“Der Unsichtbare” | 2020 | Film Kritik

Eine Frau schaut öngstlich, der Unsichtbare ist hinter ihr her.

Film: Der Unsichtbare
Regie: Leigh Whannell
Verfügbar auf: Amazon Prime
Länge: 125 min
FSK: 16


Filmkritik:

von Nicola Scholz

Es gibt eine Regel – breche nicht die Regel


Cecilia hat ihre Flucht geplant. Mitten in der Nacht packt sie ihre Sachen und schleicht sich aus dem riesigen, gut gesicherten Haus. Ihr Mann schläft. Doch auch nach ihrer Flucht geht es ihr nicht besser. Sie traut sich kaum das Haus zu verlassen, immer wieder denkt sie nun hat sie ihr Mann doch gefunden. Bis eine Nachricht sie erreicht. Ihr Mann sei bei einem Unfall ums Leben gekommen und hat ihr Geld hinterlassen das sie jeden Monat ausgezahlt bekommen soll.

Es gibt nur eine Regel die daran gebunden ist: Cecilia darf kein Verbrechen begehen. Doch die Freude über das ableben ihres Mannes verfliegt schnell. Cecilia fühlt sich beobachtet und dann sieht sie deutliche Fußabdrücke im Teppich, Essen verbrennt auf dem Herd aus unerklärlichen Gründen und aus dem Nichts wird die Tochter ihre Bekannten ins Gesicht geschlagen.

Cecilia ahnt das ihr Mann eines seiner Experimente fertig stellen konnte und nun Unsichtbar sein kann. Doch natürlich will ihr niemand glauben, auch nicht der Bruder ihres Mannes.

Der Unsichtbare jagt eine Frau. Sie verstckt sich hinter einem gelben USA Schulbus
Der Unsichtbare macht Jagd auf Cecilia ( Elisabeth Moss )©Unisversal Pictures

Simpel aber Brilliant

Für alle ist ihr Mann gestorben, doch Cecilia wird verfolgt und muss nun für sich selbst kämpfen. Blumhouse steht ja praktisch für gut durchdachte Thriller mit Horrorfilmelementen ohne eben die typischen Jump Scars zu verwenden. Dazu schafft es Blumhouse scheinbar, wie keine andere
amerikanische Produktionsfirma, für im Verhältnis wenig Geld richtig gute Filme zu produzieren und beweist damit auch eines: Nicht am ausgegebenen Geld lässt sich der Erfolg eines Filmes festmachen.

Hier stehen viel mehr die Ideen und Geschichten im Vordergrund und das die Idee zu „Der Unsichtbare“ so simple wie brillant ist zeigt der Film ganze 125 Minuten lang. Denn wo in anderen Horrorfilmen aufwändige Monster per VFX oder Make Up erschaffen werden, ist hier die Devise „nichts“ zu zeigen aber dieses Nichts dank modernster und alter Technik sehr eindrucksvoll in Szene zu setzen.

Erstklassige Cinematographische Atmospähre

So zeigt die Kamera immer mehr vom Raum als wir es sonst von Filmen gewohnt sind. Irgendwo ist immer eine Ecke freigelassen, den Rest überlassen die Filmemacher unserer Fantasie. Und da muss man nicht mal den Trailer gesehen haben um zu wissen, worum es geht.

Der Titel verrät alles und wir sind von Vornherein im Bilde. Auch so kleine Details wie der Titel, und auf welche Art und Weise er am Anfang des Filmes präsentiert wird, spielen eine kleine aber wichtige Rolle. Wieder einmal schaut man einen Film der durchweg eine Gänsehaut hinterlässt und einen auch in dem ein oder anderen Moment zusammen zucken lässt, ohne das wir von irgendwelchen sichtbaren entstellten Monstern gejagt werden.

Und auch die Idee hinter dem Unsichtbaren und mit welchen Mitteln er es schafft unsichtbar zu sein, ist ziemlich genial und realistisch integriert. Und dieser Realismus ist es auch, welcher oftmals bei Blumhouse Produktionen der eigentliche Gruselfaktor ist.

Elisabeth Moss auf dem Dachboden. In ihrer Hand ein Messer.
Cecilia ( Elisabth Moss ) verängstigt auf dem Dachboden. Filmaussschnitt aus “Der Unsichtbare” ©Universal Pictures

Der Mensch ist das wahre Monster

Es sind die Menschen, welche die wahren Monster sind, nicht in etwa irgendwelche Außerirdischen Wesen. Besetzt ist der Film auch wieder präzise und bedacht. Man braucht nicht unbedingt ein Erfolgreiches Gesicht um damit zu werben. Inzwischen wirbt Blumhouse auch eher mit seinem eigenen Namen. Die Kameraführung ist ebenso durchdacht.

Es wird ein Roboter Kamera-arm verwendet um eben bestimmte Detail Shots so hinzubekommen wie sie es brauchen für die gewisse Wirkung. Alles in allem verfliegt die Zeit, auch wenn der Film recht Still ist und man seinen eigenen Herzschlag hören kann während einem der heiße Atem des Nichts in den Nacken bläst.

Fühlt man sich nach dem Film beobachtet, von den Gegenständen der eigenen Wohnung, so zeigt der Film nur eines mehr: Seine starke Wirkung auch im Nachhinein. Wieder einmal begeistert eine Blumhouse Produktion und schafft mit wenig Aufwand ein wahres schauriges Erlebnis das noch lange nach-weilt.


Meine Meinung: 10/10

10 – Meisterwerk – 8-9  sehr gut – 6-7 gut – 5  Ziel erreicht – 3-4 grad noch wach geblieben – 1-2 Geldverschwendung – 0 Geld zurück verlangen 

Nicola Scholz betreibt den Blog Wortzauber und schreibt Rezensionen für Kinomeister. Sie ist leidenschaftlicher Filmfan und hat bereits bei zwei Kurzfilmen Regie geführt. Nicola ist regelmäßiger Gast bei der Berlinale.

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