Inhalt: SPA WEEKEND ist eine bissige und freche Female-Buddy-Komödie über vier Freundinnen, die sich ein entspanntes Wellness-Wochenende in Palm Springs gönnen wollen. Sonne, Spa, Sekt – alles soll relaxt und harmonisch sein. Im Mittelpunkt des Films stehen Jane, Coco und Sophie – doch als ihre unberechenbare Freundin Mel auftaucht, entwickelt sich die geplante Auszeit zu einem turbulenten Abenteuer und schnell wird klar: Dieser Luxus-Trip wird alles andere als erholsam. Was folgt, ist ein chaotisches Wochenende voller Missverständnisse, verletzter Egos und überraschender Wahrheiten. Ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt – bis zum unvermeidlichen Breakdown.
Ein Wellnessurlaub nach längst verbrauchtem Rezept
Jon Lucas und Scott Moore legten mit ihrem Drehbuch zu „Hangover“ 2009 den Grundstein für zahlreiche Komödien über Freundesgruppen, die sich betrinken, die Kontrolle verlieren und am nächsten Morgen die Folgen beseitigen müssen. Seitdem variieren sie dieses Modell: in „21 & Over“ mit Studenten, in „Bad Moms“ mit überforderten Müttern und in „Bad Moms 2“ mit denselben Müttern während der Feiertage.
„Spa Weekend“ überträgt die Formel nun auf vier Frauen mittleren Alters. Doch anstatt das vertraute Konzept aus einer neuen Perspektive zu betrachten, setzt der Film lediglich andere Figuren in dieselbe dramaturgische Maschine. Die Anwältin und alleinerziehende Mutter Jane (Leslie Mann), die überarbeitete Sophie (Anna Faris) und die temperamentvolle Geschiedene Coco (Michelle Buteau) stellen fest, dass ihre langjährige Freundschaft im Alltag kaum noch Platz findet.
Ein gemeinsames Wochenende in einem luxuriösen Wellnessresort soll die frühere Nähe zurückbringen. Versehentlich laden sie auch ihre entfremdete Jugendfreundin Mel ein. Die von Isla Fisher gespielte Australierin verwandelt den Aufenthalt erwartungsgemäß in eine Folge eskalierender Katastrophen. Ziegen laufen durch das Resort, ein Golfwagen wird zweckentfremdet und ein Meditationskurs endet im Lärm. Die Situationen wirken allerdings nicht wie organisch aus den Figuren entstandene Missgeschicke, sondern wie Punkte auf einer Liste vermeintlich verrückter Einfälle.
Frauenfreundschaft wird auf alte Klischees reduziert
Lucas und Moore steigern das Chaos mechanisch, ohne einen komischen Rhythmus zu entwickeln. Die Eskapaden werden größer, aber nicht überraschender. „Spa Weekend“ verwechselt Lautstärke mit Energie und Rücksichtslosigkeit mit befreiender Anarchie. Noch problematischer ist das Frauenbild des Films. Seine Vorstellung davon, was Frauen bei einem gemeinsamen Wochenende unterhaltsam finden könnten, erschöpft sich in Schlammbädern, männlichen Strippern, Meditation und sexuellen Anspielungen.
Statt konkrete Erfahrungen von Frauen in ihren Vierzigern aufzugreifen, greift das Drehbuch auf Klischees zurück, die bereits in den 1990er-Jahren überholt wirkten. Besonders deutlich zeigt sich das am Yogalehrer Kai (Adam Demos). Zeitlupenaufnahmen seiner blonden Haare und die demonstrative Präsentation seiner Bauchmuskeln sollen offenbar genügen, um ihn als unwiderstehlichen Liebhaber zu etablieren. Eine erkennbare Persönlichkeit benötigt er dafür nicht. Er bleibt die männliche Fantasiefigur eines Drehbuchs, das Frauen gleichzeitig auf ihre angeblich universellen Wünsche reduziert.
Natürlich dürfen weibliche Komödienfiguren ebenso ordinär, selbst bezogen und nervtötend sein wie ihre männlichen Gegenstücke. Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass Frauen in Filmen nur sympathisch oder vernünftig auftreten müssen. Doch damit unangenehme Figuren komisch werden, benötigen sie gute Pointen, Widersprüche und ein Mindestmaß an Selbsterkenntnis. „Spa Weekend“ bietet ihnen stattdessen nur grobe Charakterklischees.

Mel ist keine schräge Außenseiterin, sondern ein Problem
Isla Fishers Mel übernimmt innerhalb der Gruppe jene Funktion, die Zach Galifianakis als Alan in „Hangover“ erfüllte: Sie ist die sozial unbeholfene Außenseiterin, die niemand wirklich dabeihaben möchte und die dennoch jede Situation an sich reißt. Während Alan in seiner Ahnungslosigkeit zumindest gelegentlich charmant wirkte, ist Mels Verhalten fast ausschließlich destruktiv.
Sie ignoriert Grenzen, gefährdet andere Menschen und zerstört fremdes Eigentum. Dass sie laut ist, einen Meditationskurs stört oder Tiere freilässt, ersetzt weder eine Persönlichkeit noch eine funktionierende Pointe. Ihr fehlendes Bewusstsein für die Folgen ihres Handelns besitzt weniger befreiende Komik als eine beinahe toxische Rücksichtslosigkeit. Besonders unglaubwürdig wird der Film, wenn ihre Freundinnen dieses Verhalten kurzerhand verzeihen.
Die abschließende Versöhnung soll emotionale Wärme erzeugen, bleibt aber unverdient, weil das Drehbuch die eigentlichen Konflikte nicht bearbeitet. Freundschaft bedeutet hier nicht, einander ehrlich Grenzen aufzuzeigen, sondern jede Grenzüberschreitung als Ausdruck liebenswerter Verrücktheit zu akzeptieren.
Die Besetzung besitzt mehr Charisma als das Drehbuch
Leslie Mann, Anna Faris, Michelle Buteau und Isla Fisher gehören zu den erfahrensten Komödiendarstellerinnen ihrer Generation. Immer wieder lassen sie erkennen, wie viel Witz und Wärme in einer besseren Geschichte über langjährige Freundschaften, Scheidung, Mutterschaft und berufliche Erschöpfung stecken könnte. Gelegentlich retten ihr Timing und ihre gemeinsame Energie einzelne Momente vor der vollständigen Belanglosigkeit.
Auch eine große Studiokomödie, die konsequent von vier Frauen mittleren Alters getragen wird, ist weiterhin keine Selbstverständlichkeit. Umso ärgerlicher ist es, dass Lucas und Moore ihnen kaum mehr anbieten als eine weiblich umetikettierte Version ihrer alten Erfolgsformel. Die Besetzung darf zwar genauso vulgär auftreten wie die Männer aus „Hangover“, bekommt aber nicht annähernd so präzise geschriebene Pointen.
Fazit
„Spa Weekend“ möchte „Eat, Pray, Shag“ sein, bleibt jedoch eine ermüdende Ansammlung erzwungener Eskalationen. Der Film spricht über weibliche Freundschaft, interessiert sich aber stärker für Schlammbäder, Waschbrettbäuche und austauschbare Partyexzesse. Vier talentierte Darstellerinnen versprühen gelegentlich Charisma, können eine Komödie ohne funktionierende Gags und glaubwürdige Figuren aber nicht retten.
Film Bewertung 3 / 10





