Tom Holland und Robert Pattinson in einem Netflix Film

Story:

Als Willard Russell im Zweiten Weltkriegs aus seinem Einsatz auf einer Pazifikinsel, wo er die von seinen Kameraden begangenen Gräueltaten mitansehen musste, in sein Kaff im Mittleren Westen zurückkehrt, findet er die gleichen desolaten Verhältnisse vor, wie bei seinem Fortgang.

Menschliche Abgründe tun sich in den 1950er Jahren in Knockemstiff auf. Da gibt es Sheriff Lee Bodecker, der kein gerechter Mann ist, und Pastor Preston Teagardin, der alles andere als ein guter Mann ist. Zudem treibt auch noch das Serienkillerpärchen Carl und Sandy Henderson in Knockemstiff sein Unwesen.

Willards Sohn Arvin nimmt das Gesetz in die eigene Hand, um die bösen Mächte zu bekämpfen, die ihn und seine Familie bedrohen..


Tom Holland in The Devil All The Time
Tom Holland in „The Devil All The Time“ ©Netflix

Film Kritik:

von Iija Glavas

Tom Holland glänzt in einem ansonsten düsteren und ermüdenden Thriller

„The Devil All the Time“ ist ein langsamer, ermüdender Thriller, der sich mit schleichender Spannung entfaltet, dabei die Leistungen der Darsteller sich mehr lohnen als die Geschichte. Das langsame, verschleppende Tempo des Films sorgt, speziell in der ersten Stunde, für ein besonders zähes TV-Erlebnis und bietet einen fast schon zu zynischen Blick auf die Welt.

Bei „The Devil All the Time“ scheint es, als hätte Regisseur Antonio Campos ( Christine ) alle Voraussetzungen für einen großen Film geschaffen: Eine wahnsinnig talentierte, wenn auch nicht unbedingt eine durchgehend komplette A-Besetzung, eine großartige literarische Vorlage im gleichnamigen Roman von Donald Ray Pollock aus dem Jahr 2011 und eine Geschichte, die in universellen Themen über das Richtige tun und das Böse besiegen wurzelt. 

Was Campos – der den Film zusammen mit Paulo Campos geschrieben hat – jedoch liefert, ist eine äußerst düstere Sicht auf die Welt, die besser als Schaufenster für seine Schauspieler funktioniert, als der blutige LebensabschnittsFilm, der zu sehr von Amerika der 1950er Jahre und der Religiosität des Südens besessen ist, anstatt eine befriedigende Geschichte zu erzählen.


The Devil All The Time
„The Devil All The Time“ – Bill Skarsgård als Willard Russell, Michael Banks Repeta als Arvin Russell (9 Jahre alt). Photo Cr. Glen Wilson/Netflix © 2020

Der Teufel steckt im Detail

Vor dem Hintergrund ländlicher Ortschaften in Ohio und West Virginia in den 50er und 60er Jahren verfolgt „The Devil All the Time“ mehrere Menschen durch ihr Leben, da ihre Geschichten auf verschiedene, manchmal überraschende Weise, miteinander verbunden sind.

Da ist der Kriegsveteran Willard Russell (Bill Skarsgard), dessen Religion ihn zu Gewalttaten zwingt, als seine Frau Charlotte (Haley Bennett) an Krebs erkrankt. Ihr Sohn Arvin (Tom Holland) landet bei seiner Großmutter, die ebenfalls die junge Lenora (Eliza Scanlen) aufnimmt, als ihre Eltern – Helen (Mia Wasikowska) und Roy (Harry Melling) – verschwinden.

An anderer Stelle folgt der Film den Serienmördern Carl (Jason Clarke) und Sandy (Riley Keough) sowie dem korrupten Sheriff Lee Boedecker (Sebastian Stan). Als ein neuer Prediger, Reverend Preston Teagardin (Robert Pattinson), in den kleinen Ort eintrifft, bringt er Arvin auf einen Pfad, der ihn auf andere Figuren der Geschichte zusteuern lässt.

Wie viele Filme, die aus Büchern adaptiert wurden, leidet „The Devil All the Time“ unter speziellen Tempo Problemen. Der Film ist manchmal zu schnell, wenn er versucht, alle notwendigen Handlungspunkte zu zeigen, aber in anderen Fällen zu langsam, wenn die Regie sich wirklich in eine Szene vertieft und die Schauspieler die Chance bekommen, ihre Talente freizulegen. 


