Inhalt: Als in der ruhigen Stadt, in der Sidney Prescott (Neve Campbell) sich ein neues Leben aufgebaut hat, ein neuer Ghostface-Killer auftaucht, werden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr, denn ihre Tochter (Isabel May) ist sein nächstes Ziel. Entschlossen, ihre Familie zu beschützen, muss Sidney sich den Schrecken ihrer Vergangenheit stellen, um dem Blutvergießen ein für alle Mal ein Ende zu setzen.
Wenn das Requel zur Meditation wird
Gleich zu Beginn der Fortsetzung von Scream von 2022 erklärt Tara Carpenter (Jenna Ortega), dass The Babadook ihr Lieblingshorrorfilm ist. Sie beschreibt ihn als eine hochwertige Auseinandersetzung mit den Themen Mutterschaft und Trauer, als einen Horrorfilm mit komplexen emotionalen Untertönen. Ghostface reagiert darauf mit seinem üblichen Zynismus, lehnt den Film als überflüssigen Intellektualismus ab und spricht sich für blutige Morde und selbst referenzielle Eskalationen aus. Scream 7 unter der Regie von Kevin Williamson, dem ursprünglichen Drehbuchautor der Serie, bewegt sich nun genau zwischen diesen beiden Polen.
Der Film verlegt die Handlung nach Pine Grove, Indiana, eine Stadt, die unverkennbar an Woodsboro erinnert. Im Mittelpunkt steht Sidney Prescott, jetzt Sidney Evans, erneut gespielt von Neve Campbell. Nach ihrer Abwesenheit in „Scream VI“ kehrt sie zurück, mittlerweile verheiratet mit dem Polizisten Mark (Joel McHale). Im Mittelpunkt der Handlung steht diesmal ihre angespannte Beziehung zu ihrer Tochter Tatum (Isabel May).
Die Verarbeitung von Traumata ist das zentrale Thema. Der Film nutzt eine herbstliche Kulisse, eine gedämpfte Farbpalette und menschenleere nächtliche Straßen. Er versteht sich ausdrücklich als Meditation über Mutterrolle und Trauer. Das Problem dabei ist nicht der Anspruch, sondern die Ausrichtung. „Scream“ von 2022 hat sich bereits mit toxischer Fan-Kultur auseinandergesetzt. „Scream 7“ läuft Gefahr, die Balance zwischen Emotionen und genre-typischer Spannung zu verlieren.

Starke Eröffnung, schwächere Enthüllung
Eine der klaren Stärken ist die Eröffnungssequenz im Macher-Haus, dem ikonischen Schauplatz des Finales von 1996. Das Haus, das mittlerweile über Airbnb gebucht werden kann, wird zu einem makabren Erlebnisort. Die Atmosphäre ist angespannt, die Bedrohung greifbar, während ein ahnungsloses Pärchen in das mörderische Szenario verwickelt wird. Diese Szene trifft den Kern der Filmreihe perfekt.
Auch einige Details sind besonders gut gelungen. Die bereits im Trailer angedeutete Szene, in der ein Mensch im Theater ausgeweidet wird, ein anderer durch einen Bierzapfhahn stirbt und Wände mit Messern durchlöchert werden, sorgt für effektvolle Spannungsmomente. Niemand inszenierte Stalk-and-Slasher-Sequenzen so meisterhaft wie Wes Craven, aber Williamson schafft es, zumindest stellenweise an diese Dynamik anzuknüpfen.
Weniger gelungen ist die Einbindung der von Mason Gooding und Jasmin Savoy Brown gespielten Figuren Chad und Mindy. Sie wirkten bereits in einem Erzählstrang des Vorgängerfilms etwas deplatziert. In „Scream 7“ mangelt es Mindy, welche eigentlich die Rolle der Kommentarstimme zu den sich wandelnden Genre-Regeln einnimmt, an einer schlüssigen Bedeutung. Die Abwesenheit von Sam und Tara Carpenter, (Melissa Barrera und Jenna Ortega), hinterlässt spürbare Lücken, für die es keine vollständige Ersatzlösung gibt.
Williamson greift auch die aktuelle Debatte über künstliche Intelligenz auf. Die Frage, ob der ursprüngliche Ghostface, Stu Macher, tatsächlich zurück ist oder nur als Deepfake existiert, sorgt für ein wenig Spannung. Die finale Auflösung bleibt jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Sie hat nicht die Wucht früherer Wendungen.

Rückkehr einer Ikone
Trotz konzeptioneller Schwächen bleibt Neve Campbells Rückkehr das wichtigste Versprechen des Films. Ihre Präsenz verleiht „Scream 7“ emotionale Kontinuität. Auch Courteney Cox als Gale Weathers, die einzige Figur, die in allen sieben Teilen vorkommt, trägt zur vertrauten Dramaturgie bei. Eine ironische Anspielung auf die Ereignisse in „Scream VI“ unterstreicht die selbst referenzielle Haltung der Serie.
Scream 7 ist weder ein radikaler Neustart noch eine stimmige Fortsetzung. Der Film versucht, emotionale Tiefe mit Meta-Kommentaren zu verbinden, ohne dabei immer die richtige Balance zu finden. Der ambitionierte Fokus auf familiäre Traumata verleiht dem Film zwar etwas Substanz, raubt ihm aber auch stellenweise das Tempo und die spielerische Leichtigkeit, die das Franchise einst auszeichneten.
Fazit: „Scream 7“ ist kein reiner Slasherfilm und auch keine geistreiche Auseinandersetzung mit dem Horrorgenre. Der Film bewegt sich zwischen zwei Extremen und kann nur bedingt überzeugen. Die Grundlagen sind solide, einzelne Szenen sind wirkungsvoll inszeniert und die Rückkehr von Sidney Prescott hat ihren Reiz. Die Schlusspointe bleibt jedoch enttäuschend und ist kaum spektakulärer als das Finale einer Drei-Fragezeichen-Folge.
Film Bewertung 5 / 10





