Inhalt: Die Blutgräfin und ihre Zofe eröffnen einen neuen Tanz der Vampire. Wir begleiten sie auf der aberwitzigen Jagd nach dem roten Lebenssaft, der verschütteten Geschichte ihrer Ahnen und einem Buch, das ihr Vampirreich zu zerstören droht. Ihr dicht auf den Fersen: der vegetarische Neffe, sein Psychotherapeut, zwei Vampirologen und ein Polizeiinspektor samt Assistenten…
Ein Tanz der Vampire durch die österreichisch-ungarische Geschichte
Manchmal reicht schon ein Name, um zu wissen, in welcher Welt man gelandet ist. In Die Blutgräfin ermittelt ein Kommissar namens Unglaube, während ein Vampirologe auf den klangvollen Namen Bombastus hört. Subtilität steht hier also nicht unbedingt auf der Gästeliste. Vielmehr macht der Film aus seinem Tanz der Vampire eine bizarre Veranstaltung zwischen Opernball, historischer Farce, morbider Maskerade und gewollt makabren Einfällen. Das dürfte hemmungslos, respektlos und ausgesprochen komisch sein. Tatsächlich aber wirkt die Absurdität mit zunehmender Laufzeit derart angestrengt, dass ausgerechnet der Humor auf der Strecke bleibt.
Die Blutgräfin will dabei weit mehr sein als eine weitere Variation des Vampirmythos. Der Film bewegt sich durch unterschiedliche Stationen und Spielarten der österreichisch-ungarischen Geschichte, greift historische Versatzstücke auf, vermischt sie mit Vampirlegenden und gesellschaftlichen Ritualen und wirft alles gemeinsam in eine bewusst künstliche Welt. Epochen werden weniger rekonstruiert als zu einer großen Maskerade zusammengesetzt. Geschichte wird zur Bühne, der Vampirmythos zum Spielzeug und die titelgebende Legende zur Projektionsfläche für einen Film, der sich genüsslich an den Absonderlichkeiten seiner eigenen Welt abarbeitet.
Entsprechend wenig Interesse besteht an historischem Realismus. Kostüme, Räume und Figuren bewegen sich vielmehr in einem beinahe cosplayartigen Kosmos. Alles darf künstlich aussehen, überzeichnet sein und sich jederzeit selbst widersprechen. Gerade darin liegt zunächst ein gewisser Reiz. Denn ein Stoff wie dieser bietet reichlich Gelegenheit, mit Historie und Vampirmythologie Schabernack zu treiben und die ehrwürdige Patina vergangener Jahrhunderte mit gepflegter Geschmacklosigkeit zu beschmutzen.
Wenn aus Überzeichnung noch keine Komik wird
An Ideen mangelt es Die Blutgräfin dabei keineswegs. Das Problem liegt vielmehr darin, dass der Film seine Einfälle permanent ausstellt. Schräge Namen, affektierte Auftritte, morbide Anspielungen und artifizielle Situationen folgen so dicht aufeinander, dass die Groteske bald keinen Kontrast mehr besitzt. Kommissar Unglaube und Vampirologe Bombastus bringen dieses Prinzip auf den Punkt: Was als bewusst alberner Einfall durchaus Charme besitzt, verliert an Wirkung, wenn die gesamte Umgebung mit derselben Lautstärke nach Aufmerksamkeit verlangt.
Gerade der schwarze Humor hätte von mehr Leichtigkeit profitieren können. Statt eine makabre Situation für sich wirken zu lassen, setzt die Inszenierung häufig noch einen drauf. Das Augenzwinkern wird damit so nachdrücklich vorgeführt, dass die Pointe darunter verschwindet. Der Film weiß sehr genau, wie exzentrisch er aussehen und klingen möchte, findet aber nur selten das richtige Timing für die Komik, die daraus entstehen soll.
Jelinek-Dialoge zwischen Wortwitz und Distanz
Auch die hochstilisierten Jelinek-Dialoge können daran wenig ändern. Sie passen grundsätzlich hervorragend zu einer Welt, in der ohnehin niemand einfach sprechen darf, wenn er auch seinen Text pathetisch vortragen kann. Sprache wird selbst zur Inszenierung, mit Wortspielen, Überhöhungen und einer Künstlichkeit, die sich konsequent gegen jede Form von Naturalismus stemmt. Das fügt sich schlüssig in das Gesamtkonzept ein, schafft aber zugleich zusätzliche Distanz zu Figuren, die ohnehin eher als groteske Typen denn als Charaktere angelegt sind.
Visuell besitzt diese artifizielle Herangehensweise dagegen durchaus ihren Reiz. Opernball, historische Maskerade, Kostüme und die bewusste Vermischung verschiedener Epochen ergeben einen eigenwilligen Bilderreigen. Die Blutgräfin sieht nicht aus wie ein Film, der zufällig sonderbar geraten ist. Hinter dieser Kunstwelt steckt ein klares Konzept. Gerade deshalb wäre es reizvoll gewesen, wenn die Inszenierung ihren Griff gelegentlich gelockert und ihren Bildern, Figuren und Pointen mehr Raum gegeben hätte.
Geschichte als Maskerade
Denn im Kern steckt in dieser Mischung durchaus eine interessante Idee. Geschichte erscheint selbst als Inszenierung, während sich der Vampirmythos als erstaunlich wandlungsfähiges kulturelles Spielzeug erweist. Figuren und Epochen werden aufeinander losgelassen, historische Bedeutung und populäre Legende ineinandergeschoben. Daraus hätte eine bissige Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Vergangenheit entstehen können. Doch dafür interessiert sich der Film letztlich weniger als für die Lust an seiner eigenen Maskerade.
So berauscht sich Die Blutgräfin zunehmend an der eigenen Groteske. Opernball, Vampirfarce, österreichisch-ungarisches Geschichtskabarett und cosplayartige Maskerade verschmelzen zu einer exzentrischen operettenhaften Veranstaltung, der es weder an Einfällen noch am Willen zur Eigenwilligkeit mangelt. Nur entsteht aus all diesem Aufwand erstaunlich wenig Komik.
Fazit: Der Film ist nicht zu absurd – seine Absurdität ist zu angestrengt. Und ausgerechnet deshalb bleibt von diesem Tanz der Vampire am Ende vor allem eine aufwendig inszenierte Veranstaltung, bei der die Pointe irgendwo zwischen Ballsaal, Gruft und Geschichtsstunde verloren gegangen ist.
Film Bewertung 4 / 10





