That`s why the Lady is a Champ

Inhalt: West Virginia, Ende der 1980er-Jahre: Die talentierte Amateurboxerin Christy Martin (Sydney Sweeney) träumt von einer Karriere im Profisport – in einer Zeit, in der Frauen im Boxen kaum ernst genommen werden. Als sie den erfahrenen Trainer Jim Martin (Ben Foster) kennenlernt, scheint sich ihr Traum zu erfüllen. Unter seiner Führung steigt Christy zu einer der erfolgreichsten Boxerinnen ihrer Generation auf und wird zur Wegbereiterin des Frauenboxens.

Doch hinter den sportlichen Erfolgen verbirgt sich ein persönlicher Albtraum. Während Christy im Ring gegen ihre Gegnerinnen kämpft, muss sie außerhalb des Boxrings Missbrauch, Kontrolle, Sexismus und Homophobie ertragen. Je größer ihr Ruhm wird, desto härter wird auch der Kampf um ihre eigene Freiheit und Selbstbestimmung.

Sydney Sweeney trägt das gesamte Drama

Frauen hatten es im Profiboxen jahrzehntelang schwer. Kaum eine andere Sportart galt lange als so sehr von Männern dominiert wie der Boxring. Dass sich Christy Martin in den 1990er-Jahren dennoch bis an die Weltspitze kämpfte und den Frauenboxsport nachhaltig veränderte, macht ihre Geschichte zu einer der bedeutendsten Sportkarrieren ihrer Generation. THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP erzählt diese Geschichte – entscheidet sich dabei allerdings bewusst für einen anderen Schwerpunkt, als man zunächst erwarten würde.

Regisseur David Michôd interessiert sich weniger für die Entwicklung des Frauenboxens als vielmehr für den Menschen hinter der Sportikone. Dadurch entsteht weniger ein klassisches Sportlerporträt als vielmehr ein intensives Beziehungsdrama über Kontrolle, Manipulation und Selbstbestimmung. Der Film beginnt Ende der 1980er-Jahre in einer kleinen Bar im Süden der USA. Christy verdient mit Amateurkämpfen gerade einmal wenige hundert Dollar, ehe sie sich Schritt für Schritt zur erfolgreichsten Boxerin ihrer Zeit entwickelt. Als erste Frau ziert sie das Cover der Sports Illustrated und beweist, dass auch Frauenkämpfe ein Millionenpublikum erreichen können.

Sydney Sweeney vollzieht dafür eine beeindruckende körperliche und schauspielerische Transformation. Sie verzichtet vollständig auf ihr bisheriges Glamour-Image und verkörpert Christy Martin als bodenständige, ehrgeizige Frau, die sich ihren Platz in einer Männerwelt mit harter Arbeit erkämpft. Hinter ihrer kämpferischen Fassade bleibt jedoch stets eine große Verletzlichkeit spürbar.

Sydney Sweeney (Christy Martin) in That`s why the Lady is a Champ
Sydney Sweeney als Christy Martin © Tobis Film

Zwischen Sportfilm und Beziehungsdrama

Mindestens ebenso eindrucksvoll agiert Ben Foster als Trainer und späterer Ehemann Jim Martin. Seine Darstellung eines zunehmend kontrollierenden, manipulativen und gewalttätigen Partners entwickelt sich zum eigentlichen Motor des Films und sorgt für einige der intensivsten Szenen. Genau hier liegt allerdings auch die größte Schwäche des Films. Obwohl Christy Martin zu den wichtigsten Pionierinnen des Frauenboxens gehört, rückt ihre sportliche Karriere zunehmend in den Hintergrund.

Statt den Wandel des Boxsports oder ihren historischen Einfluss ausführlicher zu beleuchten, konzentriert sich Michôd fast ausschließlich auf ihre toxische Ehe. Dadurch verliert THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP immer wieder seinen Fokus. Die Kämpfe im Ring dienen häufig lediglich als Kulisse für das private Drama. Auch interessante Figuren wie Christys Rivalin Lisa Holewyne, gespielt von Katy O’Brian, bleiben deutlich unterentwickelt und hätten dem Film zusätzliche Perspektiven eröffnen können.

Hinzu kommt eine insgesamt sehr düstere Grundstimmung. Michôd verzichtet bewusst auf klassische Triumphmomente und zeichnet stattdessen ein nahezu durchgehend trostloses Bild. Auch wenn dieser Ansatz authentisch wirkt, raubt er dem Film doch bisweilen etwas von der emotionalen Intensität, die gerade Sportfilme oft auszeichnet – insbesondere wenn es um Niederlagen und deren Verarbeitung geht.

Stark gespielt, aber mit verschenktem Potenzial

Unbestritten bleibt die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles. Sydney Sweeney beweist eindrucksvoll, dass sie weit mehr kann als ihre bisherigen Rollen vermuten ließen. Ben Foster liefert erneut eine intensive Performance ab, die gleichermaßen faszinierend wie erschreckend wirkt. Dennoch hinterlässt der Film das Gefühl, dass hier zwei Geschichten miteinander konkurrieren.

Einerseits möchte er die Karriere einer außergewöhnlichen Sportlerin würdigen, andererseits entwickelt er sich fast vollständig zu einem psychologischen Drama über häusliche Gewalt und emotionale Abhängigkeit. Beide Ansätze funktionieren für sich genommen, nehmen sich jedoch gegenseitig den Raum, um ihre volle Wirkung zu entfalten.

Fazit: THAT’S WHY THE LADY IS A CHAMP lebt vor allem von der beeindruckenden Leistung einer kaum wiederzuerkennenden Sydney Sweeney und einem intensiven Ben Foster. Das Sportdrama erzählt die bewegende Geschichte einer außergewöhnlichen Box-Pionierin, verliert ihren historischen Einfluss auf den Frauenboxsport jedoch etwas aus den Augen und konzentriert sich stattdessen fast ausschließlich auf das private Leid hinter dem Erfolg.

Film Bewertung 6 / 10