Inhalt: Enola Holmes (Millie Bobby Brown), die nun offiziell Detektivin ist, reist nach Malta, um ihren geliebten Lord Tewkesbury (Louis Partridge) zu heiraten. Die Hochzeit muss jedoch verschoben werden, als Enolas Bruder Sherlock (Henry Cavill) verschwindet – und damit der bislang gefährlichste Fall der jungen Detektivin beginnt.
Ein rasantes Abenteuer mit zu vielen Handlungssträngen
Mit „Enola Holmes 3“ kehrt Millie Bobby Brown als schlagfertige Schwester des berühmtesten Detektivs der Literaturgeschichte zurück. Nach Philip Barantinis kompromissloser Miniserie „Adolescence“ überrascht seine Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Jack Thorne zunächst. Tatsächlich schlägt der Film einen völlig anderen Ton an, bleibt aber dennoch ambitioniert. Das Problem: Er will zu viel auf einmal erzählen und verliert darüber zunehmend seinen erzählerischen Fokus.
Schon die ersten Minuten machen deutlich, wohin die Reise geht. Gefängnisausbruch, mehrere Zeitsprünge, eine Kutschenverfolgung, eine Hochzeit, Sherlock Holmes‘ Verschwinden und politische Hintergründe rund um Malta – der Film wirft seinem Publikum nahezu pausenlos neue Informationen entgegen. Hinzu kommen eine Verschwörung rund um das britische Empire, gesellschaftspolitische Kommentare zu Klasse und Geschlechterrollen sowie die Rückkehr von Moriarty. Jede einzelne Idee besitzt grundsätzlich Potenzial, gemeinsam wirken sie jedoch wie ein Puzzle mit deutlich zu vielen Teilen. Dadurch entwickelt sich „Enola Holmes 3“ zwar nie zu einem langweiligen Film, wohl aber zu einem erstaunlich hektischen Erlebnis, das sich kaum Zeit nimmt, seine stärksten Momente wirken zu lassen.
Die größte Stärke bleibt erneut das Zusammenspiel zwischen Millie Bobby Brown und Louis Partridge. Ihre Chemie wirkt auch im dritten Film völlig natürlich und verleiht der Liebesgeschichte zwischen Enola und Tewkesbury eine glaubwürdige emotionale Entwicklung. Besonders gelungen ist dabei, dass die Beziehung nicht nur romantisch erzählt wird. Vielmehr beschäftigt sich der Film mit der Frage, wie sich eine Ehe auf Enolas hart erkämpfte Eigenständigkeit auswirken könnte. Gerade diese Konflikte verleihen ihrer Figur zusätzliche Tiefe. Eine ruhig inszenierte Begegnung der beiden am Meer gehört zu den schönsten Szenen des gesamten Films und zeigt eindrucksvoll, wie gut „Enola Holmes 3“ funktioniert, sobald er seinen Figuren Raum gibt.

Stilvoll inszeniert, aber erzählerisch überladen
Auch handwerklich überzeugt der Film auf vielen Ebenen. Die opulenten Kostüme von Consolata Boyle gehören zu den schönsten der gesamten Reihe und verleihen jeder Szene eine enorme Eleganz. Kameramann Matt Lewis sorgt mit seiner dynamischen Bildgestaltung und der außergewöhnlich stimmungsvollen Ausleuchtung dafür, dass sich der Film deutlich hochwertiger anfühlt als viele aktuelle Streaming Produktionen. Hinzu kommen einige von Philip Barantinis charakteristischen langen Kameraeinstellungen, die der Inszenierung zusätzlichen Schwung verleihen.
Gleichzeitig verarbeitet Jack Thornes Drehbuch erneut gesellschaftliche Themen wie Macht, Kolonialismus, Klassenunterschiede und familiäre Verantwortung, ohne dabei belehrend zu wirken. Genau hier offenbart sich allerdings auch das größte Problem des Films. Die Vielzahl an Figuren, Nebenhandlungen und Themen führt dazu, dass kaum ein Erzählstrang wirklich die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient hätte. Statt Spannung kontinuierlich aufzubauen, springt der Film ständig zwischen seinen zahlreichen Handlungssträngen hin und her. Dadurch wirkt vieles unnötig verworren, einzelne emotionale Höhepunkte verlieren an Wirkung und nach dem Abspann bleibt erstaunlich wenig nachhaltig im Gedächtnis.
Fazit: „Enola Holmes 3“ bleibt ein unterhaltsames Abenteuer, das vor allem von der Spielfreude seiner Hauptdarsteller lebt. Millie Bobby Brown und Louis Partridge tragen den Film mühelos, während Ausstattung, Kamera und Inszenierung erneut überzeugen. Gleichzeitig leidet der dritte Teil unter einer deutlich überfrachteten Geschichte, die sich immer wieder in ihren zahlreichen Ideen verliert und dadurch unnötig kompliziert wirkt. Weniger Handlung und mehr Vertrauen in die Figuren hätten diesem charmanten Detektivabenteuer gutgetan.
Film Bewertung 6 / 10





