DISCLOSURE DAY

Zwischen Akte X, Verschwörungskino und klassischem Spielberg

Steven Spielberg hat in seiner Karriere viele persönliche Filme gedreht. Nach dem autobiografischen „The Fabelmans“ richtet er seinen Blick nun wieder in den Himmel. Mit „Disclosure Day“ kehrt der Regisseur zu jenem Terrain zurück, das ihn seit „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ immer wieder fasziniert: die Frage, ob wir im Universum wirklich allein sind. Das Ergebnis ist ein Science-Fiction-Thriller, der große Bilder, spannende Verschwörungen und viel Herz bietet, sich aber gleichzeitig immer wieder selbst im Weg steht.

Die Handlung folgt mehreren Figuren, deren Wege durch ein rätselhaftes Phänomen miteinander verbunden werden. Josh O’Connor spielt den Cybersicherheitsexperten Daniel Kellner, der plötzlich im Zentrum eines gewaltigen Sicherheitslecks steht. Emily Blunt verkörpert die Wettermoderatorin Margaret Fairchild, die auf unerklärliche Weise sämtliche Sprachen verstehen und sogar Gedanken lesen kann. Beide geraten ins Visier einer geheimnisvollen Behörde unter der Leitung eines herrlich undurchsichtigen Colin Firth.

Spielberg inszeniert das Ganze wie einen Verschwörungsthriller der 1970er Jahre. Der Film erinnert stellenweise an die Werke von Alan J. Pakula, mischt aber gleichzeitig deutliche „Akte X“-Elemente hinein. Dabei entwickelt „Disclosure Day“ von Beginn an eine fesselnde Atmosphäre, die neugierig macht und den Zuschauer immer tiefer in das Geheimnis hineinzieht.

Emily Blunt in Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit
Emily Blunt in Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit – © Foto von Niko Tavernise/Universal Picture – © Universal Studios. All Rights Reserved. – Universal Pictures Germany

Große Ideen, schwache Antworten

Visuell zeigt Spielberg einmal mehr, warum er zu den größten Regisseuren der Filmgeschichte zählt. Auf 35-mm-Film gedreht und von einem eindrucksvollen Score von John Williams begleitet, wirkt der Film angenehm greifbar und klassisch. Kleine visuelle Einfälle machen selbst einfache Szenen spannend. Eine spektakuläre Zugsequenz gehört zudem zu den stärksten Actionmomenten, die Spielberg seit Jahren inszeniert hat. Doch genau dort liegt auch das größte Problem von „Disclosure Day“. Je näher die Geschichte ihren Antworten kommt, desto deutlicher werden die Schwächen des Drehbuchs.

Immer wieder werden faszinierende Fragen aufgeworfen, die letztlich nur oberflächlich beantwortet werden. Besonders die außerirdische Technologie, die den zentralen Motor der Handlung bildet, wirkt eher wie Magie als wie glaubwürdige Science-Fiction. Hinzu kommen zahlreiche Plotlöcher, die sich kaum ignorieren lassen. Wichtige Entscheidungen von Figuren erscheinen oft konstruiert, während einige Wendungen mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Auch der Hintergrund eines drohenden globalen Konflikts bleibt überraschend vage und entwickelt nie die emotionale Wucht, die der Film offensichtlich anstrebt.

Josh O’Connor in Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit
Josh O’Connor in Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit – © © Foto von Niko Tavernise/Universal Picture – © Universal Studios. All Rights Reserved. – Universal Pictures Germany Universal Pictures Germany

Beeindruckend inszeniert, erzählerisch nicht konsequent genug

Gerade im letzten Drittel entsteht dadurch das Gefühl, dass Spielberg und Drehbuchautor David Koepp zwar große Themen ansprechen möchten, letztlich aber keine wirklich überzeugenden Antworten darauf finden. Die emotionale Botschaft über Mitgefühl, Kommunikation und Zusammenhalt bleibt sympathisch, wirkt jedoch teilweise zu einfach für die komplexen Fragen, die der Film zuvor stellt.

„Disclosure Day“ fühlt sich wie eine Rückkehr in das klassische Spielberg-Universum an. UFO-Mysterien, Alltagshelden, Staunen, Hoffnung und die Überzeugung, dass Menschen im Kern besser sein können, prägen den Film von Anfang bis Ende. Emily Blunt liefert dabei die stärkste Leistung des Ensembles ab und trägt viele der emotionalen Momente. Trotz vieler beeindruckender Szenen boykottiert sich die Geschichte jedoch immer wieder selbst.

Fazit: Die zahlreichen Plot Fehler, einige fragwürdige Erklärungen und ein nicht vollständig durchdachtes Drehbuch verhindern, dass aus dem Film ein weiteres Science-Fiction-Meisterwerk des Regisseurs wird. Spielberg beweist erneut sein außergewöhnliches Können als Erzähler und Bildgestalter. Doch diesmal reicht die Inszenierung nicht aus, um alle Schwächen der Geschichte zu überdecken.

Film Bewertung 5 / 10