WONDER MAN

Marvel-Trailer sind ein bisschen wie Busse. Man wartet gefühlt ewig auf einen, und dann kommen gleich mehrere auf einmal. Kaum sind die Feiertage vorbei und die Teaser zu Avengers: Doomsday mit der Rückkehr von Chris Evans und dem Comeback von Chris Hemsworth als Thor verdaut, schiebt Marvel schon den nächsten nach. Dieses Mal geht es nicht um das große Multiversum, sondern um etwas deutlich Meta-hafteres: Wonder Man.

Die neue Disney+-Serie stammt von Destin Daniel Cretton und Andrew Guest und setzt bewusst auf einen Tonfall zwischen Superheldensatire, Branchenkomödie und MCU-Selbstreflexion. Im Mittelpunkt steht Simon Williams, gespielt von Yahya Abdul-Mateen II: ein erfolgloser Schauspieler, der verzweifelt auf den großen Durchbruch hofft und dabei ein kleines Problem hat – geheime, sehr reale Superkräfte.

Ein Held, der eigentlich nur berühmt sein will

Der neue Trailer macht schnell klar, wohin die Reise geht. Simon Williams will kein klassischer Rächer sein, er will ein Star sein. Als sich die Chance ergibt, in einem neuen Superheldenfilm mitzuspielen, der ironischerweise ebenfalls den Titel Wonder Man trägt, scheint sich alles zu fügen. Blöd nur, dass seine echten Kräfte, sein fragiles Ego und die absurde Produktionsrealität Hollywoods frontal aufeinandertreffen.

An seiner Seite steht Ben Kingsley als Trevor Slattery, ein ehemals gefeierter Schauspieler, der noch immer davon träumt, relevant zu sein – und diesmal tatsächlich helfen will. Komplettiert wird das kreative Chaos durch den exzentrischen Regisseur Von Kovak, gespielt von Zlatko Burić, dessen künstlerische Visionen ebenso ambitioniert wie unberechenbar sind. Wonder Man nutzt diese Konstellation, um gleich mehrere Ebenen zu bespielen. Einerseits erzählt die Serie eine klassische Geschichte über Ehrgeiz, Selbstzweifel und den Wunsch nach Anerkennung. Andererseits wirft sie einen augenzwinkernden Blick hinter die Kulissen der Unterhaltungsindustrie – und damit auch auf Marvel selbst.

Der Trailer deutet an, dass hier offen mit Themen wie Superhelden-Müdigkeit, Imagepflege und medialem Erwartungsdruck gespielt wird. Die Existenz einer geheimnisvollen Abteilung für Schadensbegrenzung, die plötzlich Interesse an Simons Kräften zeigt, verankert das Ganze fest im MCU und sorgt dafür, dass die satirische Leichtigkeit jederzeit kippen kann.

WONDER MAN
© Foto von Marvel Television/MARVEL TELEVISION – © 2025 – Disney+

Zwischen She-Hulk und Studiosatire

Stimmungsmäßig bewegt sich Wonder Man irgendwo zwischen She-Hulk: Attorney at Law und einer bissigen Hollywood-Satire. Der Humor ist selbstbewusst, teilweise bewusst albern, aber klar darauf ausgerichtet, Marvels eigene Mythen zu kommentieren, statt sie einfach nur zu reproduzieren. Mit acht Episoden bleibt genug Raum, um Figuren, Running Gags und das Spiel mit Erwartungshaltungen auszubauen. Neben Abdul-Mateen II und Kingsley gehören auch X Mayo, Demetrius Grosse, Arian Moayed und Olivia Thirlby zur Besetzung.

Mit Wonder Man scheint Marvel genau dort anzusetzen, wo viele Zuschauer zuletzt müde geworden sind. Statt immer größerer Bedrohungen setzt die Serie auf Selbstironie, Charakterhumor und einen Helden, der lieber auf dem roten Teppich als im Kampf stehen würde. Wenn das Konzept aufgeht, könnte Wonder Man genau der frische Energieschub sein, den das MCU gerade braucht.