Manchmal braucht es Kino, das jede Form von Erwartung bewusst unterläuft. A Useful Ghost ist genau so ein Film. Die wohl abgedrehteste Romanze des Jahres aus der Feder des thailändischen Regisseurs und Drehbuchautors Ratchapoom Boonbunchachoke startet am 26. März 2026 im Verleih von Little Dream Pictures bundesweit in den deutschen Kinos und macht unmissverständlich klar, dass Liebe im Kino noch lange nicht aus erzählt ist.
Liebe, Tod und ein Staubsauger als Zufluchtsort
A Useful Ghost entstand unter deutscher Beteiligung und feierte seine Weltpremiere in der Semaine de la Critique der Internationalen Filmfestspiele von Cannes, wo der Film mit dem Grand Prix ausgezeichnet wurde. Seine Deutschlandpremiere folgte auf dem Filmfest Hamburg. Beim 58. Sitges Film Festival erhielt der Film zudem den Preis für das Beste Drehbuch, während Boonbunchachoke mit dem Citizen Kane Award als Bester Newcomer geehrt wurde.
Im Zentrum steht March (Witsarut Himmarat), der einen Staubsauger liebt. Doch nicht irgendeinen. In dem Haushaltsgerät lebt die Seele seiner Frau Nat (Davika Hoorne), die an Luftverschmutzung gestorben ist. Was zunächst wie eine absurde Idee klingt, entwickelt sich zu einer ebenso zärtlichen wie bissigen Liebesgeschichte. Gemeinsam kämpft das ungleiche Paar gegen besessene Kühlschränke, unterstützt einen akademischen Ladyboy und dessen Liebhaber im Widerstand gegen skrupellose Politiker und entdeckt die Möglichkeiten ihrer wiedergefundenen Zweisamkeit – auch körperlich.
Gesellschaftssatire mit Geisterkraft
Die Umwelt reagiert entsetzt. Die konservative Verwandtschaft ist fassungslos, buddhistische Gelehrte zeigen sich pikiert und Marchs pragmatische Mutter setzt alles daran, der schon zu Lebzeiten ungeliebten Schwiegertochter endgültig den Stecker zu ziehen. Doch Boonbunchachokes Film will mehr als provozieren. Hinter dem absurden Humor verbirgt sich eine messerscharfe Gesellschaftssatire, die traditionelle Beziehungsmuster, überholte Geschlechterrollen und eine verlogene Erinnerungskultur offenlegt.
A Useful Ghost ist eine Fabel über unsterbliche Liebe, erzählt mit anarchischem Witz und politischem Bewusstsein. Ein Film, der gleichzeitig verspielt und radikal ist und genau deshalb lange nachhallt. Cannes hat ihn dafür gefeiert – zu Recht.





