the-housemaid

Inhalt: Nicht jeder Neuanfang bietet eine zweite Chance. Die 27-jährige Millie (Sydney Sweeney) hofft nach der Entlassung aus dem Gefängnis als Hausmädchen bei einem wohlhabenden Ehepaar neu anzufangen. Doch schon bald merkt sie, dass sich hinter der Fassade aus Luxus und Eleganz eine dunkle Wahrheit verbirgt, die weitaus gefährlicher ist als ihre eigene. Ein verführerisches Spiel um Geheimnisse, Skandale und Macht beginnt…

© Leonine Studios

Hochglanz statt Nervenkitzel

The Housemaid bewegt sich in vertrauten Gewässern. Hochglanz, Reichtum, düstere Familiengeheimnisse und eine junge Frau, die glaubt, endlich einen Ausweg aus ihrer Vergangenheit gefunden zu haben. Das alles erinnert unweigerlich an Nur ein kleiner Gefallen. Doch wo jener Film mit Biss, Tempo und böser Eleganz punktete, wirkt The Housemaid über weite Strecken wie eine abgeschwächte Kiosk-Roman-Variante.

Im Zentrum steht Millie, gespielt von Sydney Sweeney, frisch aus dem Gefängnis entlassen und dringend auf der Suche nach Stabilität. Job und Unterkunft, sonst droht die Rückkehr hinter Gitter. Die Lösung scheint perfekt, als sie bei der wohlhabenden Nina als Hausmädchen anheuert. Doch kaum ist Millie angekommen, kippt die Atmosphäre. Nina schwankt zwischen Charme und Kontrollverlust, ihre Tochter behandelt Millie mit offener Verachtung, und das luxuriöse Anwesen entwickelt sich schnell zu einem Ort subtiler Bedrohung.

Amanda Seyfried bringt als Nina eine willkommene, irre Energie mit. Der Film traut sich nicht, diesen Wahnsinn konsequent auszuspielen. Stattdessen verliert sich die Handlung in Wiederholungen, Nebenmotiven und einem merkwürdig schleppenden Erzählrhythmus. Millie bleibt über weite Strecken passiv. Sie reagiert, statt zu handeln, stolpert von Szene zu Szene und wird weniger zur treibenden Figur als zur Projektionsfläche. Das großzügige Anwesen, Sinnbild von Wohlstand und Kontrolle, wird schnell zur klaustrophobischen Bühne.

Einzig Ninas Ehemann Andrew scheint Verständnis zu zeigen. Doch auch diese Nähe ist nicht frei von Grenzüberschreitungen. Was als klassische Thriller-Konstellation angelegt ist, bleibt jedoch merkwürdig spannungsarm. Millie agiert über weite Strecken passiv, reagiert mehr, als dass sie handelt, und das Drehbuch verweigert ihr jede echte Ermittlungs- oder Erkenntnisarbeit. Dies wird ständig mit ihrer Vergangenheit und ihrer Abhängigkeit von ihrem Job gerechtfertigt. Aber erlaubt ihr nicht, von Anfang an ihre bestehende toughe Seite auszuspielen.

Amanda Seyfried and Sydney Sweeney in The Housemaid - Wenn sie wüsste (2025)
Amanda Seyfried and Sydney Sweeney in The Housemaid – Wenn sie wüsste (2025) – Foto von Daniel McFadden – © Lionsgate

Ein spätes Aufbäumen im Finale

Die Handlung kreist immer wieder um dieselben Motive, ohne echten Fortschritt zu erzielen. Auffällig ist, wie häufig Nebenschauplätze wie der Ballettunterricht bemüht werden, nur damit Figuren Informationen abladen können. Erst im letzten Drittel zieht der Film spürbar an, wenn er sich vom behäbigen Aufbau löst und in kontrolliertes Chaos kippt. Amanda Seyfried bringt eine manische Energie ins Spiel, die zwischen Vorzeige-Mutti und einer Figur aus „Die Frauen von Stepford“ pendelt. In diesen Momenten blitzt kurz auf, was The Housemaid hätte sein können, wenn der Film diesen Ton konsequenter verfolgt hätte.

Sidney Sweeney ist das schwächste Ensemble Mitglied. Ob das an ihrem Spiel liegt oder am Drehbuch, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich kommt beides zusammen. Genau hier zeigt sich auch das größere Problem des Films. Er nimmt sein Publikum permanent an die Hand und erklärt viel. Erst im letzten Drittel zieht The Housemaid spürbar an. Das Finale ist deutlich mutiger, böser und unterhaltsamer als alles zuvor. Hier erlaubt sich der Film endlich die Eskalation, die man sich früher gewünscht hätte. Die neuen Wendungen sind überdreht, teils absurd, aber immerhin konsequent ausgespielt. Zu diesem Zeitpunkt versucht der Film jedoch, erzählerische Versäumnisse aufzuholen, die sich nicht mehr vollständig ausbügeln lassen.

Fazit: The Housemaid ist genau die Art von hochglanzpolierter „Die-Fassade-täuscht“-Geschichte, die man an einem faulen Sonntagnachmittag konsumiert. Seyfrieds Wahnsinn macht Spaß, das Finale ist angenehm schräg, doch insgesamt fehlt es an erzählerischer Präzision und echter Spannung, um richtig zu Punkten. Der Film will relevant wirken, ohne Konsequenzen zuzulassen. Am Ende soll niemand verstört oder nachdenklich das Kino verlassen.

Film Bewertung 6 / 10