Inhalt: Basierend auf Colleen Hoovers Bestseller erzählt dieser ebenso verführerische wie fesselnde Psychothriller die Geschichte der renommierten Autorin Verity Crawford (Anne Hathaway) und Lowen Ashleigh (Dakota Johnson), einer bislang recht erfolglosen Schriftstellerin, die auf das abgelegene Anwesen der Crawfords zieht, um für Verity als Ghostwriterin zu arbeiten. Nachdem Lowen scheinbar Veritys erschreckende autobiografische Aufzeichnungen entdeckt, gerät sie in einen Strudel verstörender und verwirrender Geständnisse über Veritys Ehemann Jeremy (Josh Hartnett) – und ringt damit, Fiktion von Realität, Manipulation von Anziehung und Gelegenheit von Besessenheit zu unterscheiden.

Viel Zeit, zu wenig Entwicklung
Zwei Schriftstellerinnen, die düstere Geschichten erfinden, werden selbst Teil einer Erzählung, deren Wahrheitsgehalt ungewiss bleibt. „Verity – Dunkle Geheimnisse“ bringt damit eine reizvolle Grundidee mit. Doch statt sich in einem gefährlichen Spiel aus Begehren und Manipulation zu verlieren, wartet man darauf, dass der Film endlich Spannung entwickelt.
Das Erzählen selbst wird hier zum Mittel der Täuschung. Ein vermeintliches Geständnis kann ebenso eine Erfindung sein wie der Versuch, jemanden gezielt zu beeinflussen. Man soll Vermutungen entwickeln, sie wieder verwerfen und zwischen Wahrheit, Lüge und Verrat die Orientierung verlieren. Die Verfilmung lässt jedoch wichtige Zwischenschritte der Vorlage aus, die dieses Wechselspiel nachvollziehbar aufbauen könnten. Dadurch fehlen Verbindungen, über die das Misstrauen gegenüber den Figuren und ihren Geschichten wachsen müsste. Gleichzeitig nimmt sich der Film für die verbleibenden Entwicklungen zu viel Zeit.
Er dehnt das Geschehen, ohne es psychologisch zu verdichten. So entsteht ein widersprüchlicher Rhythmus: Entscheidende Schritte fehlen, während andere Passagen kaum vorankommen. Die Handlung plätschert dahin, statt die Wahrnehmung des Zuschauers zunehmend zu verunsichern.

Die Chemie reicht für einen Erotikthriller nicht aus
Zwischen den Darstellern besteht eine durchaus solide Chemie. Für einen Erotikthriller fehlt ihrem Zusammenspiel jedoch die Anziehungskraft, durch die körperliche Nähe zugleich verführerisch und bedrohlich werden könnte. Das Begehren bleibt zu wenig spürbar, um den Konflikten zusätzliche Schärfe zu geben. Man erkennt, welche Wirkung die Begegnungen haben sollen. Doch zu häufig wird diese lediglich angedeutet oder behauptet.
Anziehung und Misstrauen greifen deshalb kaum überzeugend ineinander. Statt aus den Beziehungen heraus zu entstehen, wirken die Verwicklungen konstruiert. Gerade dort, wo der Film emotional greifbar werden müsste, bleibt er vage. Die Auflösung gehört zu den gelungenen Elementen. Sie darf verwirren, Gewissheiten erschüttern und Fragen offenlassen. Diese Mehrdeutigkeit passt zu einer Geschichte, in der Figuren ihre eigene Wirklichkeit erschaffen können. Ein eindeutiger Schluss würde dem Stoff einen wesentlichen Reiz nehmen.
Beim Lesen können solche Leerstellen die Fantasie beschäftigen: Man ergänzt Zusammenhänge und spielt mögliche Deutungen durch. Dafür braucht es jedoch Anhaltspunkte, die über das Ende hinaus nachwirken. Der Film bereitet diesen Prozess zu schwach vor. Seine Auflösung setzt zwar einen interessanten Gedanken frei, doch der schleppende Aufbau hat die Neugier bis dahin bereits gedämpft.
Fazit
„Verity – Dunkle Geheimnisse“ scheitert damit an der Ausarbeitung seiner durchaus reizvollen Idee. Die gelungene Schlusswendung kann die dramaturgischen Lücken und die kraftlose erotische Ebene nicht auffangen. Zurück bleibt ein Psychothriller, der viel Unsicherheit erzeugen möchte und über weite Strecken vor allem Langeweile hinterlässt.
Film Bewertung 4 / 10





