I Wanna Dance With Somebody Film Plakat

Genre: Biopic / Drama | Produktion: USA 2022 | Laufzeit: ca. 146 Minuten | Regie: Kasi Lemmons

Mit: Naomi Ackie, Stanley Tucci, Tamara Tunie, Nafessa Williams, Ashton Sanders u.a.


Inhalt: Die bewegende Lebensgeschichte von Whitney Houston (Naomi Ackie): Wie ein bescheidenes Chormädchen aus New Jersey zu einer der größten Sängerinnen aller Zeiten aufstieg – und ein tragisches Ende fand.

© Sony Pictures Germany

Die formelhaften Musik-Biopics sind aus Hollywood nicht mehr wegzudenken: die möglichst konventionelle Erzählung des Lebens eines Stars, die alle Irrungen und Wirrungen in eine einzige Sitzung packt. Für jeden Film, der versucht, die Form zu brechen (Rocketman), gibt es mindestens einen weiteren, der der Formel bis ins Detail folgt (Bohemian Rhapsody).

Der jüngste Beitrag, I Wanna Dance With Somebody von Kasi Lemmons, folgt diesem Schema größtenteils bis zum letzten Buchstaben. Regisseurin Kasi Lemmons zeichnet allerdings ein Porträt von Houstons Dilemmata und Dämonen, das erfrischend authentisch ist.

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Von den Drogen über die Verleumdungen in der Familie bis hin zur Liebesbeziehung zu Robyn Crawford (Nafessa Williams), die sie in einer homophoben Gesellschaft unterdrücken musste, von den Angriffen, die sie über sich ergehen lassen musste, weil ihre Musik „nicht schwarz genug“ war, bis hin zur selbstzerstörerischen Zuflucht, die sie in ihrer Beziehung mit dem sexy, skurrilen Leichtgewicht Bobby Brown (Ashton Sanders) suchte. 

Die Beziehung zu ihrer Mutter Cissy (Tamara Tunie) und dem Produzenten Clive Davis (Stanley Tucci) – sowie ihre Vermarktung durch die Musikindustrie als „America’s Princess“ gießen zusätzliches Öl ins Feuer.

Stanley Tucci und Naomi Ackie in T I WANNA DANCE WITH SOMEBODY
(LtoR) Stanley Tucci und Naomi Ackie in TRISTAR Pictures I WANNA DANCE WITH SOMEBODY © Sony Pictures

Beeindruckende Leistung von Naomi Ackie

In der Rolle des legendären Stars liefert Naomi Ackie eine beeindruckende Leistung ab. Sie ist weit davon entfernt, das physische Double der Sängerin zu sein, aber sie trifft den schwierigen Teil: ihre Erscheinung, ihren Glanz zu kanalisieren. Sie zeigt die Freiheit, die Houston ausmachte, und die Selbstzweifel, die an ihr nagten, bis sie vom Gipfel des Berges fiel, den sie erklommen hatte. 

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In den besten Momenten des Films – vor allem bei Whitneys Auftritt bei den American Music Awards, wo sie „I Loves You, Porgy“, „And I Am Telling You I’m Not Going“ und „I Have Nothing“ sang – erinnert Ackies außergewöhnliche Darbietung an Houstons mitreißende Kraft und daran, warum sie vom Musiker Andy Gill zu Recht als „die größte Stimme ihrer Generation“ bezeichnet wurde.

Auch die kultigen Musikvideos von Whitney und ihr berühmter Auftritt beim Super Bowl 1991 sind originalgetreu nachgestellt. Doch trotz seiner 146 Minuten Laufzeit hat der Film Mühe, alle Aspekte unterzubringen. Doch das Drehbuch von Anthony McCarten (der auch Bohemian Rhapsody geschrieben hat) kommt selten über eine oberflächliche Betrachtungsweise hinaus.

Naomi Ackie als Whitney Houston
Naomi Ackie in TRISTAR Pictures I WANNA DANCE WITH SOMEBODY

Das Drehbuch bleibt an der Oberfläche und führt zum tonalen Schleudertrauma

Die Wikipedia-ähnliche Erkundung von Whitneys gesamtem Leben ist jedoch nicht bereit, tief genug in die emotionale Komplexität und die Nuancen dieser Schlüsselmomente einzutauchen (z. B. die damalige Kritik, Whitneys Musik sei nicht „schwarz genug“).

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Die Tendenz des Films, zum nächsten Moment zu eilen, führt zu einem tonalen Schleudertrauma zwischen den Szenen. Es ist Ackies eindrucksvolle Darbietung, die den Film hervorhebt; ihre epische, strukturierte Performance ist das, woran man sich erinnern wird, sobald das Licht ausgeht.

Es ist die Art von aufwendigem Pop-Musik Biopic, bei dem man entweder nachgibt oder nicht – und wenn man sich darauf einlässt, wird man vielleicht etwas emotional.

Fazit: Was eine ultimative Hommage an Whitney Houstons Karriere hätte werden können, wird ihrer Geschichte durch die stellenweise oberflächliche Umsetzung nicht ganz gerecht. Aber Naomi Ackies Leistung überstrahlt alles andere.

Film Bewertung 6,5 / 10