“The Boat” | Film Kritik | 2020

Blaues Meer ein Boot allein. Verlassen aber nicht allein steht auf dem Plakat zum Film The Boat. Ein Hochsee Horrothriller.

The Boat

Regie: Winston Azzopardi
Erschienen: 2018 auf DVD
Verfügbar bei: Amazon Prime
Länge: 90 min
FSK: 12

Film Kritik:

von Nicola Scholz

Als ein Fischer morgens aufs Meer fährt, ist ihm nicht klar was da draußen im Nebel auf ihn wartet. Ein Boot, ein scheinbar verlassenes Segelboot liegt mitten auf dem Meer. Doch nachdem er nirgends jemanden entdecken kann und eine Funkmeldung abgibt, auf die niemand antwortet, will er das Boot schnellst möglich wieder verlassen.

Nur ist das nicht mehr möglich, denn sein fein säuberlich am Segelboot befestigtes kleines Fischerboot, ist fort. Nun treibt er auf dem Meer in einem nicht mehr funktionierenden Segelboot ohne jegliche Orientierung. Und als er nur für einige Augenblicke das kleine Bad des Bootes aufsucht, fällt die Tür hinter ihm ins Schloss und ein Ausweg scheint ausgeschlossen. Vielleicht befindet er sich doch nicht alleine auf diesem Boot, so wie erst gedacht?


The Boat
Niemand an Bord. ©Splendid Film

Neue Maßstäbe für Horrorfilme auf hoher See

Filme wie „Adrift“ oder „All is Lost“, die mit der Einsamkeit und der Machtlosigkeit spielen die einen trifft, wenn man gefangen ist auf einem beschädigten Boot, mitten auf dem Meer, den Gewalten der Natur ausgesetzt, haben schon viel erzählt und gezeigt.

Doch „The Boat“ schippert 90 Minuten lang in ganz anderen Gewässern umher und setzt neue Maßstäbe für das Genre Horror auf dem Meer. Nicht die Einsamkeit alleine ist es, die hier den größten Part einnimmt, viel mehr die Ungewissheit ob man wirklich alleine ist. Die Gewalten sind nicht nur die Natur, sondern die Gefahr die unmittelbar von dem einzigen Gegenstand ausgeht, der einen noch am Leben hält. Der Bruder des Regisseurs spielt dabei die einzige Rolle im ganzen Film, die sichtbar ist.

Und dafür, dass man ihn noch nie vorher auf der Leinwand erblicken durfte, füllt er diese 90 Minuten großartig aus. Er scheint auch in dem Gebiet Segelboot bewandert zu sein, denn es sitzt jeder Griff sehr akkurat. Und jederzeit kann man nachvollziehen, welche Handlungen er während der gesamten Länge des Films vollzieht und welche Lösungen er versucht, aus seinem kleinen engen Gefängnis heraus, zu finden.


The Boat
Ein schöner Tag um raus zu fahren ( JoeAzzopardi ). ©Splendid Film

Gänsehaut Garantie mit FSK – Freigabe ab 12 Jahren

Und obwohl der Film eine Altersfreigabe ab 12 Jahren hat und diese vielleicht auch wohl überlegt getroffen sein mag, es gibt kein Blutbad, keine gewalttätigen Actionszenen, so sitzt der Horror doch im Detail und lässt einen durchaus mit einer Gänsehaut zurück. Fast könnte man denken das Blumhouse hinter diesem kleinen genialen Werk steckt, so wenig aufwendig und dennoch gut durchdacht bis ins letzte Detail scheint es.

Man könnte es mit Filmen wie „Der Unsichtbare“ --> ( Hier geht es zur Kritik ) vergleichen, den typischen Blumhouse Humor hat „The Boat“ aber nicht übernommen. Eher das produzieren in kleinem Rahmen mit wenig Aufwand, dafür aber mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte.

Und wenn man nach 30 Minuten schon denkt, dass der Film an seinem Höhepunkt angekommen ist und sich fragt was denn die nächsten 60 Minuten noch passieren soll, dann hat der Film gerade erst angefangen. Tatsächlich gibt es kaum einen Horrorfilm der mit viel weniger noch größere Furcht erzeugt hat als „The Boat“. Weder eine aufwendige Kamera, noch irgendwelche gefährlichen Stunts, blutigen Szenen oder actionreicher Handlungsstränge bedient sich der Film.

Fazit:

Er bleibt klein und simple, schnell gedreht und wahrscheinlich auch günstig produziert. Er zeigt aber trotzdem, dass es nicht viel braucht um große Bilder zu erschaffen und er zeigt auch das die Angst die eigene Illusion ist, das sie unseren Instinkten entspringt. Dafür braucht es keine sichtbaren Monster die mit großem Aufwand auf die Leinwand projiziert werden.

Das schafft unser Kopf auch ganz alleine. Großartige Arbeit zweiter Brüder die mit wenig viel erreichen und das große Kino einfach in unseren Köpfen spielen lassen.

Meine Meinung: 9/10



Nicola Scholz betreibt den Blog Wortzauber und schreibt Rezensionen für Kinomeister. Sie ist leidenschaftlicher Filmfan und hat bereits bei zwei Kurzfilmen Regie geführt. Nicola ist regelmäßiger Gast bei der Berlinale.