Serien Kritik | Oktoberfest 1900 | Das Erste

Oktoberfest 1900 Serien Plakat mit Misel Matecivic und Martina Gedeck

Erstausstrahlung: 15. September 2020 auf Das Erste

Mit: Misel Maticevic, Martina Gedeck, Francis Fulton Smith, Klaus Steinbacher, Mercedes Müller, Markus Krojer, Brigitte Hobmeier u.v.a

Story:

Um den größenwahnsinnigen Bierburg-Plänen des zuagroasten Prank Einhalt zu gebieten, bewirkt Stifter mit dem Mandat des Münchner Bierkartells beim Magistrat, dass ab sofort nur noch Münchner Bier auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden darf.


Oktoberfest 1900
Carl Prank ( Misel Maticevic- rechts im Bild ) plant großes für das kommende “Oktoberfest”
©BR | Das Erste | Mediathek

Serien Kritik:

von Ilija Glavas

O’zapft is!

Vielschichtig und opulent erzählt “Oktoberfest 1900” den Kampf zweier Bier-Brauereien, um die Vormachtstellung auf dem größten Volksfest der Welt. Die Event-Serie entführt die Zuschauer in ein phantastisch-dunkel- düsteres München um die Jahrhundertwende. An diesem Ort voller Geschichte und Geschichten entfaltet der Mehrteiler im modernen Stil, einen Mythos über Tradition, schicksalhafte Liebe und den unaufhaltsamen Aufstieg des Kapitalismus.

Wenn man an das Oktoberfest in München denkt, kommen einem zuerst die großen Festzelte und die zahlreichen Fahrgeschäfte in den Sinn. Viele Gäste kommen allerdings nicht wegen Zuckerwatte und Schweinsbraten zum Oktoberfest.

Damit diese Maschinerie funktioniert, erwartet den Besucher, das schmackhafte Münchener Bier, aus seinen für die “Wies’n”, zugelassenen Brauereien. Die sechs teilige Mini Serie, setzt ihren Fokus auf den unerbittlichen und blutigen Machtkampf zwischen zwei Brauereien um einen Platz auf dem Festgelände.


Oktoberfest 1900
“Wies’n” – Einzug bei starhlendem Sonnenscheiin in München
Szenenfoto aus “Oktoberfest 1900” – ©BR | Das Erste | Mediathek

Von Intrigen, Mord und Bierschaum

Oktoberfest 1900 ist düster und blutig, befeuert von Machtkämpfen, Familiendramen und teils Shakespear-haften Einwürfen, liefert dabei eine bedrohliche Atmosphäre, vor einem historischen Hintergrund. Zumindest was zwei Figuren der Serie betrifft. Anders ist die Zeichnung des Brauerei-Verbandes, der manchmal wie ein Geheimbund anmutet und in seiner Gesamtheit, zu drüber erscheint. In einigen Szenen, wirken sie wie bei einer Illuminati – Versammlung.

Die Stars der Serie sind eindeutig Misel Maticevic ( Exil ) und Martina Gedeck. Das reicht leider nicht um die Serie ins obere Drittel zu bringen. Vieles wirkt zu Stereotyp, zu gewollt dramatisch, das machen die Darsteller in ihren Rollen nicht wett. Die Charaktere haben alle Kanten, dafür kaum Ecken. Zu hölzern wirkt manches Schauspiel, zu steif die Performance obwohl jede Figur Dreck am Stecken und Geheimnisse hat, die als Repressalien benutzt werden.

Leider ist nicht genug Tiefe in der Charakterzeichnung enthalten, um diese Ansätze auszuweiden. Da finden sich Themen wie verbotene Homosexualität und Emanzipation wieder und reihen sich direkt neben Völkerschau, Mord und Erpressung ein. Weniger wäre an einigen Passagen mehr.


v.l.n.r , Brigitte Hobmeier, Misel Maticevic, Mercedes Müller
sitzend unten v.l.n.r Klaus Steinbacher, Martina Gedeck und Regisseur Hanu Salonen

Es ist pompös, lebt die Jahrhundertwende zwischen Boheme und Bierbänken und “Boazn”, erinnert an die Serie Babylon Berlin, die vieles besser macht. Auch, weil sie mehr Zeit findet, in ihren bisher drei Staffeln, seine Figuren ausführlicher Vorzustellen. Aufgebaut wurde das Set in Prag, wo auch die meisten Dreharbeiten stattfanden – wie bei der Netflix Serie “Freud” – ist die Originalität nicht gegeben und beraubt sich selbst des Charmes.

Die Musik ist modern gehalten, wie bei Babylon Berlin. Das Intro liefert, wie bei “Der Beischläfer” die Band Dreiviertelblut. Wehmut kommt auf, ob der diesjährigen Absage des Oktoberfestes.


Oktoberfest 1900 mit Martina Gedeck
Maria Hoflinger ( Martina Gedeck ) als resolute Chefin der Brauerei Hoflinger Szenenbild aus der Serie “Oktoberfest 1900” © BR | Das Erste | Mediathek

Fazit: Oktoberfest 1900, ist wie Babylon Berlin, nur mit mehr “Freud”. Interessierte, die mit den Traditionen auf dem Oktoberfest nicht vertraut sind, bekommen eine kleine historische Aufarbeitung, die sich teils wie im Delirium, zwischen Blut und Bierbank wiederfindet. Ein Prosit der Gemütlichkeit: die Serie sorgt dabei auch für kurzweilige sechs Episoden mit jeweils 48. Minuten.

Wertung 6.5 / 10

10 – Meisterwerk – 8-9  sehr gut – 6-7 gut – 5  Ziel erreicht – 3-4 grad noch wach geblieben – 1-2 Geldverschwendung – 0 Geld zurück verlangen 


Teaser – Trailer: Oktoberfest 1900