Inhalt: Der Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams) nimmt einen scheinbar harmlosen Auftrag an: die Lieferung eines biomedizinischen Pakets. Was wie ein gewöhnlicher Arbeitstag beginnt, wird zur Hölle auf Erden. Eine Nacht, kein Ausweg – und ein Horror, der alles verschlingt.
Eine nächtliche Lieferung wird zum tödlichen Hindernislauf
Nach sieben qualitativ wechselhaften Realfilmen liegt die Messlatte für eine gelungene „Resident Evil“-Adaption nicht besonders hoch. Zach Cregger überwindet sie mit einem geradlinigen, blutigen Survival-Horrorfilm, der den Geist der Spiele besser erfasst als seine Vorgänger. An die erzählerische Raffinesse von „Barbarian“ und „Weapons“ reicht er damit allerdings nicht heran.
Austin Abrams spielt Bryan, einen medizinischen Kurier, der einen dringenden Auftrag nach Raccoon City bringen soll. Auf einer vereisten Straße gerät er in eine Situation, die mit jedem weiteren Schritt bedrohlicher wird. Mutierte Menschen, versperrte Wege und eine schnell schwindende Zahl an Fluchtmöglichkeiten verwandeln seine Fahrt in einen einzigen Überlebenskampf. Cregger hält die Geschichte bewusst einfach. Statt verschiedener Zeitebenen, wechselnder Perspektiven oder einer komplizierten Mythologie folgt „Resident Evil“ einer klaren Bewegung von einem Schauplatz zum nächsten. Bryan muss weiter, während sich zwischen ihm und seinem Ziel immer neue Gefahren auftürmen.
Diese Reduktion verleiht dem Film Tempo und Konzentration, lässt aber erzählerische Überraschungen vermissen, mit denen Cregger seine bisherigen Horrorfilme ausgestattet hat. Die Handlung dient vor allem als Verbindung zwischen den einzelnen Situationen. Logik spielt dabei eine geringere Rolle als vielmehr groteske Mutationen, explodierende Körper und die nächste Attacke. „Resident Evil“ versteht sich damit konsequent als körperliches Horrorerlebnis, das seine Wirkung aus der unmittelbaren Konfrontation mit dem Chaos bezieht.

Der Auftakt macht jede Kugel und jedes Geräusch spürbar
Seine stärkste Phase erreicht der Film auf der eisigen Straße außerhalb von Raccoon City. Aus einer scheinbar überschaubaren Begegnung entwickelt Cregger eine präzise Folge aus falschen Fährten, wachsendem Unbehagen und gezielt gesetzten Schreckmomenten. Die Kamera bleibt eng an Bryan und übernimmt stellenweise direkt dessen Perspektive. Dadurch entsteht das Gefühl, nicht nur Zuschauer zu sein, sondern selbst nach dem nächsten Ausweg suchen zu müssen.
Besonders wirkungsvoll ist, wie sorgfältig Cregger mit den begrenzten Möglichkeiten seiner Hauptfigur arbeitet. Das Knarren einer Diele erhält ebenso viel Gewicht wie die verbliebenen Patronen in einer Waffe. Bedrohung entsteht zunächst aus dem Warten, Beobachten und Zuhören. Der Film verzichtet in dieser Phase darauf, jeden stillen Augenblick sofort mit einem billigen Schock aufzulösen. Wenn die Angriffe schließlich kommen, besitzen sie deshalb umso mehr Wucht.
Das verschneite Umfeld trägt zusätzlich zur Atmosphäre bei. Die Kälte und Dunkelheit lassen Raccoon City nicht wie eine weitläufige Actionkulisse, sondern wie einen unübersichtlichen Parcours erscheinen. Jeder neue Raum kann Schutz bieten oder zur Falle werden. Der direkte Schnitt hält die Ereignisse in Bewegung, ohne die Orientierung innerhalb der einzelnen Szenen zu verlieren.

Wenn das Spielgefühl zum ausgesprochenen Gag wird
Sobald Bryan tiefer in Raccoon City vordringt, verliert der Film seine klare Linie. Der Horror weicht zunehmend einer Komik, die nicht mehr allein aus der Überforderung der Figur entsteht. Statt die Nähe zum Videospiel weiterhin über Situationen und Bilder herzustellen, beginnt das Drehbuch, sie ausdrücklich zu kommentieren. Dabei funktioniert die Übertragung der Spielmechanik zunächst ausgezeichnet. Bryan findet bessere Waffen, lernt mit ihnen umzugehen und gewinnt schrittweise an Selbstvertrauen.
Seine Entwicklung erinnert an einen spielbaren Charakter, dessen Fähigkeiten nach und nach erweitert werden. Wiederkehrende Gegner und aufeinanderfolgende Hindernisse greifen ebenfalls den Aufbau eines Survival-Horror-Games auf, ohne dessen Handlung einfach nachzuerzählen. Umso störender wirkt es, wenn Bryan selbst erklärt, dass er nur in Videospielen gut mit Waffen umgehen könne. Solche Bemerkungen lenken die Aufmerksamkeit unnötig auf ein Prinzip, das längst verständlich geworden ist. Der Film vertraut seinen Bildern nicht mehr und beginnt, den Witz hinter seiner Inszenierung auszusprechen.
Dadurch verliert der Mittelteil sowohl an Spannung als auch an Leichtigkeit. Erst im letzten Abschnitt findet Cregger wieder zu einer klareren Richtung. Hier akzeptiert „Resident Evil“ den überzeichneten Ton seiner Vorlage und verbindet blutigen Körperhorror mit jenem bewusst absurden Humor, der schon die Spiele geprägt hat.

Austin Abrams hält das blutige Chaos zusammen
Der entscheidende Zusammenhalt kommt von Austin Abrams. Sein Bryan ist kein abgeklärter Kämpfer, sondern ein Durchschnittsmensch, der mit einer Schrotflinte ebenso verloren wirkt wie in der gesamten Situation. Abrams macht diese Hilflosigkeit glaubwürdig, ohne die Figur zur bloßen Karikatur werden zu lassen. Sein komödiantisches Timing bewahrt mehrere Szenen davor, in reinen Klamauk abzurutschen.
Gleichzeitig vermittelt er die körperliche und psychische Erschöpfung eines Menschen, der kaum verarbeiten kann, was um ihn herum geschieht. Bryan wird blutüberströmt, herumgeschleudert und von einer grotesken Begegnung in die nächste getrieben. Gerade weil er nicht wie ein klassischer Actionheld auftritt, bleibt sein Überlebenskampf greifbar.
FAZIT: „Resident Evil“ ist die bislang überzeugendste filmische Annäherung an die Spielereihe. Cregger inszeniert einen kompakten und handwerklich sicheren Horrortrip, dessen Energie über die dünne Geschichte hinwegträgt. Die vorhersehbare Dramaturgie, der orientierungslose Mittelteil und die aufdringliche Selbstironie verhindern jedoch, dass aus der unterhaltsamen Wiederbelebung der Marke ein ähnlich eigenständiger Film wie „Barbarian“ oder „Weapons“ wird.
Film Bewertung 6 / 10





