Inhalt: Wuthering Heights wird zum Porträt einer Liebe, die an gesellschaftlichen Grenzen, Klassen, aber vor allem an sich selbst zerbricht. Mit Hong Chau, Shazad Latif, Ewan Mitchell und Nachwuchstalent Owen Cooper versammelt sich ein Ensemble, das Dramatik mit Zeitgeist verbindet. Die Kombination aus Brontës finsterer Romantik, Fennells tabubrechender Handschrift und Charli XCX’ hypermodernem Soundtrack deutet auf ein Werk hin, das Altes und Neues auf eindrucksvolle Weise verschmilzt.
Gothic-Romanze im Spannungsfeld von Liebe, Macht und Klassenkampf
Mit den nebelverhangenen Hügeln von Yorkshire als Kulisse entfaltet „Wuthering Heights“ seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1847 eine schonungslose, aufwühlende Wucht. Die Leidenschaft wird hier angeheizt durch soziale Spannungen, Eifersucht, Klassenunterschiede, Gier und eine Liebe, die eher zerstörerisch als erlösend wirkt. Schon zu Brontës Zeiten galt der Roman als provokativ, weil er zu grausam, zu emotional und zu kompromisslos war. Es macht daher Sinn, dass sich gerade Emerald Fennell mit diesem Stoff auseinandersetzt. Kaum eine andere aktuelle Regisseurin ist so geschickt im Umgang mit moralischen Grauzonen, Sehnsüchten und Machtspielen wie sie.
Es ist auch das erste Mal, dass Fennell nicht mit einem eigenen Drehbuch arbeitet, doch die Verfilmung ist alles andere als eine originalgetreue Umsetzung. Der Film beginnt mit einer grotesken, fast absurd provokativen Szene, in der Brontës Stoff ironisch durch den Fleischwolf gedreht wird. Danach drosselt Fennell das Tempo deutlich und konzentriert sich auf Atmosphäre, Körperlichkeit und subtile (An-)Spannungen. Besonders stark ist der Film in seinen ersten Passagen: Die junge Cathy (Charlotte Mellington) wächst als Tochter eines psychisch labilen, gewalttätigen Vaters auf, gespielt von Martin Clunes, der diese Rolle souverän meistert.
Nachdem er mit Heathcliff, gespielt von Owen Cooper, einen Findelkind ins Haus holt, entwickelt sich eine Beziehung, die weniger von Romantik als vielmehr von Abhängigkeit, Trotz und unerfüllter Sehnsucht geprägt ist. In diesen Momenten beweist Fennell besonders ihr erzählerisches Geschick. Die raue Landschaft, das Wetter, der Schlamm, all das scheint die Beziehung zu formen und zu festigen.

Opulenz statt Erdung: Wenn Stil die Tragik überdeckt
Noch bevor Margot Robbie und Jacob Elordi als die erwachsenen Cathy und Heathcliff auftauchen, hat der Film bereits seine größte Wirkung erreicht. Fennell inszeniert Jugendliebe als ungezähmte Rebellion gegen Lebensumstände und gesellschaftliche Zwänge. Elordi überzeugt schon früh mit seiner physischen Präsenz und inneren Zerrissenheit. Auch später bleibt seine Heathcliff-Interpretation emotionaler Mittelpunkt des Films. Er pendelt zwischen Verletzlichkeit, unterdrückter Wut und Brutalität und schafft es, damit sogar die unendliche Weite der Landschaft zu überstrahlen.
Robbie dagegen spielt Cathy bewusst etwas exzentrisch, mit einer gewissen Frechheit und Selbstgerechtigkeit, die gut zu Fennells Stil passt, aber nicht immer mit Elordis Intensität Schritt halten kann. Kaum hat Cathy Edgar Linton geheiratet und sich in die Welt der Reichen gestürzt, nimmt der Film eine deutliche Wendung. Die Inszenierung wird knalliger, überspitzter, fast schon Meme-artig. Farbexplosionen, übertrieben künstlich wirkende Kostüme und der von Charli xcx geprägte Soundtrack sorgen für eine emotional überladene Stimmung. Das ist visuell ansprechend, nimmt der Geschichte jedoch einen Teil ihrer ursprünglichen Kraft.
Hier zeigt sich dann die größte Schwäche der Adaption. Brontës Roman lebt von der bitteren Realität seiner Figuren, von Konsequenzen, die stilistisch nicht überspielt werden können. Dagegen verliert sich Fennells Film manchmal in seiner eigenen Opulenz. Auch wenn Alison Oliver als Isabelle jede Szene beherrscht, bleibt das Gefühlsleben zwischen Cathy und Heathcliff zu bruchstückhaft. Die Tragödie wirkt dadurch eher behauptet als durchlebt.
Fazit: Emerald Fennell wagt eine radikale Neuinterpretation von „Wuthering Heights“, die ästhetisch beeindruckend ist und Jacob Elordis Starpower gekonnt zur Geltung bringt. Doch wo Stil und Überspitzung den Realismus überschatten, verliert die große Liebestragödie an Schärfe. Ein ambitionierter Film, der viel riskiert und nicht alles halten kann, was er verspricht.
Film Bewertung 5 / 10





