Inhalt: Nur Momente nach dem brutalen Angriff der Familie Le Domas erkennt Grace (Samara Weaving), dass ihr Überleben sie in die nächste Stufe des Albtraum haften Spiels katapultiert hat – diesmal jedoch mit ihrer entfremdeten Schwester Faith (Kathryn Newton) an ihrer Seite. Grace hat nur eine Chance: selbst zu überleben, ihre Schwester zu beschützen und den Hohen Rat zu stürzen, der im Verborgenen die Geschicke der Welt lenkt. Vier rivalisierende Familien jagen sie gnadenlos, um den Thron zu erobern. Und am Ende gilt: wer gewinnt, kontrolliert alles.
Neue Figuren, bekannte Dynamik
Während der letzte Akt des ersten Films in ein kathartisches, mitreißendes Chaos mündete, hat die Fortsetzung nicht dasselbe Ass im Ärmel und setzt stattdessen auf einen weitgehend vorhersehbaren Höhepunkt. Dennoch gibt es hier mitten im Film ein starkes Set-Piece in Form eines Kampfes im Hochzeitssaal, bei der Gewalt, Komik und Musik auf Hochtouren laufen und die ganze Dynamik von Samara Weaving zur Geltung bringen.
Zwei Frauen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, sich gegenseitig zu zerfleischen, untermalt von der Stimme von Bonnie Tyler, inklusive einer Bazooka, ist komplett überdreht und bringt auf den Punkt, was diese Reihe so unterhaltsam macht. Der „Alles-oder-nichts“-Ansatz der zweiten Runde führt allerdings dazu, dass es insgesamt weniger Überraschungen gibt. Während Weavings unermüdlich kämpfende Grace zunehmend aggressiver wird, bleibt der Spaßfaktor dennoch konstant hoch. Es fällt schwer, sich dem Tempo und der Energie des Films vollständig zu entziehen.
Ready or Not 2 stellt eine neue Gruppe exzentrischer, hasserfüllter Aristokraten gegen Grace. Von einer rachsüchtigen Ex-Verlobten bis hin zu einem schießwütigen Millionär entsteht ein Ensemble, das den Film vorantreibt. Besonders stark ist „Ready or Not 2“ immer dann, wenn diese Figuren aufeinandertreffen und sich gegenseitig zerlegen. Die Dialoge sind pointiert, oft bissig und liefern genau die Art von schwarzem Humor, die dem Film seine Dynamik verleiht.
Unter den Neuzugängen sticht vor allem Elijah Wood hervor. Als mit ruhiger Stimme sprechender Anwalt, der sich fast schwerelos durch das Chaos bewegt, sorgt er für zahlreiche humoristische Höhepunkte. Seine Figur wirkt wie ein stiller Beobachter, der dennoch die Regeln festlegt; das Drehbuch kann somit nach seinen eigenen Regeln verfahren und dem Publikum sogar die nächste absurde Entscheidung als feststehendes Gesetz verkaufen.

Spektakel vor Substanz
Auch Kathryn Newton als Graces Schwester Faith bringt eine neue Energie ins Spiel. Ihr natürlicher Charme funktioniert, insbesondere im Zusammenspiel mit Samara Weaving, doch narrativ bleibt ihre Rolle begrenzt. Sie fungiert vor allem als emotionale Projektionsfläche, die geschützt werden muss, ohne selbst entscheidend in die Handlung einzugreifen. Am wenigsten überzeugt Sarah Michelle Gellar. Trotz ihrer Präsenz bleibt ihre Figur unterentwickelt und kann das vorhandene Potenzial nicht vollständig entfalten.
Die Inszenierung setzt klar auf Eskalation statt Überraschung. Wo der erste Film noch mit unerwarteten Wendungen arbeitete, verlässt sich die Fortsetzung stärker auf bekannte Mechaniken. Das führt zu einer gewissen Vorhersehbarkeit, die durch einzelne, gut platzierte Höhepunkte jedoch teilweise kompensiert wird. Besonders die bereits erwähnte Sequenz im Hochzeitssaal fungiert als zentrales Highlight. Hier verdichten sich Stil, Tempo und Tonalität zu einem Moment, der den Film kurzfristig auf ein höheres Niveau hebt. Doch selbst dieser Moment wird durch den Bildwechsel zwischen diesem Saal und einer weiteren Kampfszene im Flur zerstört.
Fazit: „Ready or Not 2“ liefert genau das, was man erwartet: mehr Blut, mehr Chaos und eine konsequente Fortführung des Konzepts. Dank des Alles-oder-Nichts-Ansatzes im zweiten Durchgang gibt es diesmal weniger Überraschungen. Doch wenn Weavings Braut mehr und mehr in Blut getränkt wird, fällt es schwer, angesichts dieser unerbittlichen Unterhaltung nicht lächeln zu müssen.
Film Bewertung 6 / 10





