Inhalt: Die Kult-Spielzeuge sind zurück auf der großen Leinwand und dieses Mal stehen Buzz Lightyear, Woody, Jessie und der Rest der Bande vor einer ganz neuen Herausforderung als sie Lilypad (Greta Lee) begegnen, einem funkelnagelneuen Tablet, das sehr eigenwillige Vorstellungen davon hat, was für ihr Kind Bonnie am besten ist. Wird das Spielen jemals wieder so sein wie zuvor?
Jessie rückt ins Zentrum der Geschichte
Nach dem emotionalen Abschluss von Toy Story 3 und dem eher umstrittenen vierten Teil stand Pixar vor einer schwierigen Aufgabe. Was kann diese Reihe noch erzählen, nachdem Abschied, Verlust und Loslassen bereits so eindrucksvoll behandelt wurden? Überraschenderweise findet Toy Story 5 darauf eine Antwort. Der Film knüpft wieder an die großen Themen der Reihe an und erzählt eine Geschichte über Einsamkeit, Technologie und die Frage, welchen Platz Fantasie und Spiel in einer zunehmend digitalen Welt noch haben.
Mit Woodys Abschied aus der Gruppe hat sich das Macht Gefüge verändert. Nun steht Jessie im Mittelpunkt und trägt erstmals die emotionale Hauptlast eines Toy-Story-Films. Joan Cusack verleiht der Figur in der Original-Version erneut Herz, Verletzlichkeit und Humor. Als Bonnie ein neues Tablet erhält, geraten die Spielzeuge zunehmend ins Hintertreffen. Die digitale Welt verspricht neue Freundschaften, Unterhaltung und ständige Beschäftigung. Jessie erkennt darin jedoch eine Gefahr.
Ihre Versuche, Bonnie wieder stärker zum klassischen Spielen zu bewegen, führen schließlich dazu, dass sie von ihren Freunden getrennt wird und sich erneut ihren tiefsten Ängsten stellen muss. Gerade dieser Fokus auf Jessies Verlustängste gehört zu den stärksten Elementen des Films. Die Erinnerungen an ihre tragische Hintergrundgeschichte aus Toy Story 2 schwingen ständig mit und verleihen ihrer Entwicklung eine emotionale Tiefe, die weit über einen gewöhnlichen Familienfilm hinausgeht.
Zwischen Gesellschaftskritik und Abenteuer
Toy Story 5 nutzt seine Geschichte, um Fragen zu stellen, die viele Familien beschäftigen dürften. Was passiert mit Kreativität und Fantasie, wenn Bildschirme immer mehr Raum einnehmen? Können digitale Geräte echte zwischenmenschliche Beziehungen ersetzen? Dabei verfällt Pixar erfreulicherweise nicht in einfache Schwarz-Weiß-Malerei. Zwar zeichnet der Film zunächst ein durchaus kritisches Bild einer Welt, in der Menschen ständig auf Displays schauen und dadurch den Kontakt zueinander verlieren. Gleichzeitig kommt die Geschichte zu einer überraschend ausgewogenen Erkenntnis: Technologie ist nicht automatisch das Problem.
Entscheidend ist vielmehr der Umgang damit. Diese differenzierte Sichtweise verleiht dem Film eine Reife, die man in vielen Familienproduktionen vermisst. Es bleibt auch genügend Raum für Humor. Besonders die Nebenhandlung rund um eine Gruppe verlorener Buzz-Lightyear-Figuren sorgt für einige der lustigsten Momente des Films. Leider zieht sich der Film an manchen Stellen etwas in die Länge, und auch der Humor ist hier und da etwas fragwürdig.
Herz, Humor und eine neue Generation
Visuell bewegt sich Pixar erneut auf gewohnt hohem Niveau. Die Animationen wirken lebendig und detailreich, während Randy Newmans Musik geschickt an frühere Filme erinnert und besonders in den emotionalen Szenen ihre Wirkung entfaltet. Dennoch fehlt Toy Story 5 etwas von der erzählerischen Schärfe früherer Pixar-Meisterwerke. Filme wie WALL•E oder Die Unglaublichen formulierten ihre Gesellschaftskritik deutlich kompromissloser.
Hier bleibt vieles bewusst sanfter und optimistischer. Das macht den Film zugänglicher, nimmt ihm aber auch etwas von seiner Bissigkeit. Trotzdem gelingt Pixar ein bemerkenswertes Kunststück. Nach fünf Filmen findet die Reihe noch einmal ein relevantes Thema und verbindet es mit den Figuren, die Zuschauer seit Jahrzehnten begleiten. Toy Story 5 erinnert daran, dass Fantasie, Freundschaft und menschliche Nähe auch in einer digitalen Welt ihren Platz behalten können.
Fazit: Es ist eine solide Rückkehr zu den Stärken der Reihe. Der Film verbindet Humor, Emotionen und gesellschaftliche Relevanz zu einem unterhaltsamen Familienabenteuer. Nicht ganz so mutig wie die besten Pixar-Werke, aber mit einer der stärksten Jessie-Geschichten der gesamten Reihe.
Film Bewertung 6 / 10





