SPIDER_MAN: BRAND NEW DAY

Inhalt: Als Spider-Man stellt er sich nun in Vollzeit dem Verbrechen entgegen – in einer Welt, die sich nicht mehr an ihn erinnert. Während er mitansehen muss, wie seine einstigen Freunde ihr Leben ohne ihn weiterführen, gerät Peter zunehmend unter Druck. Dabei setzt eine tiefgreifende Veränderung in ihm Kräfte frei, die er möglicherweise nicht kontrollieren kann. Doch diese Verwandlung könnte auch das Einzige sein, was eine schockierende neue Bedrohung für die Stadt und die Menschen, die er liebt, aufzuhalten vermag: einen mächtigen Bösewicht, den niemand sehen kann.

Ein Spider-Man, der wieder Nachbarschaft statt Weltrettung lebt

Nach den multiversalen Ereignissen von Spider-Man: No Way Home schlägt das Marvel Cinematic Universe mit Spider-Man: Brand New Day spürbar leisere Töne an. Regisseur Destin Daniel Cretton (Shang-Chi) übernimmt erstmals die Regie eines Spider-Man-Solofilms und rückt den Menschen hinter der Maske wieder konsequent in den Mittelpunkt. Das Ergebnis ist der bislang bodenständigste MCU-Auftritt des Netzwerfers – ein Film, der seine größten Stärken immer dann entfaltet, wenn Peter Parker einfach nur versucht, den Alltag eines jungen Erwachsenen in New York zu meistern.

Die ersten zwanzig Minuten gehören zu den stärksten Sequenzen, die das Mainstream-Superheldenkino der vergangenen Jahre hervorgebracht hat. Statt gigantischer Bedrohungen oder multiversaler Spektakel begleitet der Film Peter Parker bei den kleinen Aufgaben seines Alltags. Er hilft Menschen, stoppt kleinere Verbrechen und kümmert sich um genau jene Probleme, die Spider-Man seit seiner Comic-Premiere im Jahr 1962 zu einer der beliebtesten Figuren von Marvel gemacht haben.

Gerade diese Rückkehr zu „Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft“ macht den Film spürbar authentischer als viele seiner MCU-Vorgänger. Zum ersten Mal seit langer Zeit darf Spider-Man tatsächlich wieder der Held seiner Nachbarschaft sein. Die Begegnungen mit Schurken aus seiner klassischen Bösewicht-Galerie sorgen für echtes Comic-Feeling, während Jon Bernthals Frank Castle alias Punisher als moralischer Gegenpol hervorragend funktioniert. Ihre hitzigen Begegnungen transportieren genau jene raue New-York-Atmosphäre, die Spider-Man seit jeher auszeichnet.

SPIDER - MAN: BRAND NEW DAY
© Sony Pictures

Tom Holland zeigt die bislang reifste Version von Peter Parker

Die Ereignisse aus No Way Home hinterlassen tiefe Spuren. Niemand erinnert sich mehr daran, wer sich hinter Spider-Mans Maske verbirgt. Besonders der Verlust von MJ und seinem besten Freund Ned belastet Peter sichtbar. Diese emotionale Isolation bildet das eigentliche Zentrum des Films. Tom Holland liefert dabei vermutlich seine bislang stärkste Darstellung der Figur ab. Sein Peter wirkt gereifter, gezeichneter und nachdenklicher, ohne den sympathischen Charme zu verlieren, der seine Interpretation seit Jahren auszeichnet. Die überdrehte Leichtigkeit früherer Filme weicht einer Figur, die von Einsamkeit, Verantwortung und Trauer geprägt ist.

Diese neu gewonnene Ernsthaftigkeit lässt Holland an Tiefe gewinnen. Auch Zendaya überzeugt erneut mit einer feinfühligen Performance. Sie trifft den schwierigen Balanceakt zwischen emotionaler Distanz und den weiterhin vorhandenen Gefühlen für Peter bemerkenswert sicher. Jacob Batalon bringt als Ned wiederum genau jene sympathische Nerd-Energie mit, die die Freundschaft der beiden Figuren seit Beginn der Reihe geprägt hat. Besonders die humorvolle Anspielung auf Der Herr der Ringe: Die Gefährten sorgt dabei für einen der charmantesten Momente des Films.

Tom Holland in Spider-Man: Brand New Day (2026)
Tom Holland in Spider-Man: Brand New Day (2026) © MARVEL STUDIOS

Zwischen persönlichem Drama und MCU-Pflichtprogramm

Thematisch konzentriert sich „Brand New Day“ stärker auf Peters Reifeprozess als seine Vorgänger. Seine körperlichen und emotionalen Veränderungen erinnern stellenweise bewusst an Sam Raimis ersten „Spider-Man“-Film und vermitteln dadurch ein Gefühl von Weiterentwicklung. Peter muss lernen, Verantwortung nicht nur als Superheld, sondern auch als junger Erwachsener zu übernehmen. Ganz ohne die bekannten MCU-Verpflichtungen kommt der Film allerdings nicht aus. Mark Ruffalos Bruce Banner übernimmt erneut die Rolle des prominenten Gaststars. Seine Einbindung wirkt jedoch eher wie eine Pflichtübung als eine erzählerische Notwendigkeit und nimmt der zweiten Filmhälfte spürbar Tempo.

Hier verliert die Handlung etwas an Fokus und die Laufzeit von rund zweieinhalb Stunden macht sich bemerkbar. Dem gegenüber steht jedoch ein geheimnisvoller Gegenspieler, dessen Identität bewusst lange verborgen bleibt. Ohne zu viel vorwegzunehmen entwickelt dieser Antagonist eine angenehm düstere und psychologisch geprägte Bedrohung, die sich wohltuend von den üblichen Weltuntergangsszenarien des MCU unterscheidet. Abgerundet wird die starke Besetzung durch Tramell Tillman („Severance“) und Sadie Sink („Stranger Things“), die beide überzeugende Darbietungen liefern, die dem Film zusätzlichen Tiefgang verschaffen.

Fazit: Regisseur Destin Daniel Cretton verliert trotz kleiner Längen nie den Blick auf den eigentlichen Kern der Figur. Spider-Man: Brand New Day erinnert eindrucksvoll daran, dass Peter Parker nicht deshalb funktioniert, weil er die Welt rettet, sondern weil er trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten ein ganz normaler Mensch mit alltäglichen Sorgen bleibt. Es ist genau diese Bodenständigkeit, die Spider-Man seit über sechs Jahrzehnten zu einer der beliebtesten Comicfiguren aller Zeiten gemacht hat. Denn genau darin steckt die eigentliche Stärke des Films.

Film Bewertung 8 / 10