FROST OHNE SCHNEE UND EIS

Zehn Jahre lang hat der norwegische Naturfilmer Asgeir Helgestad das Leben einer Eisbärin begleitet, die er Frost nennt. Aus den wiederkehrenden Begegnungen in der arktischen Wildnis ist mit „Frost ohne Schnee und Eis“ ein Dokumentarfilm entstanden, der weit über die klassische Tierbeobachtung hinausgeht. Helgestad verfolgt Frost bei der Aufzucht ihrer Jungen und dokumentiert zugleich, wie sich ihr Lebensraum auf Spitzbergen innerhalb weniger Jahre verändert. Der Film startet am 17. September 2026 im Verleih der Filmwelt Verleihagentur in den deutschen Kinos.

Im Vorfeld des Kinostarts kommt Helgestad im September nach Deutschland. Am 11., 12. und 13. September wird der Regisseur beim Green Screen Naturfilmfestival in Eckernförde zu Gast sein. Dort steht er auch für Interviews zu seinem Film und zu den Erfahrungen zur Verfügung, die während der jahrelangen Beobachtung von Frost und ihrer Heimat entstanden sind.

Zehn Jahre mit einer Eisbärin und ihren Jungen

Am Anfang steht eine Begegnung. Helgestad entdeckt auf Spitzbergen eine Eisbärin, die ihr Revier ungewöhnlich nah an menschlichen Siedlungen etabliert hat. Er nennt sie Frost und kehrt in den folgenden Jahren immer wieder in die Region zurück. Insgesamt erlebt der Filmemacher die Geburt von sieben ihrer Jungen und beobachtet, wie Frost versucht, ihren Nachwuchs unter den extremen Bedingungen der Arktis großzuziehen.

Was zunächst als fotografische und filmische Naturbeobachtung beginnt, verändert sich mit der Zeit. Frost wird für Helgestad zum Grund, Jahr für Jahr nach Spitzbergen zurückzukehren. Aus einzelnen Aufnahmen entsteht eine Langzeitbeobachtung, und aus dem distanzierten Naturfilmer zunehmend ein Erzähler, der nicht mehr nur die Schönheit dieser Landschaft festhalten möchte. Denn während Frost ihre Jungen aufzieht, verändert sich die Welt um sie herum.

Schnee und Eis, die diesen Lebensraum bestimmen, werden unzuverlässiger. Die Bedingungen, an die Eisbären über Generationen angepasst sind, verschieben sich. Spitzbergen gehört zu den Regionen der Erde, in denen die Folgen des Klimawandels besonders deutlich sichtbar werden. Für Frost bedeutet diese Veränderung keine abstrakte Klimastatistik, sondern eine unmittelbare Veränderung ihres Lebensraums und damit ihrer Möglichkeiten, ihre Jungen zu ernähren und zu schützen.

Vom Naturfilmer zum persönlichen Beobachter

„Frost ohne Schnee und Eis“ erzählt deshalb nicht ausschließlich vom Leben eines Eisbären. Der Film dokumentiert zugleich Helgestads eigene Veränderung während der jahrelangen Arbeit. Zu Beginn ist er Fotograf und Beobachter, fasziniert von einer Landschaft, die ihm beinahe unwirklich erscheint. Je häufiger er zurückkehrt und je länger er Frost begleitet, desto schwieriger wird es für ihn jedoch, die Veränderungen lediglich zu registrieren.

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier wird damit zu einem zentralen Motiv des Films. Helgestad beschäftigt die Frage, ob Empathie und ein genaueres Verständnis anderer Lebewesen dazu beitragen können, die Distanz zwischen Mensch und Natur zu überwinden. Frost wird dabei nicht vermenschlicht, sondern bleibt ein wildes Tier, dessen Leben eigenen Regeln folgt. Gerade die jahrelange Beobachtung ermöglicht jedoch eine Nähe, durch die Mutterschaft, Überleben, Altern, Verlust und Widerstandsfähigkeit auch jenseits menschlicher Erfahrungen sichtbar werden.

Der Titel des Films beschreibt dabei bereits den Widerspruch, mit dem Frost konfrontiert ist. Ein Eisbär lebt in einer Welt, deren bestimmende Elemente zunehmend verschwinden. Helgestads Kamera dokumentiert deshalb nicht nur spektakuläre Landschaften und Tierbeobachtungen, sondern einen Lebensraum in einem Zustand beschleunigter Veränderung.

Ausgezeichnete Langzeitbeobachtung aus Spitzbergen

„Frost ohne Schnee und Eis“ feierte seine Weltpremiere beim Thessaloniki International Film Festival. Beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney wurde die Produktion anschließend mit dem Focus Future Award ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm verbindet dabei die über ein Jahrzehnt entstandenen Naturaufnahmen mit Helgestads persönlicher Perspektive auf Frost und ihre sich wandelnde Umgebung.

Kurz vor dem deutschen Kinostart präsentiert der Regisseur seinen Film beim Green Screen Naturfilmfestival in Eckernförde und spricht dort über die Entstehung der Langzeitdokumentation. Damit rückt auch die außergewöhnliche Produktionsgeschichte in den Mittelpunkt: Statt Frost für einen begrenzten Drehzeitraum zu beobachten, kehrte Helgestad über Jahre hinweg immer wieder zu ihr zurück und konnte dadurch Entwicklungen festhalten, die sich innerhalb einer klassischen Naturfilmproduktion kaum dokumentieren ließen. „Frost ohne Schnee und Eis“ startet am 17. September 2026 in den deutschen Kinos.