Inhalt:
Zwischen Kindheit, Ausgrenzung und Selbstfindung
Für einen klassischen britischen Wohlfühlfilm beginnt Verflucht Normal überraschend respektlos. Als John Davidson, gespielt von Robert Aramayo, kurz davorsteht, seinen MBE von Queen Elizabeth II entgegenzunehmen, platzen ihm die Nerven und setzt direkt den Ton für einen Film, der bewusst zwischen britischer Gemütlichkeit und ungefilterter Direktheit balanciert. Unter der Regie von Kirk Jones, bekannt durch Waking Ned, erzählt der Film die wahre Geschichte eines Mannes mit Tourette-Syndrom, lange bevor das öffentliche Bewusstsein dafür wirklich vorhanden war. Die Handlung springt zurück in Johns Kindheit, wo er als beliebter, sportlicher Junge zunächst fest im Leben steht.
Doch mit den ersten unkontrollierten Ticks verändert sich alles. Sein Umfeld reagiert überfordert, seine Mutter (Shirley Henderson), mit Distanz statt Verständnis. Als Erwachsener wird John zunehmend ausgegrenzt und nicht ernst genommen. Erst die Begegnung mit Dottie (Maxine Peake), die Mutter eines Freundes und eine psychiatrische Krankenschwester, bringt eine neue Perspektive in sein Leben. Sie begegnet ihm mit Geduld und Empathie und wird zu einer wichtigen Stütze auf seinem Weg.
Was „Verflucht Normal“ besonders macht, ist sein Umgang mit Humor. Der Film ist sehr witzig, ohne jemals auf Kosten seiner Figur zu gehen. Die Ticks sind nicht bloß Gags, sondern Teil einer Realität, die der Film mit Respekt und zugleich mit einem feinen Gespür für absurde Momente erzählt. Gerade diese Balance sorgt dafür, dass die Geschichte leicht wirkt, ohne ihre emotionale Tiefe zu verlieren.
Humor mit Haltung
Im Zentrum steht Robert Aramayo mit einer herausragenden Leistung. Er verbindet körperliche Präzision mit emotionaler Authentizität und macht aus John eine Figur, die man nicht nur versteht, sondern wirklich spürt. Auch das Ensemble trägt dazu bei, dass der Film trotz klassischer Erzählmuster funktioniert und seine Wirkung entfalten kann.
Der letzte Akt steht ganz im Zeichen von Johns Engagement und setzt echte Schauspieler mit Tourette-Syndrom ein; in der vielleicht besten Szene des Films teilt er sich ein Auto mit einem jungen Mädchen, das mit dieser Erkrankung zu kämpfen hat. Nachdem sie sich etwa eine Minute lang mit den übelsten Schimpfwörtern beworfen haben, lächeln die beiden leise miteinander und finden so eine gewisse Verbundenheit. Wie der Film insgesamt ist diese Szene liebenswert, witzig und ungewöhnlich bewegend. Das Tourette-Syndrom hat im Kino endlich die ihm gebührende Aufmerksamkeit erhalten.
Fazit: „Verflucht Normal“ ist ein ungewöhnlich ehrlicher Wohlfühlfilm, der ein sensibles Thema mit Respekt, Witz und Herz erzählt. Die Mischung aus Humor und Ernst gelingt, getragen von einer starken Hauptrolle und klarer Haltung. Ein Film, der berührt, ohne zu belehren – und genau darin seine Stärke findet.
Film Bewertung 8 / 10
