+Edwin gilt für viele als die wichtigste und eigenständigste Stimme des indonesischen Kinos. Mit international gefeierten Werken wie Vengeance Is Mine, All Others Pay Cash, ausgezeichnet mit dem Goldenen Leoparden in Locarno, oder Postcards from the Zoo, der seine Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale feierte und bei den Asian Film Awards mit dem Edward Yang New Talent Award geehrt wurde, hat sich der Regisseur längst einen festen Platz im Arthouse-Kino gesichert. Bereits sein Kurzfilm Kara, the Daughter of a Tree schrieb Geschichte als erster indonesischer Beitrag in der Director’s Fortnight von Cannes.
Mit SLEEP NO MORE treibt Edwin seine filmische Handschrift konsequent weiter. Der Film verbindet nahtlos fantastische Elemente, Body Horror und eine scharf formulierte soziale Kritik zu einer unheimlichen, hochgradig beunruhigenden Horror-Fantasie, die weit über klassische Genregrenzen hinausgeht und noch lange nach der letzten Szene nachhallt.
Schlafentzug, Schuld und das Grauen der Fabrik
Im Zentrum der Geschichte steht Putri, gespielt von Rachel Amanda. Nach dem plötzlichen und gewaltsamen Tod ihrer Mutter in einer Perückenfabrik ist sie überzeugt, dass es sich um einen Selbstmord infolge extremen Schlafentzugs handelte. Ihre Schwester Ida, eindringlich verkörpert von Lutesha, glaubt jedoch an etwas weit Unheimlicheres. Für sie steckt eine dämonische Besessenheit hinter dem Tod.
Entschlossen, die Wahrheit aufzudecken, nimmt Ida selbst eine Stelle in der Fabrik an. Sie arbeitet Tag und Nacht, setzt sich denselben entmenschlichenden Bedingungen aus und gerät zunehmend in einen Zustand körperlicher und psychischer Erschöpfung. Währenddessen zieht ihr jüngster Bruder Bona, gespielt von Iqbaal Ramadhan, der mit der unheimlichen Fähigkeit geboren wurde, seinen eigenen Körper zu regenerieren, die Aufmerksamkeit einer geisterhaften Gestalt auf sich, die durch die endlosen Korridore der Fabrik streift.
Gemeinsam steigen die Schwestern immer tiefer in die Katakomben dieses Spukortes hinab. Dort entwirren sie ein dichtes Geflecht aus Lügen, Ausbeutung und Betrug, das weit über den Tod der Mutter hinausweist. Edwin nutzt den Horror nicht als bloßen Selbstzweck, sondern als radikale Metapher für Arbeitsbedingungen, weibliche Körper, Schuld und kollektive Verdrängung.
SLEEP NO MORE ist damit nicht nur ein intensiver Genrebeitrag, sondern ein kompromissloses Statement-Kino. Ein Film, der unter die Haut geht, Körper und Gesellschaft gleichermaßen seziert und das Publikum mit einem Gefühl nachhaltiger Unruhe zurücklässt.





