The Father | Film Kritik | 2021

Offizielles Filmplakat

Regie: Florian Zeller | Erscheint: 13. Mai 2021 | Länge: 98 min | FSK: ab 6 Jahren

Story: Anne (Olivia Colman) ist in großer Sorge um ihren Vater Anthony (Anthony Hopkins). Als lebenserfahrener, stolzer Mann, lehnt er trotz seines hohen Alters jede Unterstützung durch eine Pflegekraft ab und weigert sich standhaft, seine komfortable Londoner Wohnung zu verlassen. Obwohl ihn sein Gedächtnis immer häufiger im Stich lässt, ist er davon überzeugt, auch weiterhin allein zurechtzukommen. Doch als Anne ihm plötzlich eröffnet, dass sie zu ihrem neuen Freund nach Paris ziehen wird, ist er verwirrt.

Wer ist dann dieser Fremde in seinem Wohnzimmer, der vorgibt, seit über zehn Jahren mit Anne verheiratet zu sein? Und warum behauptet dieser Mann, dass Anthony als Gast in ihrer Wohnung lebt und gar nicht in seinem eigenen Apartment? Anthony versucht, die sich permanent verändernden Umstände zu begreifen und beginnt mehr und mehr zu zweifeln: an seinen Liebsten, an seinem Verstand und schließlich auch seiner eigenen Wahrnehmung.

©Tobis Film

Film Kritik:

von Nicola Scholz – “Ein berührendes Meisterwerk”

Anthony fühlt sich noch vollkommen gesund und in der Lage unabhängig ohne Hilfe seiner Tochter oder sonst irgendjemanden zu leben. Auch wenn ihn immer wieder Dinge entfallen, zum Beispiel wo er seine Uhr hingelegt hat oder wer der Mann in seinem Apartment ist. Seine Tochter Anne will nun aber nach Paris ziehen und weiß das sie ihren Vater nicht allein im Apartment leben lassen kann.

Und somit stellt sie verschiedene Pflegerinnen, an die ihr Vater nach und nach mit seinen Stimmungsschwankungen vergrault. In der einen Sekunde ist er vollkommen fröhlich und erfreut eine neue Bekanntschaft zu machen, in der nächsten weiß er nicht mehr wohin sein Bild über dem Kamin verschwunden ist und wieso es schon wieder so spät ist, wo all die Menschen hin sind die in seinem Apartment ein und ausgehen und ob das wirklich seine Tochter Anne ist, denn sie sieht ihr doch so gar nicht ähnlich. Sein Zustand verschlechtert sich Zunehmens. Eine Adaption einer französischen TV-Produktion für den Weltmarkt. Und dafür doch recht einfach gestrickt. Spielt doch der ganze Film in einer Wohnung mit einer Handvoll Schauspieler die erlesener nicht sein könnten.

Vorweg muss man sagen das nicht zuletzt Juliane Moore in „Still Alice“ eine fantastische Darbietung einer an Alzheimer erkrankten Frau bewegend verkörperte. Doch das Alzheimer noch andere Facetten hat, die sich im Laufe der Erkrankung auch verstärken können, zeigt nun „The Father“ auf unglaublich authentische Art und Weise.

Anne (Olivia Colman), Anthony (Anthony Hopkins)
Anne (Olivia Colman), Anthony (Anthony Hopkins) ©Tobis Film

Die Erzählperspektive ist das Geheimnis des Films

Von Wutausbrüchen hin zu Angst, der Inneren Unruhe und Halluzinationen zeigt Anthony Hopkins hier eine atemstockende Verwandlung in einen Demenzkranken im fortgeschrittenen Stadium. Jede noch so kleine Nuance der Krankheit wird fein und detailliert gespielt und auch kein noch so unschöner Moment wird ausgelassen.

Mit Vertrautheit dieser Krankheit muss ich mich als Kritik-Schreiberin hier und da jedoch auch über die ein oder andere Umsetzung wundern. Denn der körperliche Verfall, der meist einhergeht mit der Krankheit bleibt hier aus. Und so fortgeschritten wie die Krankheit bei Anthony scheint gehören weit aus dramatischeren körperlichen Einschränkungen eigentlich dazu. Ich kann jedoch nachvollziehen, dass man sich auf den Bereich der Demenz, in Hinblick auf das Gedächtnis, beschränkt.

Wir bekommen den Film als Zuschauer komplett aus der Perspektive des Anthony zu sehen und sind im ersten Moment genauso verwirrt und schockiert über den Verlust der Zeit, das Tage einfach vergehen und man nichts davon mitbekommt, das Menschen plötzlich erscheinen und erzählen das sie doch erst am Tage zuvor da war. Diesen Schritt auf die andere Seite der Krankheit ist schon bei „Still Alice“ ein starker mutiger Schritt gewesen.

Aus der Perspektive des erkrankten spürt man plötzlich was es heißen mag unter dieser Krankheit zu leiden. Und man versteht auch die Entscheidung von Juliane Moore in „Still Alice“ noch deutlicher. War ihre Krankheit noch nicht soweit vorangeschritten wäre sie es irgendwann bestimmt.

Anthony (Anthony Hopkins) in The Father
Anthony (Anthony Hopkins) ©Tobis Film

Den Verlust über sich selbst, seinen Körper, sein Handeln, seiner Erinnerung, ist der schrecklichste Verlust den ein Mensch ertragen muss. Auch wenn er immer weniger davon mitzubekommen scheint. Man hat jedoch auch das Gefühl das Anthony sehr wohl weiß das irgendetwas nicht stimmt, das ihm die Kontrolle entgleist, weshalb er immer wieder mit Wut und Konfrontation der Situation entgegenkommt.


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Ein wahnsinnig aufwühlendes Werk, das bis zum Ende ein wirres Konstrukt des verbliebenen Anthony zeigt und einem wahrlich das ganze Ausmaß der Krankheit vor Augen führt, wenn auch nur auf der Gedächtnis Seite. Anthony Hopkins Leistung bleibt dabei eine herausragende tiefgründe Reise in die Gefühlswelt eines Demenz Kranken.

Aber auch Olivia Coleman, welche als Tochter fungiert spielt die Verzweiflung aber auch die Liebe zu ihrem Vater in so vielen authentischen Facetten, dass es ein unglaublich emotionales Zusammenspiel zwischen ihr und Anthony Hopkins ergibt.

Imogen Poots (Laura), Anne (Olivia Colman), Anthony (Anthony Hopkins)
Imogen Poots (Laura), Anne (Olivia Colman), Anthony (Anthony Hopkins) ©Tobis Film

Fazit: Ein Film, der fast wie aus der Feder von Andreas Dresen daherkommt und sehr stimmig mit Musik und Kamerabild agiert. Unbedingt empfehlenswertes tragisches Kammerspiel das einen lange nicht mehr so guten Umgang mit dem Thema Demenz zeigt.

Wertung: 10 / 10

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