HEIMSUCHUNG - EIN JAHRHUNDERTGESCHICHTE

Ein Haus als Spiegel deutscher Geschichte

Mit Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte adaptiert Volker Schlöndorff den international gefeierten Roman von Jenny Erpenbeck und erzählt deutsche Geschichte anhand eines einzigen Ortes und der Menschen, die mit ihm verbunden sind. Im Zentrum steht ein Grundstück an einem See nahe Berlin, das über Jahrzehnte hinweg zum Schauplatz unterschiedlicher Lebensgeschichten wird. Besitzer wechseln, politische Systeme brechen zusammen, Menschen verschwinden oder beginnen neu – doch das Haus bleibt als stiller Zeuge all dieser Veränderungen bestehen.

Beginnend in den 1930er Jahren folgt der Film den Schicksalen verschiedener Familien und Generationen. Ein jüdischer Fabrikant muss sein Eigentum unter dem Druck der historischen Entwicklungen wieder aufgeben. Ein Architekt versucht später im DDR-System Fuß zu fassen und scheitert schließlich an dessen Grenzen. Andere suchen nach Krieg, Exil und Verlust einen neuen Anfang.

Zwischen Erinnerung, Verlust und deutscher Vergangenheit

„Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ versteht sich dabei nicht nur als Familiendrama, sondern als filmischer Mikrokosmos deutscher Geschichte. Themen wie Vertreibung, Heimat, Erinnerung und Identität verdichten sich zu persönlichen Geschichten, die gleichzeitig gesellschaftliche Umbrüche widerspiegeln. Die Naturbilder des Sees und des Grundstücks bilden dabei einen bewussten Kontrast zu den politischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts.

Während Menschen kommen und gehen, bleibt der Ort selbst bestehen und speichert Erinnerungen, Konflikte und vergangene Leben. Gerade diese Perspektive macht den Stoff besonders. Geschichte wird hier nicht über große politische Reden erzählt, sondern über Räume, Familien und Generationen, deren Leben von historischen Entwicklungen geformt werden.

Schlöndorff adaptiert einen modernen Jahrhundertroman

Für Volker Schlöndorff ist „Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte“ die nächste große Literaturverfilmung nach Werken wie Die Blechtrommel, für die er mit der Goldenen Palme und dem Oscar ausgezeichnet wurde. Produziert wird der Film gemeinsam mit Regina Ziegler. Der Roman „Heimsuchung“ gilt international als eines der bedeutendsten deutschsprachigen Bücher der vergangenen Jahre.

The Guardian zählt ihn zu den wichtigsten Büchern des 21. Jahrhunderts, während die The New York Times Jenny Erpenbeck bereits als mögliche Nobelpreisträgerin bezeichnete. Mit der ersten Verfilmung eines Romans von Jenny Erpenbeck entsteht nun ein Film, der historische Dimension mit persönlichen Schicksalen verbindet und ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte auf intime Weise erfahrbar machen möchte.