Inhalt: Als Lieutenant Dane Dumars (Matt Damon) einen Hinweis auf eine riesige Menge Schwarzgeld erhält, die in einem geheimen Unterschlupf versteckt sein soll, kommt es innerhalb seines Teams zu Verdächtigungen und gegenseitigen Beschuldigungen.
Paranoia, Macht und die Frage nach Schuld
Joe Carnahan ist ein Filmemacher, der sich schon früh mit kompromisslosen Stoffen einen Namen gemacht hat. Bereits 2002 setzte er mit Narc ein hartes Ausrufezeichen im Genre, später folgten Ausflüge ins Actionkino, die mal mehr, mal weniger zündeten. Mit diesem neuen Film kehrt Carnahan nun sichtbar zu seinen erzählerischen Wurzeln zurück – stilistisch geerdet, dramaturgisch konzentriert und getragen von einer spürbaren Faszination für moralische Grauzonen.
Im Zentrum stehen Matt Damon und Ben Affleck, die nicht nur vor der Kamera, sondern auch über ihre Produktionsfirma Artists Equity Verantwortung übernehmen. Als Lieutenant Dane Dumars und Detective Sergeant J. D. Byrne verkörpern sie zwei ausgebrannte Ermittler der Drogenfahndung in Miami. Müde, bärtig, innerlich angezählt. Männer, die zu lange in einem System gearbeitet haben, das sie langsam zermürbt. Der Tod ihrer Kollegin Jackie Velez lastet schwer auf ihnen, und schon in den ersten Minuten wird klar, dass dieser Film kein glamouröses Cop-Märchen erzählen will, sondern ein schmutziges, desillusioniertes Stück Polizeialltag. Carnahan konstruiert seinen Thriller bewusst als einen Film, der sich langsam steigert. Ein vermeintlich routinemäßiger Hinweis entwickelt sich zu einer fatalen Kettenreaktion, in der Loyalitäten bröckeln und Misstrauen zur alles bestimmenden Währung wird.
Das Drehbuch spielt mit Erwartungen und zwingt den Betrachter immer wieder, die eigene moralische Position zu hinterfragen. Wer ist hier sauber. Wer ist Teil des Problems. Und wie weit darf man gehen, wenn der Druck steigt. Besonders gelungen ist dabei das Bewusstsein des Films für den heutigen Blick auf Polizei und Macht Strukturen. Dieser Thriller romantisiert nichts. Gespräche über interne Ermittlungen, Gewerkschaften und Schuldfragen laufen permanent im Hintergrund mit und verleihen der Geschichte eine unangenehme Aktualität.

Spannung aus Atmosphäre statt Dauerfeuer
Die tätowierten Leitsätze auf Dumars’ Fingern – „Are we the good guys?“ und „We are and always will be“, wirken zunächst wie ein zynischer Cop-Witz, entfalten aber im Verlauf des Films eine zunehmend bittere Ironie. Inszenatorisch erinnert Carnahan stellenweise an das paranoide Kammerspiel eines Belagerungsfilms. Eine Mischung aus klassischem 70er-Jahre-Polizeikino und moderner Genre-Dramatik. Die Spannung entsteht weniger aus Action als aus der ständigen Unsicherheit darüber, wem man noch trauen kann. Diese Grundspannung trägt den Film über weite Strecken souverän.
Im letzten Drittel verliert der Film ein wenig an Originalität. Wenn die Karten offen gelegt werden und die Geschichte in Verfolgungsjagden und Schusswechsel mündet, wirkt das Geschehen konventioneller als der starke Aufbau zuvor. Handwerklich ist das alles solide, aber nicht mehr so elektrisierend wie die moralisch aufgeladene Zuspitzung davor. Der Film bleibt ansprechend, erreicht jedoch nicht ganz die Intensität, die er zu Beginn versprochen hat.Kein bombastischer oder reißerischer Thriller, sondern ein bewusst zurückhaltender, ausgereifter Genre-Beitrag, dessen größte Stärke in seiner Atmosphäre, seinen Figuren und seiner moralischen Ambivalenz liegt.
Fazit: Joe Carnahan vertraut auf Spannung durch Eskalation statt Daueraction und findet in Matt Damon und Ben Affleck zwei präzise gesetzte Fixpunkte, die dem Film Glaubwürdigkeit und Schwere verleihen. Auch wenn das Finale konventioneller ausfällt als der exzellent aufgebaute Mittelteil, bleibt ein stimmiger Thriller, der das klassische Polizeikino ernst nimmt und zugleich kritisch hinterfragt. Es ist kein Genre Upgrade, aber ein erwachsener Cop-Film.
Film Bewertung 7 / 10





