Vince Vaughn in einer neuen Horror- Komödie Freaky

Regie: Christopher Landon | Laufzeit: ca. 1 Std 42 Minuten | Mit Kathryn Newton, Vince Vaughn, Celeste O’Connor, Misha Osherovich, Dana Drori, (Katie Finneran, Uriah Shelton | Kinostart: 24. Juni 2021

Story: Eigentlich wollte die 17-jährige Millie Kessler (Kathryn Newton, Der Sex Pakt) nur noch ihr Abschlussjahr an der High School hinter sich bringen, doch mit einem Mal gerät ihr Leben auf sehr unerwartete Weise durcheinander. Der berüchtigte Serienmörder “Blissfield Butcher” (Vince Vaughn, Die Hochzeits-Crasher) versetzt die Stadt in Angst und Schrecken und trifft dabei auch bald auf Millie.

Beim Versuch, sie zu seinem nächsten Opfer zu machen, löst er versehentlich einen uralten Fluch aus, der die Teenagerin und den Killer im Körper des jeweils anderen erwachen lässt. Jetzt hat Millie nur 24 Stunden Zeit, um den Fluch zu brechen und nicht für ewig in der Gestalt des Psychopathen gefangen zu sein, nach dem überall gefahndet wird.

©Universal Pictures Germany

Film Kritik:

von Ilija Glavas

DER BESTE SLASHER FILM SEIT SCREAM

Während wir seit über einem Jahrzehnt keinen Freitag-der-13.-Film mehr hatten, liefert uns Universal Pictures etwas großartiges dieser Art. Wenn ihr „Freaky“ noch nicht sehen konntet, dann seit ihr vielleicht mit Christopher Landons Regie in den „Happy Death Day„-Filmen sowie seinem bemerkenswerten Drehbuch zu „Disturbia“ und den „Paranormal Activity“-Filmen der frühen 2010er Jahre vertraut.

In der Tat weiß der Filmemacher, was er tut -und indem er Blumhouse diesen Film produzieren lässt, sollten Fans des Horrorgenres wissen, dass er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Freaky folgt einem Teenager-Mädchen namens Millie Kessler (Kathryn Newton), die mit ihrer alleinerziehenden Mutter Paula (Katie Finneran) und ihrer älteren Schwester Charlene (Dana Drori), einer Polizistin, zusammenlebt, während sie mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig werden müssen.

In der Schule ist Kessler die typische Highschool-Schülerin, die ständig von zahlreichen Mitschülern und einem Lehrer gemobbt und schikaniert wird, aber sie hat auch ein paar Freunde: Nyla (Celeste O’Connor) und Josh (Misha Osherovich). Der Stress im Leben des Mädchens scheint sich in eine Abwärts Spirale zu verwandeln, als sie von einem frei herumlaufenden Serienmörder namens „Blissfield Butcher“ (Vince Vaughn) angegriffen wird.


(L-R) Nyla Chones (Celeste O’Connor), Millie Kessler im Körper des Butcher’s (Vince Vaughn) and Josh Detmer (Misha Osherovich) in Freaky, von co-Autor und Regisseur Christopher Landon. ©Universal Pictures Germany

DAS DREHBUCH VERLEIHT DEN CHARAKTEREN EINE GEERDETE TIEFE

Durch die Verwendung der jeweiligen Elemente von Freitag der 13. und Freaky Friday ist das resultierende Endprodukt ein spaßiger 102-minütiger Horrorfilm, der sowohl mit den bekannten Versatzstücken eines Slasher-Streifens als auch eines Coming-of-Age-Films spielt. Während des BlumFestes Ende Oktober im letzten Jahr, versprachen Landon und die Hauptdarsteller des Films, den Charakteren eine geerdete Tiefe zu verleihen.

Und der Film enttäuscht uns definitiv nicht! Wir lernen Kessler als eine junge Frau kennen, die mit dem Umständen ihres Zuhauses und ihrer Schule zu kämpfen hat und sich einer vielfältigen Gruppe von vertrauenswürdigen Gefährten anvertraut (und an ihnen wächst). Nyla ist ein schwarzes Mädchen: Josh ist ein Mitglied der LGBTQ+ Community: Love Interest Booker Strode (Uriah Shelton) ist ein Highschool-Sportler mit Herz. Landons Drehbuch, versetzt diese Individuen bewusst in ihre Charakterrollen und zwingt sie nie dazu, in die Welt hinauszuschreien, wer sie sind.

Die Figuren fügen sich einfach als die menschlichsten und angenehmsten Menschen in die Geschichte ein, und wenn man den Film sieht, ist es fast so, als ob wir mit Freunden auf diese Reise gehen. Sie sind frei und erlauben sich, aus allen vorgegebenen Stereotypen auszubrechen.


