Lithium als Schlüsselrohstoff zwischen Hoffnung und Abhängigkeit
Mit „Materia Prima – New Energy. Old Powers?“ richtet Regisseur Jens Schanze den Blick auf einen der wichtigsten Rohstoffe der Gegenwart. Am Beispiel der gewaltigen Lithiumvorkommen im bolivianischen Hochland untersucht der Dokumentarfilm, wie wirtschaftliche Interessen, politische Macht und historische Ungleichheiten im Zuge der globalen Energiewende aufeinanderprallen. Dabei stellt der Film die Frage, wer letztlich von der wachsenden Nachfrage nach Lithium profitiert – und wer den Preis dafür bezahlt.
Lithium gilt als unverzichtbar für die Elektrifizierung der Welt. Ob Batteriespeicher, Elektroautos, Rechenzentren oder Smartphones – ohne das Leichtmetall wäre die Energiewende in ihrer heutigen Form kaum denkbar. Nirgendwo sind die Vorkommen größer als im bolivianischen Hochland. Während europäische Staaten und Unternehmen auf den Rohstoff angewiesen sind, um ihre Industrie für die Zukunft aufzustellen, verbindet Bolivien mit dem Lithiumabbau die Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung und die Bekämpfung von Armut.
Gleichzeitig formiert sich Widerstand: Vor allem von Frauen organisierte zivilgesellschaftliche Gruppen hinterfragen die Folgen des Rohstoffabbaus für Mensch, Umwelt und lokale Gemeinschaften.

Zwischen globalen Interessen und kolonialem Erbe
Der Dokumentarfilm gewährt seltene Einblicke in die Strategien europäischer Akteure zur Sicherung des begehrten Rohstoffs und macht die gegensätzlichen Interessen rund um Industrialisierung, Ressourcenpolitik und wirtschaftliche Entwicklung sichtbar. Schanze ordnet die aktuellen Konflikte dabei in einen größeren historischen Zusammenhang ein. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen erscheint nicht als neues Phänomen, sondern als Fortsetzung jahrhundertealter Machtstrukturen.
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Die Chronik eines indigenen Zeitzeugen aus dem 16. Jahrhundert eröffnet eine zusätzliche Perspektive und schlägt die Brücke zwischen Kolonialgeschichte und Gegenwart. So entwickelt sich „Materia Prima – New Energy. Old Powers?“ zu einer ebenso politischen wie gesellschaftlichen Bestandsaufnahme, die die Frage aufwirft, ob eine nachhaltige Zukunft ohne eine Auseinandersetzung mit kolonialen Kontinuitäten überhaupt möglich ist.