The Devil All The Time
Robert Pattinson als Prediger des Guten – zu seinen Bedingungen ©Netflix

Das ewige Leid der Buch Adaption

Wenn man dann noch die Tatsache hinzufügt, dass man ständig von einer Figur zur anderen springt und nur Pollocks Stimme ( im Original ) einen roten Faden bietet (der in den meisten Büchern viel leichter zu verfolgen ist als in einem Film), dann liefert Campos einen Film, der im besten Fall einem lebendig werdenden Roman gleicht und im schlimmsten Fall ein verwirrendes Durcheinander von Handlungssträngen ist, dem man nur ohne Ablenkung folgen kann.

Die überstrapazierte Handlung und die Charaktere sind zumindest interessant genug, um mit Hilfe guter Regie – die Spannung des Films aufzubauen. Mit gelegentlichen Gewalt-spitzen zur Überbrückung – wird sich der Zuschauer zum Zuschauen zwingen. Aber das „verstümmelte“ Ende lässt den ein oder anderen verzweifelnd fragen, ob sich die Reise gelohnt hat. Was „The Devil All the Time“ wirklich in seinen zwei Stunden und 18 Minuten Laufzeit an Schauwert bietet, zeigen die Leistungen von Tom Holland und Robert Pattinson.

Tom Holland als der grausam gerechte Arvin und Pattinson als der schäbige, narzisstische Prediger. Aber wenn sich die beiden Schauspieler zu Beginn des dritten Aktes eine Szene teilen, knistert es geradezu vor Energie. Ihre Darbietungen, kombiniert mit dem gekonntem Gespür für die Spannung, ergeben die denkwürdigste Darstellung im gesamten Film.


The Devil All The Time mit Tom Holland
Tom Holland auf der Flucht in „The Devil All The Time“ ©Netflix

Das Böse ist überall im Nirgendwo

Man hätte den Figuren von Holland und Pattinson mehr Zeit geben sollen, anstatt anderen durch ihre Geschichten zu folgen. Sicherlich, es gibt auch genug Momente für viele der anderen Stars, um ihr Können zu zeigen.

Insbesondere die Leistung von Sebastian Stan ( Winter Soldier ) und Bill Skarsgard ( Es ), sollten hier nicht unerwähnt bleiben. Aber jeder von ihnen erhält wesentlich weniger Material, mit dem er arbeiten kann. Letztlich fühlt sich „The Devil All the Time“ für einen Film etwas zu dünn gesät an, auch wenn die Schauspieler das Beste daraus machen.

Der Film fühlt sich unrund an, mit seinen besonders brutalen visuellen Elementen und emotional blutigen Story-Anteilen, die dazu dienen, die Spannung, in Erwartung einer weiteren noch schrecklicheren Sache – einigermaßen aufrecht zu erhalten. Antagonisten sind die dargestellten Charaktere alle. Ausnahmen bilden die Unschuldigen und Naiven im Film – die, denen der Teufel näher steht, als der von ihnen angebetete Gott.


Henry Melling
Henry Melling: Von „Dudley“ aus Harry Potter zum Berserker in „The Devil All The Time“ ©Netflix

Das Handwerk des Teufels

Es gibt nur wenige Phasen, die den Film erhellen, so dass der Thriller leider immer wieder in seiner Düsternis versinkt. Folglich ist „The Devil All the Time“ für diejenigen, die sich bereits entschieden haben, dank des Konzepts von Netflix, dem Film eine Chance zu geben, ohne weiteres Geld für Kinotickets ausgeben zu müssen.

Und diejenigen, die auf der Suche nach etwas Neuem sind, da es immer noch wenige neue Filme gibt, werden vielleicht auch in „The Devil All The Time“ ( Das Handwerk des Teufels – so der deutsche Buch Titel ) – etwas finden, das ihnen gefällt. 


Netflix Film The Devil All The Time
©Netflix

Fazit: Es ist keineswegs ein Film, den man unbedingt sehen muss, und für diejenigen, die an allem, was „The Devil All the Time“ zu bieten hat, nicht interessiert sind, ist dies ein Netflix-Film, den ihr überspringen könnt.

„The Devil All the Time“ mag mit seinem Darsteller Talent, seinem Ausgangsmaterial und seinen Themen das ganze Potenzial gehabt haben, aber dieser Thriller aus dem Süden der USA, ist zu düster und zäh, als dass er den Mainstream Fans Spaß machen könnte.

Die Aufarbeitung von Glaube, Gut und Böse, Schuld und Sühne, sind durchaus interessant an manchen Stellen. Vielleicht sind Schicksals hafte Begegnungen tatsächlich Gottes Wille – vielleicht, ist es aber der Teufel, die ganze Zeit.

Wertung: 6 / 10


Netflix Trailer: „The Devil All The Time“