Kathryn Newton in Freaky
Kathryn Newton als The Butcher in Millie Kessler’s body in Freaky, von co-Autor und Regisseur Christopher Landon. ©Universal Pictures Germany

DARSTELLER IN SPIELLAUNE UND DIE UNTERSCHWELLIGE SYMBOLIK UMSCHIFFEN DIE KLISCHEES

In der Zwischenzeit haben wir auch Vaughn als den schweigsamen Serienmörder, der sich selten darum kümmert, was mit seinen Opfern passiert. Natürlich tauschen seine und Newtons Figuren die Körper, und bald ist es Vaughn, der dann das Mädchen spielt und Newton, die den Killer spielt.

Die Schauspieler schlüpfen sofort in die Rollen des jeweils anderen und das ist schön anzusehen. Vince Vaughn als High School Girl ist einfach urkomisch, da es der Schauspieler vermeidet, die weiblichen Bewegungen nicht zu sehr in ein Klischee zu verwandeln. Aber Newton steht der Performance von Vaughn in nichts nach, denn sie spielt den Teenager und den Psychopathen perfekt. Sie ist einfach wie geschaffen für diesen Film.

Landon baut mit einer unglaublichen Leichtigkeit die Symbolik von Masken ein, die im Slasher-Genre eine entscheidende Rolle spielen. Der Killer von Freaky benutzt anfangs eine Maske, aber wir sehen auch, wie die Teenager ihre eigenen Arten von Masken tragen-physisch und psychologisch. Ihre physischen können urkomisch sein, während die psychischen die Emotionen ihres Charakters festhalten und verbergen.


Vince Vaughn als psychopatischer Killer in FREAKY - BLUTRAUSCH MIT KÖRPERTAUSCH
(L-R) The Butcher (Vince Vaughn) and Millie Kessler (Kathryn Newton) in Freaky, von co-Autor und Regisseur Christopher Landon. ©Universal Pictures Germany

KLUGE DIALOGE UND ULTRA-BRUTALE KILLS VERSETZEN JEDEN GENRE FAN IN EKSTASE

Wir bekommen kluge Dialoge aus den Mündern der Charaktere geliefert. Ein genialer Schachzug offenbart sich, als der männliche Killer und das Teenager-Mädchen die Plätze tauschen. Da weist Landon auf die Verwendung von Pronomen hin und darauf, die Identitäten der beiden Protagonisten nicht zu verwechseln. Des Weiteren: die Musik und die Kinematographie. Muss man es selbst sehen um zu beurteilen, wie unglaublich gelungen sie im Zusammenspiel wirken. 

Schließlich haben wir die Kills. Oh-ja, die Kills! Es ist keine Überraschung, wie kreativ Landon als Drehbuchautor sein kann. Ohne viel zu verraten, ist der Killer mit der ersten Sequenz schon brutal -und das mit seinen bloßen Händen und einigen kreativ eingesetzten „Hilfsmitteln“. Die Einführungsszene des Films reicht aus, um jeden Horrorfan sofort in den Sitz zu pressen. Man greift Freaky Friday und die Freitag-der-13.-Franchise auf und nimmt wesentliche, kreative Erweiterungen vor.

Im Lindsey Lohan-Jamie Lee Curtis-Film, wurde als Plot-Treiber ein Glückskeks verwendet, aber in Freaky setzt ein anderes Objekt den Horror in Gang. Mit Ausnahme des ersten Teils fehlt den Filmen, in denen Jason Voorhees auftritt, eine konkrete Geschichte. Freaky füllt (fast-) alles mit Charakteren aus, die einen Sinn haben -oder sich nach einem sehnen- und einer Geschichte, die sie dorthin führt.


(L-R) Josh Detmer (Misha Osherovich), Ryler (Melissa Collazo), „The Butcher“ in Millie Kessler’s Körper (Kathryn Newton) and Nyla Chones (Celeste O’Connor) in Freaky, Regie von Christopher Landon.©Universal Pictures Germany

Fazit: Insgesamt ist Freaky ein sehenswerter Slasher-Film, der den gesellschaftlichen Kontext des 21. Jahrhunderts beleuchtet, vor allem in Bezug auf digitale Technologie, politische Korrektheit, die Einbeziehung von Diversität und mehr. Landon bringt es hervorragend durch Grusel, Komödie und Drama auf die Leinwand.

Wie Strode in einer Szene sagt: „Stärke kommt nicht von der Größe. Sie kommt aus dem Herzen und dem Verstand“. Und Freaky lebt durch das Genre Verständnis des Filmemachers, seinem Herz für Figuren Entwicklung und seinem kreativen Verstand, alles in einen spaßig brutalen Blutrausch zu verwandeln. Wertung: 7,5 / 10