Inhalt: In der Fortsetzung dieser epischen Geschichte findet sich Dr. Kelson (Ralph Fiennes) in einer schockierenden neuen Beziehung wieder und diese bringt Konsequenzen mit sich, welche die bekannte Welt nachhaltig verändern könnten. Spikes (Alfie Williams) Begegnung mit Jimmy Crystal (Jack O’Connell) entpuppt sich wiederum als wahrgewordener Albtraum, dem er nicht entkommen kann. In THE BONE TEMPLE sind die Infizierten nicht mehr die größte Bedrohung, die Grausamkeit der Überlebenden kann noch viel seltsamer und schrecklicher sein.
Eine Welt ohne Romantik, nur mit Konsequenzen
Nia DaCosta steht vor einer alles andere als dankbaren Aufgabe. Sie übernimmt nicht nur den Regiestuhl von Danny Boyle, sondern inszeniert auch den zweiten Teil einer Trilogie, die bewusst ohne klaren Anfang und ohne absehbares Ende erzählt wird. Umso bemerkenswerter ist es, wie geschlossen und zufriedenstellend sich 28 Years Later: The Bone Temple anfühlt. Obwohl der Film insgesamt etwas kleiner ausfällt als 28 Years Later, übertrifft er diesen in vielerlei Hinsicht, vor allem in Sachen Horror, Konsequenz und emotionaler Wucht.
Der Anfang lässt keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht. Blut fließt in Strömen. The Bone Temple knüpft kurz nach dem Ende seines Vorgängers an. Spike, der erneut von Alfie Williams gespielt wird, wagte sich am Ende von Boyles Film allein in die Welt hinaus und wird nun eher unfreiwillig von den sogenannten „Jimmys“ aufgenommen. Diese bizarren, akrobatischen, Perücken tragenden Killer dienten zuvor als surreale Schlusspointe. Wer hier skurrile, humorvolle Zombiejäger erwartet, wird enttäuscht werden. Die Jimmys sind sadistische Mörder, irgendwo zwischen Harley Quinn und Hannibal Lecter, gekleidet in leicht entflammbarer Freizeitkleidung.
Sie tauchen erneut auf, umzingeln Spike, verspotten ihn und beobachten, wie er vor Angst zittert, während er um sein Leben kämpfen muss. Am Ende dieser Szene liegt Spike in einer dicken Lache aus Arterienblut, wird Teil der Bande und die Grundstimmung des Films ist vorgegeben. Wir befinden uns in einer grausamen Welt. Überleben bedeutet nicht Glückseligkeit. Und oft sind es nicht die Infizierten, die die größte Bedrohung darstellen. DaCostas Sicht aufs Rage-Virus-Universum ist durch unsentimentale Härte geprägt.
Auch wenn Boyles Film düster war, gab es doch Momente, die ruhig und fast idyllisch waren. Zum Beispiel hatten Spike und sein Vater ein paar ruhige Momente, als sie über einen Damm gingen und Rehe auf den Hügeln beobachteten. Im Bone Temple gibt es so etwas nicht. Hier ist Stille kein Geschenk, sondern ein Warnsignal. Meistens heißt es, dass jemand oder etwas hinterhältig darauf wartet, zuzuschlagen.

Zwischen Nihilismus und Hoffnung
DaCosta bedient sich sichtbar verschiedener Horrorelemente. Es gibt einige wirkungsvoll eingesetzte Schockmomente, vor allem aber Bilder, die einem unangenehm im Gedächtnis hängen bleiben. In einer großartigen Sequenz, die die verstörende Interpretation von „Nächstenliebe“ der Jimmys zeigt, erteilt uns die Regisseurin eine Lektion in Sachen Spannungsaufbau. Der Horror entsteht dabei weniger durch das, was gezeigt wird, sondern vielmehr durch das, was nur angedeutet wird. Angsterfüllte Gesichter oder verschwommene Bilder im Hintergrund reichen aus, um die Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen. Den Rest erledigt die Fantasie der Zuschauer.
Der zentrale Plot wird bewusst offen gehalten. Spike ist hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und völliger Verzweiflung. Der Nihilismus wird durch den von Jack O’Connell gespielten Lord Jimmy Crystal verkörpert, der sich selbst als Satan-Sohn betrachtet und glaubt, dass er die Menschheit zusammen mit den Infizierten auslöschen muss. O’Connell überzeugt mit einer zutiefst verstörenden Darstellung, indem er Crystals Gewalt nie offen zur Schau stellt, sondern sie eher herunterspielt. Dahinter verbirgt sich eine fast kindliche Unbeholfenheit. Crystal ist ein Sektenführer, der andere Menschen leiden lässt, um sich selbst von seiner eigenen Bedeutung zu überzeugen.
Ralph Fiennes schlüpft in die Rolle des Dr. Ian Kelson. Nach seinem kurzen, eher düsteren Auftritt im Vorgängerfilm darf Fiennes hier viel exzentrischer auftreten. Kelson experimentiert mit Samson, einem Alpha-infizierten Mann, den er vorübergehend mit Morphiumpfeilen außer Gefecht setzt. Dieser Moment der Kontrolle weckt in ihm einen Funken Hoffnung. Im Laufe des Films wird Kelson spürbar lebhafter und verleiht dem ohnehin schon unerbittlichen Film eine gewisse emotionale Zerbrechlichkeit.
Das alles führt zu einem Finale, das genauso irrsinnig mutig wie irrsinnig kompromisslos ist. Nach einer Reise, die immer mehr Spannung aufbaut, gipfelt „The Bone Temple“ in einem beinahe schon wahnhaften Höhepunkt. Das Drehbuch von Alex Garland wirkt straffer und verspielter als im ersten Teil, da die Welt nicht erneut erklärt werden muss. Es gibt Raum für Nebenhandlungen, der von DaCosta konsequent genutzt wird.
Fazit: Der dritte Teil der Trilogie wurde bereits bestätigt, wobei Danny Boyle wieder als Regisseur dabei sein wird. Durch ihren starken Beitrag, der den ersten Teil sogar noch übertrifft, hat Nia DaCosta die Messlatte hoch gelegt und den Schöpfer der Serie vor eine echte Herausforderung gestellt.
Film Bewertung 8 / 10





