsentiert. In Deutschland bringt Mindjazz Pictures „Holy Wood Dust“ am 3. Dezember 2026 in die Kinos.
Kossakovsky arbeitet für den Film mit dem italienischen Botaniker Stefano Mancuso zusammen, der seit Jahren zu Pflanzenintelligenz, Kommunikation und den Reaktionsmechanismen von Pflanzen forscht. Statt Bäume lediglich als Landschaft oder natürliche Ressource zu betrachten, soll „Holy Wood Dust“ den Blick auf sie als eigenständige Lebewesen richten und die Frage stellen, welche Vorgänge für den Menschen unsichtbar bleiben.
Zwischen Weihnachtsritual und ökologischem Widerspruch
Ein zentraler Ausgangspunkt des Films ist zunächst überraschend konkret: Ein Weihnachtsbaum wird an einem Hubschrauber über Rom hinweg zum Petersplatz im Vatikan transportiert. Kossakovsky folgt dem Weg des Baumes vom Wald bis in das Zentrum eines der bekanntesten christlichen Weihnachtsrituale. Aus diesem Bild entsteht ein Widerspruch, der den Film weiterträgt. Ein Fest, das Leben, Hoffnung und Erneuerung symbolisiert, benötigt einen gefällten Baum als eines seiner sichtbarsten Zeichen. Von dieser Beobachtung aus öffnet Kossakovsky den Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch und Pflanzenwelt insgesamt. Gemeinsam mit Mancuso untersucht der Film, wie selbstverständlich Menschen Bäume fällen, verarbeiten und in ihre Lebenswelt integrieren, während die biologischen Prozesse und Fähigkeiten der Pflanzen häufig kaum wahrgenommen werden.
Dabei interessiert Kossakovsky weniger eine klassische naturwissenschaftliche Dokumentation als ein Perspektivwechsel. „Holy Wood Dust“ fragt deshalb nicht nur, wie Bäume funktionieren, sondern auch, wie grundlegend sich unser Verhältnis zur Pflanzenwelt verändern könnte, wenn wir sie nicht länger als weitgehend passive Umgebung betrachten.
Internationale Koproduktion mit Dreharbeiten in Hamburg
Der Dokumentarfilm entstand als internationale Produktion zwischen Italien, Spanien und Deutschland. Zu den beteiligten Unternehmen gehören Be Water Film, Solaria Film, Rai Cinema, Oceanika, Allegra Films und die Hamburger Doppelplusultra Filmproduktion. Acht Drehtage fanden in Hamburg statt. Weitere Unterstützung kam unter anderem vom MOIN Film Fund Hamburg Schleswig-Holstein, beteiligt sind außerdem ZDF/3sat, RTVE und 3Cat. Die Kamera führte Gianmarco Donaggio, für den Schnitt zeichnet Ainara Vera verantwortlich. Die Musik stammt von Adrian Berenguer.
Für Kossakovsky setzt sich damit eine filmische Auseinandersetzung mit Natur und menschlicher Wahrnehmung fort. Der Regisseur richtet seine Kamera erneut auf etwas scheinbar Vertrautes und versucht, darin eine Welt sichtbar zu machen, die im Alltag kaum noch bewusst wahrgenommen wird. „Holy Wood Dust“ läuft in Venedig innerhalb der Sektion „Venice Open – Out of Competition“ und hat eine Laufzeit von rund 105 Minuten. HOLY WOOD DUST startet am 3. Dezember 2026 in den deutschen Kinos.





